Nur gucken, nicht ordern

04.02.2012   Ort: Nürnberg     Coburger Tageblatt

Spielwarenmesse Die Spielwarenmesse ist ein Phänomen: Obwohl so mancher Aussteller ihren Stellenwert als Marktplatz mittlerweile in Frage stellt, sind sie alle Jahre wieder da. Mit dabei sind heuer auch rund 20 Firmen aus Coburg Stadt und Land.


Der Haba-Messestand war gut besucht und bot Unmengen an neuen Spielwaren. Wichtig bei jedem einzelnen Produkt ist die spielerische Vermittlung von Lerninhalten. Das Unternehmen produziert den größten Teil seines Sortiments am Standort Bad Rodach.
"Nürnberg ist keine Ordermesse", stellte Knut Heilmann im Gespräch mit Landrat Michael Busch (SPD) fest, der am Freitag etliche Firmen der Region besuchte. Für den Geschäftsführer von Hornby Deutschland ist die Spielwarenmesse dennoch wichtig, "um größere Aufträge mit den Kunden zu besprechen". 50 bis 60 Prozent der Neuheiten-Aufträge seien aber schon vor der Messe geschlossen worden.
Sehen und Gesehen-werden, die Stimmung in der Branche aufnehmen: Das ist die Funktion der Messe für alle Aussteller. Informationen über neue Produkte seien auch auf anderem Weg zu bekommen, so Frank Schneider, Chef von Rolly Toys (Neustadt bei Coburg). "Aber Geschäfte werden zwischen Menschen gemacht." Oder wie es ein geflügeltes Wort beschreibt: "In Nürnberg sind alle, und in Nürnberg trifft man alle."
Eine weitere Erkenntnis nach dem Messebesuch: Für viele Kunden zählt die Qualität der Spielwaren wieder mehr als in der jüngeren Vergangenheit. Und sie sind bereit, dafür etwas mehr Geld auszugeben. "Wir müssen uns von der meist billigeren Konkurrenz unterscheiden - und das geht über Qualität", erklärt Frank Schneider.
Ein weiteres Thema, das so gut wie alle umtreibt, hat mit Schadstoffen im Spielzeug zu tun. Oder vielmehr mit den Vorschriften, Regeln und Richtlinien, mit denen europäische Behörden dagegen vorgehen.
Das führt zu teils abstrusen Forderungen an die Hersteller: So musste Rolly Toys die Zugschnur für Rodelschlitten kürzen, damit Lebensmüde diese nicht als Galgenstrick missbrauchen können.
In strengeren Vorgaben sieht Dieter Kessel von der Neustadter Althans Plüschtierfabrik auch Chancen, besonders für deutsche Hersteller: Die könnten nämlich eher als die chinesische Konkurrenz sichere Produkte anbieten. Roba (Ebersdorf bei Coburg) zum Beispiel fertigt in China und lässt die Produkte gleich vom dort benachbarten deutschen Tüv prüfen. Auch Heunec-Chefin Barbara Fehn-Dransfeld sagt: "Uns käme es entgegen, wenn den Kunden das Thema Schadtstofffreiheit wichtiger wäre."
"Man muss sich vom Wettbewerb absetzen", bestätigt auch Michael Hopf von der Haba-Geschäftsleitung. Dem Bad Rodacher Unternehmen gelingt das, indem nicht einfach Spielzeug hergestellt wird, sondern Spielwaren mit Lerninhalten. Auch die Kinderbücher sind nicht einfach nur Bücher, sondern sind beispielsweise als Spielbrett nutzbar. Trotz hoher Kosten wird über die Hälfte der Produkte in Bad Rodach hergestellt.
Die Spielwarenmesse begann heuer am Mittwoch, einen Tag früher als bisher. Dieser Termin kam nicht bei allen Ausstellern gut an. Während beispielsweise Hermann Spielwaren (Coburg) laut Martin Hermann am Mittwoch "sehr gute" Geschäfte machte, war bei vielen anderen kaum etwas los. Am Freitag herrschte viel Gedränge in den Gängen und auf den Ständen. Weniger Betrieb war in der Halle der Plüschtier-Hersteller. Die machen immer weniger Umsatz im klassischen Spielwarengeschäft.
Mit zahlreichen Neuheiten und Veränderungen präsentierte sich die Zapf Creation AG (Rödental). Der Messestand wirkte offener, klarer strukturiert und besser sortiert. Das war in den letzten Jahren mit häufigen Personalwechseln im Management nicht so. Man wolle sich mehr auf die Kernmarken wie Baby born konzentrieren, erläuterte Vorstand Thomas Eichhorn. Dazu solle der Spielwert der Puppen steigen und dabei statt immer mehr Funktionen den Mädchen mehr Raum für ihre eigene Fantasie lassen.
Ohne Funktionen geht's trotzdem nicht: Die Baby born "Interactive" beispielsweise interagiert mit Zubehör, und das ganz ohne Elektronik. Die Reaktionen der Kunden seien positiv gewesen, berichtete Eichhorn. Auch MGA-Chef und Zapf-Großaktionär Isaac Larian zeigte sich gestern beeindruckt: "This is a good show!" Noch eine Neuheit hatte der Puppenhersteller, die vor allem für die Region interessant ist: Geschäftsleitung und Marketing werden wieder in Rödental zusammengefasst.



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