Guten Morgen in fünf Sprachen

13.09.2011   Ort: Vestenbergsgreuth  Von: Mona Lisa Eigenfeld  Fränkischer Tag

Völkerverständigung In einem Camp in Vestenbergsgreuth bauen Jugendliche aus aller Welt an einer Volleyball-Anlage - und dem Abbau von Vorurteilen. Darunter auch die 18-Jährige Yoko aus Japan, die sich für deutsche Kultur begeistert.


Im Jugendcamp: Franziska und Sarah benötigen viel Geduld bei der Gestaltung des Mosaiks am Treppenaufgang. Fotos: Mona Lisa Eigenfeld
Ganz international präsentiert sich in diesen Tagen Vestenbergsgreuth. Insgesamt 14 motivierte Menschen im Alter von 16 bis 26 Jahren haben sich dazu entschieden, im ländlichen Franken gemeinsam zu schuften. Die 18-jährige Yoko aus Japan ist eine der weitgereisteren Teilnehmerinnen. Für die Studentin aus dem fernen Osten ist es der erste Besuch in Deutschland. Zur Entscheidung, am Camp teilzunehmen, bewog sie ihr Interesse an der deutschen Kultur. "Vor allem die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen hier ist schön", erzählt Yoko nun begeistert aus eigener Erfahrung. Während die Gruppe wöchentlich von Montag bis Donnerstag morgens bis nachmittags gemeinsam im und am Jugendhaus arbeitet, konnte sie in ihrer Freizeit bislang reizvolle Orte der Region kennenlernen.
Voraussetzung für den Aufenthalt waren neben festem Schuhwerk auch handwerkliches Geschick und Teamfähigkeit. Schließlich ging es schon in den ersten Tagen hart zu. Immerhin sollte die zum Haus gehörige Beachvolleyball-Anlage komplett erneuert werden. Nachdem die Teilnehmer den alten Sand entfernt hatten, legte man mit Unterstützung einer Fachfirma ein neues Spielfeld an. "Das war schon keine leichte Aufgabe", meint Franziska aus Deutschland. Sie hatte den kürzesten Anreiseweg. Ihre Teamkollegen kommen unter anderem aus Namibia, Israel, Frankreich, Italien, der Türkei und der Ukraine.
Auf dem Ausflugsprogramm standen neben den Großstädten Nürnberg, Bamberg und Würzburg auch ein Kletterausflug in die Fränkische Schweiz sowie ein Schwimmbadbesuch. Und auch in Vestenbergsgreuth selbst erkundeten die jungen Leute Sommerrodelbahn und Biergarten. Besonders angetan war Yoko von einer Stadt: "Bamberg mit seinem wunderschönen Klein-Venedig hat mir bisher am besten gefallen", sagt die Japanerin.
Bereits zum vierten Mal seit 1994 werkeln Jugendliche aus aller Welt in der mittelfränkischen Marktgemeinde. Knapp drei Wochen lang wird auf dem Gelände des dortigen Jugendübernachtungshauses gesägt, gebuddelt, gestrichen und rundum erneuert. Die Leitung des Projekts obliegt dabei dem Kreisjugendring Erlangen-Höchstadt in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst (ijgd). "Wenn es hier sinnvolle Arbeiten zu verrichten gibt, kontaktieren wir die Organisation und rufen junge Menschen dazu auf, sich zu beteiligen", erklärt Traugott Goßler, Geschäftsführer des Kreisjugendrings. Finanziell unterstützt wird das Projekt auch vom hiesigen Landkreis.
Um die Kommunikation der verschiedenen Teilnehmer untereinander sowie mit den Betreuern zu erleichtern, wird größtenteils Englisch gesprochen. Trotzdem ist der Lerneffekt groß. "Wir eignen uns alle ein paar Wörter aus den jeweils anderen Sprachen an", erläutert Yoko. Auch Betreuerin Marlien Mielczarek aus der Nähe von Mainz profitiert vom internationalen Flair. "Guten Morgen kann ich inzwischen in fünf verschiedenen Sprachen sagen", sagt die junge Frau lachend. Nach einem theoretischen Ausbildungsseminar der ijgd konnte sie nun erste Erfahrungen im realen Umgang mit den Jugendlichen sammeln.
Tag und Nacht ist sie für die Teilnehmer vor Ort erreichbar, stellt Küchenpläne zusammen und vermittelt, wenn nötig, zwischen den jungen Leuten. Immerhin muss neben der handwerklichen Arbeit am Haus auch gekocht und geputzt werden. Am Donnerstag machen sich die Gruppenmitglieder dann wieder auf in ihre Heimaten in aller Welt.
Weil nicht alle Renovierungen in solch kurzer Zeit realisiert werden konnten, mussten unter anderem bei den zahlreichen Tischen des Hauses Abstriche gemacht werden. "Statt die Tische komplett zu erneuern, tauschen wir nun lediglich die Platten aus", schildert Traugott Goßler. Ansonsten habe man viel erreichen können in den rund drei Wochen Arbeit mit den Jugendlichen.
Neben der Verlegung eines Naturholzbodens und dem Streichen aller Räume mit umweltfreundlichen Farben, wurde auch eine mit aufwendigen Mosaikbildern verzierte Außenfassade verwirklicht, sodass sich zukünftige Gäste über ein rundum erneuertes Jugendübernachtungshaus freuen können. Für Yoko macht genau diese Mischung aus Kultur und Arbeit den Reiz ihres Besuchs aus. Schon jetzt ist sie deshalb sicher: "Ich werde meinen Aufenthalt sicherlich immer in guter Erinnerung behalten."



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