Die Heldin von Neustadt braucht Hilfe

20.01.2010     inFranken.de

Wohnungsbrand Vildan Karabulut aus Neustadt bei Coburg hat am Samstag unter Einsatz ihres Lebens ihren fünfjährigen Sohn Emirkan aus seinem brennenden Zimmer gerettet. Der Verein "Franken helfen Franken" will nun dazu beitragen, das Leid der Familie zu lindern.


"Unendlich dankbar" ist Familienvater Rasim Karabulut darüber, dass sein jüngster Sohn Emirkan (hier mit Schwester Senem) wieder lachen kann. Das verdankt er seiner Frau Vildan, die den Fünfjährigen aus seinem brennenden Zimmer rettete und nun in einer Nürnberger Klinik liegt. Auch Tochter Senem bewies großen Mut: Sie nahm ihren Bruder Salih (links) aus der Flammenhölle mit ins Freie. Foto: Stefan Schuhmann
Vildan Karabulut ist aus dem Koma erwacht. Die 30-jährige Mutter liegt in einer Nürnberger Spezialklinik, in die man sie am Samstag nach dem verheerenden Wohnungsbrand mit dem Hubschrauber gebracht hatte. Psychisch hat sie den Schock, dass ihr jüngster Sohn beinahe in den Flammen umgekommen (siehe Artikel „Mutter riskierte ihr Leben für ihr Kind“) ist, natürlich noch nicht verarbeitet. So wie die ganze Familie. Mit den Nerven am Ende

„Ich weiß immer noch nicht, was ich sagen soll. Meine Frau hat unser Kind unverletzt aus den Flammen gerettet und dabei ihr eigenes Leben riskiert. So etwas steckt man nicht einfach weg, das ist unvorstellbar“, sagt Rasim Karabulut, der Ehemann der Verletzten. Vildan hat neben einer Rauchvergiftung auch schwere Verbrennungen an den Armen erlitten. Die Angst, die sie um das Leben ihres kleinen Emirkan hatte, setzt ihr immer noch zu. Auch Rasim ist mit den Nerven am Ende. Resignation lässt er aber nicht zu. „Ich muss diese Situation verkraften, ich muss für unsere Kinder da sein und auch meiner Frau helfen“, sagt der 43-Jährige. Kraft gibt der Familie die Unterstützung, die sie momentan erfährt.

Am Brandort am Samstag von der Feuerwehr, den Sanitätern und anderen Hilfskräften, unter anderem Drittem Bürgermeister Martin Stingl, der die Hilfsarbeiten koordiniert hat. Danach von Freunden, Nachbarn, aber auch der Stadt Neustadt – oder von Wildfremden, die das Schicksal der Familie bewegt hat. Auch der Verein „Franken helfen Franken“ der Mediengruppe Oberfranken hat den Betroffenen spontan Hilfe zugesagt. „Als wir von dem Schicksalsschlag erfahren haben, war es für uns keine Frage, dass wir die Familie unterstützen“, sagte Walter Schweinsberg, Sprecher der Geschäftsführung der Mediengruppe Oberfranken.

„So können wir vielleicht einen kleinen Teil dazu beitragen, das Leid der Opfer zu lindern.“ Auch weitere Spenden für die Neustadter Familie nimmt „Franken helfen Franken“ entgegen. Unter dem Stichwort „Brandopfer Neustadt“ eingehende Spenden werden sofort und unbürokratisch an die Betroffenen weitergeleitet (Spenden sind möglich auf das Konto 302 194 501, Sparkasse Bamberg (BLZ 770 500 00), Stichwort „Franken helfen Franken“. Die Spenden sind steuerlich abzugsfähig). Das wichtigste, das die Familie nun braucht, ist eine neue Wohnung.

„In die alte können wir einfach nicht mehr zurück“, sagt Rasim Karabulut. Das Feuer und seine Begleiterscheinungen haben sie für die Familie unbewohnbar gemacht. Deshalb wird jetzt nach einer neuen Bleibe für die Familie gesucht – mit tatkräftiger Unterstützung der Stadt. „Wir suchen nach einer Vier-Zimmer-Wohnung mit ungefähr 80 Quadratmeter, in die die Familie ziehen kann“, sagte Gabriele Amend, die sich in der Verwaltung um den Fall kümmert, gestern dem Tageblatt. Wenn jemand ein geeignetes Objekt zur Verfügung hat, möchte er sich in der Verwaltung bei Rainer Engel (09568/81462) melden.

„Aufgrund des hohen Zerstörungsgrades kann die genaue Brandursache nicht mehr ermittelt werden“ erklärte die Polizei gestern. Hinweise dafür, dass das Feuer gelegt wurde, liegen jedoch nicht vor. „Daran haben wir auch keine Sekunde gedacht. Erst bei so einem Unglücksfall merkt man, in welch toller Gemeinschaft wir hier in Neustadt leben“, sagt Karabulut. Sein Traum ist es nun, dass seine Frau, wenn sie genesen ist, sofort in der neuen Wohnung leben kann. Damit halbwegs verheilte Wunden nicht wieder aufreißen.

Mehr dazu lesen Sie im Coburger Tageblatt


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