Die Base rockt und Smiley lächelt
19.09.2011
Ort: Herzogenaurach Von: Bernhard Panzer ![]()
Junge Szene Herzo Beim Baserock der Musikinitiative Herzogenaurach spielen nur eigene Bands. Natürlich ohne Gage. Auch die Stars von "Random Hero" sind dabei.
Tim Reinhold, wie der junge Sprechsänger im bürgerlichen Leben heißt, ist am Samstagabend der letzte Interpret auf der Bühne. Elf Bands haben an drei Tagen und Abenden gezeigt, was sie drauf haben und die Music-Base der Musikinitiative Herzogenaurach (MIH) zur Open-Air-Arena verwandelt. Gut 500 Fans verfolgen das zweite Baserock-Festival an den drei Tagen - für den Verein ein deutliches Zeichen, dass man mit der Veranstaltung im kleineren Rahmen genau richtig liegt. "Wir haben die Besucherzahl verdoppelt", sagt MIH-Vorsitzender Thomas "Smiley" Schönfelder.
In früheren Jahren hatte der Verein, der auf seiner Music-Base mehr als hundert Musikern in rund 30 Bands ein Proben-Zuhause gibt, Open-Airs im größeren Stil versucht. Mit geringem Erfolg, denn die wenigen Fans verloren sich auf dem großen Areal an der Halfpipe. Im zweiten Jahr der Konzeptänderung stellte sich nun der Erfolg ein - es wurde ein feines Open-Air auf dem eigenen Gelände an der Nutzung daraus.
Drinnen oder draußen?
Dabei sah es am Samstag erst gar nicht danach aus, dass eine wesentliche Entscheidung leicht wäre, sondern schon eher scheiß schwer. Die Frage "drinnen oder draußen" musste beantwortet werden, sagte Mitorganisator Rudi Bauerfeld. Denn die Gewitterwolken zogen auch um Herzogenaurach herum. Man entschied sich für draußen, musste mehrere heftige Regenschauer überstehen und schaffte auch das. Die Fans blieben, suchten vorübergehend Schutz unter Zeltplanen und behielten ihre gute Laune. Sie pfiffen auf das Wetter. Das Leben war nicht scheiß schwer an diesem Abend.
Auch Alina (19) und Sandra (21) hatten Spaß. Die beiden Schwestern kamen extra zum Festival aus Garching bei München angereist. Mal schnell zwei Stunden Hinfahrt, ein paar Stunden Open-Air und danach gleich wieder zurück. "Wir machen das gern", sagt Sandra. "Und waren auch schon in Köln." Aber warum wohl? Genau - die neuen Stars der MIH haben sie gelockt. "Random Hero" hat Fans in ganz Deutschland, schaffte es kürzlich ins Finale des New Music Award der ARD in Berlin und war schon mit Großen wie "Silbermond" auf Tour. In die Band verliebt haben sich die jungen Frauen im letzten Jahr in München. Da waren die "Zufallshelden" Vorband vom Adam Lambert und die Schwestern waren dabei.
"Die Musik ist einfach cool", sagt Sandra. Und Alina findet Fabi süß, den Sänger mit den roten Haaren. Eine Dreiviertelstunde nur dauert der Kurzauftritt ihrer Lieblingsband, weil der Schlagzeuger Jo Pressl, ein Profimusiker, am gleichen Abend noch einen Gig in München spielen muss. Da hätten die Mädels doch eine Fahrgemeinschaft bilden können.
"Schönen guten Abend Herzogenaurach", hatte Fabian Strangl die Fans begrüßt. Das sagt man halt so, wenn man jüngst in Berlin oder Polen gespielt und schon eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Obwohl die Band wie alle anderen auch ein Heimspiel hatte und drinnen in der Base ihren Probenraum hat. Fabi verspricht an diesem Abend, "tanzbare Musik zu spielen" und als erste Zugabe kommt sie dann auch, die aktuelle Single "Could you be my love". Ein Song mit Hitgarantie, wie auch etwa der Berliner Tagesspiegel lobte.
Für "Random Hero" bedeutete dieser Auftritt eher eine zusätzliche Probe. Wenn man schon vor 7000 Fans gespielt hat, dann war das jetzt eher wie Hausmusik im Wohnzimmer. Aber sie haben gerne zugesagt, sagt Rudi Bauerfeld. "Wir wollten, dass sie spielen." Denn es ist Sinn des Baserock-Festivals, dass ausschließlich Bands der MIH auftreten. Ausgesucht wird nach dem Motto "Die einen wollen, die anderen sollen". "Random Hero", das Aushängeschild der MIH, war da gesetzt und hat auch nicht lange gefackelt. "Wir haben schlicht mit Arbeitsdienst gedroht", schmunzelt Rudi. "Dann spielen die lieber."
Wichtig ist es den Verantwortlichen, dass die ganze Bandbreite der Musik dargestellt wird. "Das reicht von Hiphop bis Jazz", sagt Vorsitzender Schönfelder. "Es ist eher wie ein Tag der Offenen Tür", ergänzt sein Vize Bauerfeld. Deshalb hat man auch auf Eintritt verzichtet und die Getränke für zwei Euro verkauft. Als gemeinnütziger Verein wolle man keinen Profit machen.
Arbeitsdienst gibt's trotzdem. Aber der ist freiwillig. Da helfen alle zusammen, die Jüngeren ebenso wie die Alten. Die stehen auch am Ausschank, unterstützt von den beiden Mädels Steffi und Ela. "Ich hab schon beim U-Turn geholfen", sagt die 22-jährige Steffi. "Der Smiley hat gefragt, ob wir wieder helfen wollen und wir haben gern Ja gesagt", ergänzt sie. Und fügt lächelnd hinzu: "Der brauchte noch zwei Quoten-Blondinen."
Im Laufe des Abends stehen die Helfer und Macher der MIH dann auch selber auf der Bühne. Andreas Biermann mit "Kin Marrow" als erste Band, Smiley und Soundmann Raffi mit "Ragin Diarrhea" etwas später. Rudi Bauerfeld und Licht-Mixer Jörg Heydt haben schon am Freitag gespielt, das war der Rockabend für die Älteren. Handgemachte Musik war da Trumpf.
Am Samstag gab's noch ein extra Highlight. Das "Super Dance Orchestra" ist eine schräge Truppe mit digitalem Elektrosound, aber angetrieben von einem echtem Schlagzeuger und live mit Bass und Gitarre. Und sie sehen aus wie Figuren aus irgendeiner Raumschiff-Serie. Die Nürnberger Band ist das jüngste MIH-Gewächs und probt seit einigen Wochen auf der Music-Base.
Am Sonntag dann der Frühschoppen. Man hat sich nach innen verzogen, bleibt im kleinen Kreis. Der Dauerregen ist wenig einladend. Aber Smiley lächelt. Klasse war's. Wenn das Leben doch so leicht wär' wie an diesen drei Tagen. Musik macht alles eben leichter.
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