Coburger Linke: Hiksch soll zurücktreten
23.07.2009
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Hartz-IV-Problem 24 Mitglieder des Kreisverbands Coburg der Linken haben ihren Bundestagskandidaten Uwe Hiksch aufgefordert, auf die Bewerbung zu verzichten. Hiksch will seine Parteifreunde deswegen verklagen. Er ist aber unauffindbar im Urlaub.

Uwe Hiksch (links) ist bei seinen Coburger Parteifreunden in Misskredit geraten. Der Linken Kreisvorsitzende René Hähnlein (Mitte) - hier bei einem Besuch von Parteichef Oskar Lafontaine (rechts) - geht inzwischen auf Distanz. Foto: Carsten Hölllein/Archiv
Hiksch, nebenbei Bundeskassierer der Naturfreunde Deutschlands, hatte die vier für die Übernahme der Leitung und des Betriebs des Naturfreundehauses Kanzelwandhaus bei Oberstdorf gewonnen und Verträge unterzeichnet. Was die vier Arbeitswilligen nicht ahnten, war, dass Hiksch allein nicht zeichnungsberechtigt war. Im späteren Verfahren vor dem Berliner Arbeitsgericht wurde den düpierten Vertragspartnern vorgehalten, sie hätten sich beim Bundesvorstand der Naturfreunde erkundigen müssen, ob Hiksch einen Vertrag allein schließen dürfe.
Abgeblitzt und abgemahnt
So blieb das Kanzelwandhaus unter alter Leitung und die vier Berliner setzten eine Menge Geld, Hoffnung und Ideale in den Sand. Der Sprecher der Gruppe, Ingmar Wengel, verlor nach eigenen Angaben 13.000 Euro. Nachdem er seinem Unmut in einer Internet-Offensive Luft gemacht hatte, bekam er neuerdings eine Abmahnung: Hartz-IV-Empfänger Wengel soll bis 31. Juli eine Unterlassungserklärung unterschreiben, die ihn zur Zahlung von 4000 Euro für jede Kopie seines offenen Briefes verpflichtet, die sich danach noch im Internet finden lässt.
Wengel schätzt, dass 20 Kopien seines Beitrages „Der sozialistische Gang des Uwe Hiksch“ online kursieren. Sie seien in letzter Zeit 3000 Mal angeklickt worden: eine katastrophale Publizität für die Linken in Oberfranken.
Nur noch Zweitstimmenwerbung
René Hähnlein aus Weitramsdorf, der Kreisvorsitzende der Linken in Coburg, kündigte an, sich fortan nur noch um Zweitstimmenwerbung für seine Partei bei der Bundestagswahl zu bemühen. Zu Hiksch gehen die Coburger Linken auf Distanz. Unverständlich ist für sie auch, dass er so kurz vor der Bundestagswahl drei Wochen Urlaub macht.
Streit unter Genossen
Hähnlein würde sich in diesen Tagen gerne mit Volldampf dem Wahlkampf widmen. Stattdessen hatte er gestern einen Anhörungstermin bei der Polizei: Sein Kronacher Pendant, Kreisvorsitzender Michael Scheffler, hat ihn angezeigt. Grund: Hähnlein hatte eine E-Mail Schefflers, in der dieser volltönend seinen Rücktritt erklärt hatte, an die Landesleitung der Linken in München weitergeleitet. Seinen Rücktritt hat Scheffler inzwischen wieder zurückgezogen.
Keine Angst vor Strafverfolgung
Große Angst vor einer Strafverfolgung wegen der Weiterleitung einer ohnehin breit gestreuten E-Mail hat Hähnlein nicht. Und er hatte den Eindruck, der ermittelnde Polizeibeamte wusste mit der Anzeige auch nichts anzufangen. Scheffler ist der frühere Wahlkreismitarbeiter von Uwe Hiksch, der 1998 überraschend als SPD-Kandidat den Wahlkreis Coburg gewonnen hatte.
Und Scheffler war es auch, der den Coburger Linken seinen früheren Arbeitgeber als Bundestagskandidaten empfohlen hatte – immerhin den ehemaligen Bundesgeschäftsführer der PDS.
Dass Hiksch nach nur fünf Monaten unter fragwürdigen Umständen in diesem Amt abgelöst worden ist, ahnte der noch junge Kreisverband Coburg nicht. Inzwischen wissen die Linken mehr über Hiksch und bedauern umso mehr dessen Nominierung. wb
Mehr dazu lesen Sie im Coburger Tageblatt
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