Coburger gestalten Buchstabenmuseum

10.10.2011   Ort: Coburg  Von: Natalie Schalk  Fränkischer Tag

Innenarchitektur Wo Quentin Tarantinos "E" wohnt: Etwa 100 einz igart ige Lettern erzählen ihre Geschichte im neuen Berliner Buchstabenmuseum, darunter das "E" aus dem explodierten Kino "LE GAMAAR" in "Inglourious Basterds". Gestaltet haben das Museum jetzt zwei Innenarchitektur-Studenten aus Coburg: Wolfram Schmeisser und Marcus Hahn.


Foto: Andre Stoeriko
Wolfram Schmeisser und Marcus Hahn haben sich für ihre Diplomarbeit verschuldet. "Uns ist ein Sponsor abgesprungen", sagt Hahn. Für 3000 Euro haben die beiden Material gekauft, um das Buchstabenmuseum Berlin neu zu gestalten. "Sponsoren zu finden, gehört in Coburg dazu", sagt Schmeisser. "Das ist zwar kein eigenes Studienfach, aber hier sehr wichtig." Das Studium an der Hochschule Coburg sei sehr praxisnah.
Mit dem Buchstabenmuseum haben sich die Diplomanden vor zwei Jahren in einem Workshop zur Szenografie beschäftigt. "Es ging darum, ein Konzept zu entwickeln, wie die Exponate theoretisch gut in Szene gesetzt werden könnten.
Das Museum wird von einem privaten Verein getragen. Entdecken die Mitglieder eine besondere Schrift, pappen sie einen Aufkleber daran: "Wenn er wegkommt, bitte beim Buchstabenmuseum melden." Innenarchitekten hätte sich der Verein nicht leisten können. "Wenn wir die Arbeitszeit rechnen, kämen wir wahrscheinlich auf 30 000 Euro", sagt Hahn.
Aber die Coburger wollten ihre Ideen umsetzen - also machten sie ihre Diplomarbeit daraus.Vorher waren viele der Lettern einfach gestapelt. Das "Schaudepot" des Museums war wenige Stunden in der Woche für Fachleute geöffnet. "Früher haben sich nur Architekten, Typografen und Grafikdesigner mit den Buchstaben beschäftigt. Die Zielgruppe hat sich geändert", sagt Schmeisser. Mit dem neuen Konzept soll es gelingen, auch Laien für die Schriften zu begeistern. "Die Leute interessieren sich für die Geschichte: Woher kommt ein Buchstabe, an welchem Gebäude hing er, was wurde daraus?" Die Schriftzüge von untergegangenen Kaufhäusern wie Wertheim und Hertie zeigen jüngere Industriegeschichte. Die Technik der mundgeblasenen Neonröhren ist ein Stück Fertigungsgeschichte. "Heute wird ja alles mit LEDs gemacht", sagt Hahn.

Diplom mit Licht und Schatten


Über die Geschichten wollen die Studenten das Interesse für die Buchstaben wecken, für Schrifttypen und -familien. "Unser Konzept ist pädagogisch ausgerichtet, es soll auch Kinder ansprechen." Wände und Decken strichen die Coburger mit einem 12-köpfigen Studententeam in Anthrazit, so dass zwischen Licht und Schatten immer neue Sichtweisen auf leuchtende und angeleuchtete Buchstaben entstehen. "Zehn Eimer Farbe haben wir gesponsert bekommen", sagt Schmeisser. Geld brauchten sie für den Steg, der die Besucher durchs Museum leitet. In der Brüstung brachten sie Informationstafeln und Beleuchtung unter. Außerdem gleicht der Steg einen Höhenunterschied von 45 Zentimetern aus: Die 180 Quadratmeter große Ausstellungsfläche ist auf zwei Ebenen in einem ehemaligen DDR-Einkaufszentrum gegenüber des Alexanderplatzes gemietet.
Im März wird das Gebäude kernsaniert, dann brauchen die Buchstaben eine neue Heimat. "Die Elemente können in jedem Raum aufgebaut werden", sagt Hahn. In der Coburger Hochschule und im Innovationszentrum Lichtenfels haben sie die Elemente vorbereitet: Eine Woche Spanplatten zuschneiden, zusammenbauen, dann eine Woche Aufbau in Berlin. "Wir haben eine Wand rausgerissen, gestrichen, aufgebaut - die letzten Nächte haben wir zwei Stunden geschlafen. Aber es ist richtig gut geworden!"



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