Leben zu retten, kann so leicht sein

01.09.2010     inFranken.de

Knochenmarkspenden Carolin Fischer wäre ohne Spender wahrscheinlich gestorben und Klaus Weiß will Leukämie-Kranken helfen. Sie beide wünschen sich noch mehr Initiative von Firmen und Privatpersonen.


Zwei, die das gleiche Anliegen haben: Carolin Fischer, die schon drei Knochenmark- und Stammzellentransplantationen bekommen hat und Klaus Weiß, der als Spender zur Verfügung steht. Sie rufen Firmen auf, Typisierungen zu finanzieren. Foto: Helke Renner
Ein Ständer für Beutel mit Infusionslösung steht hinter der Couch, ein Fach im Wohnzimmerschrank ist gefüllt mit Medikamenten: Carolin Fischers Leben unterscheidet sich von dem einer gesunden jungen Frau. Vor acht Jahren erkrankte sie an Leukämie. Das war im Juli 2002. Sofort begann die Suche nach einem Knochenmarkspender - keine leichte Aufgabe damals, denn in Deutschland gab es noch keine große Spenderdatei. Es dauerte bis zum November, dann fand sich eine Frau in Kalifornien, deren Gewebemerkmale mit denen von Carolin übereinstimmten. Die junge Frau, zu dieser Zeit noch fast ein Kind, erhielt ihre erste Knochenmarktransplantation. Danach ging es ihr ganz gut, sie konnte wieder zur Schule gehen und ein normales Leben führen. Sieben Jahre vergingen, in denen Carolin und ihre Eltern voller Hoffnung waren, die Krankheit besiegt zu haben. Sie sollten sich täuschen.

Vor einem Jahr ging es der jungen Frau wieder schlechter. Sie machte gerade ein Praktikum an der Kinderklinik in Erlangen. "Ich war des öfteren krank. Bei den Untersuchungen in der Klinik stellten sie dann fest, dass mit meinen Blutwerten etwas nicht stimmte", erzählt die heute 21-Jährige. Ein Mangel an roten Blutkörperchen machte eine zweite Knochenmarktransplantation notwendig. In diesem Jahr nun schlug das Ganze um und es bildeten sich vermehrt leukämische Zellen im Knochenmark und im Blut aus. Carolin Fischer bekam im Juni eine dritte Transplantation - diesmal mit Stammzellen. Der Spender kommt aus Deutschland, wie die erste Spenderin aus den USA bleibt auch er anonym. Erst nach zwei Jahren kann die Anonymität aufgegeben werden, wenn beide Seiten das möchten. Carolin möchte das nicht, aber ein Spender aus Deutschland ist auch für sie günstiger - das Blut kann schneller zu ihr gebracht werden. "Inzwischen gibt es auch hier mehr Menschen, die sich typisieren lassen", sagt Sabine Fischer, Carolins Mutter.

Einer von ihnen ist Klaus Weiß. Er hatte im Jahr 2007 an einer Typisierung teilgenommen, die von der Sparkasse Coburg-Lichtenfels angeboten und finanziert wurde. "Ich bin schon Blutspender und habe auch einen Organspender-Ausweis", erzählt Klaus Weiß. Deshalb sei es für ihn keine Frage gewesen, dass er sich als Sparkassen-Mitarbeiter an der Aktion beteiligt. Seit Jahren kennt er auch Klaus Jürgen Leger, Vorsitzender der Stiftung für krebskranke Kinder in Coburg. Durch ihn wusste er, wie wichtig eine große Spenderdatei ist, damit zumindest die Chance groß ist, möglichst vielen Leukämie-Kranken zu helfen. Viele Menschen, die sich typisieren lassen, hören nie wieder etwas von der Stiftung Aktion Knochenmarkspende, die in Bayern die Koordination übernommen hat. Bei Klaus Weiß ist das anders. Er bekam Anfang August ein Schreiben, dass er als Spender in Frage kommt. Daraufhin ging er zum Hausarzt. Der nahm erneut Blut- und Gewebeproben, der potenzielle Spender schrieb eine Erklärung, dass er auch weiterhin zur Verfügung steht.

Nun wartet Klaus Weiß auf eine Antwort. Dass er und Carolin Fischer mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit gehen, hat einen triftigen Grund. "Wir wollen den Menschen Mut machen, sich an Typisierungen zu beteiligen und Firmen auffordern, Typisierungen zu finanzieren - vielleicht anstelle von Werbegeschenken zu Weihnachten", erläutert Klaus Weiß und ergänzt: "Stammzellen oder Knochenmark wird nicht aus dem Rückgrat entnommen, wie viele glauben. Das Ganze verläuft so ähnlich wie eine Blutspende."

Carolin Fischer hofft indes, dass sie keine weitere Transplantation braucht. Zweimal in der Woche wird sie medizinisch betreut, ihre Mutter ist ständig bei ihr. Seelische Unterstützung bekommt sie von der Stiftung für krebskranke Kinder, vor allem in der Person von Klaus Jürgen Leger. Er weiß: "Selbst wenn die Krankheit überstanden ist, gibt es noch Folgeschäden." Bei Carolin Fischer zum Beispiel ist durch die häufigen Krankenhaus-Aufenthalte die Muskulatur erschlafft. Deshalb kann sie nur noch mit Hilfe von Schienen laufen. Trotzdem gibt sie nicht auf. Im nächsten Jahr will sie bei der Stadt eine Lehre als Bürokauffrau beginnen. Schon in diesem Jahr kann sie ein Praktikum im Kongresshaus Rosengarten machen.

Gestern war zum ersten Mal Melanie Härer-Blümig von der Stiftung für krebskranke Kinder bei ihr. Sie geht in betroffene Familien, um sie zu entlasten, leistet heilpädagogische Arbeit und bietet freizeitpädagogische Maßnahmen an.



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