Für einen Rollstuhl zu schmal

01.09.2010     inFranken.de

Behinderung Bei Schlossplatz-Konzerten wird der Durchgang zur Innenstadt oft allzu früh gesperrt. Hinterm Marstall aber geht es eng zu - auch für Mütter und Väter mit Kinderwagen.


Dr. Johannes Thaben misst 62 Zentimeter. Für Rollstuhlfahrer ist der Bürgersteig in der Straße Hinterm Marstall nicht geeignet. Foto: Helke Renner
Dr. Johannes Thaben vermisst den Bürgersteig in der Straße Hinterm Marstall und runzelt die Stirn: "62 Zentimeter. Ein Rollstuhl ist etwa 70 Zentimeter breit." An der Ecke zum Steintor kommt der Behindertenbeauftragte gar nur auf 52 Zentimeter bis zum Beginn der Bordsteinkante. "Das ist ja auch kein richtiger Gehweg, sondern nur ein Abstandhalter zur Fahrbahn hin", sagt er nachdenklich.

Gleichwohl müssen Fußgänger dort diesen schmalen Steg nutzen oder die Straße überqueren, denn der Durchgang beim Vermessungsamt ist wegen der Bauarbeiten am Gebäude gesperrt. Selbst wer nicht behindert ist, hat in diesem Bereich mitunter Probleme: Der Verkehr fließt wegen der Sperrung der Seidmannsdorfer Straße zum Teil sehr dicht. Eltern mit Kinderwagen sollten es vermeiden, dort entlang zu gehen.

Freilich, es wird gebaut, da sind Behinderungen unausweichlich. Darüber ist sich auch Dr. Thaben im Klaren. Er ärgert sich aber darüber, dass bei Schlossplatz-Konzerten schon am Morgen oder frühen Nachmittag der Durchgang zur Innenstadt verbaut wird. Denn der Weg über den Schlossplatz ist die einzige Alternative für Gehbehinderte, Rollstuhlfahrer, Mütter und Väter mit Kinderwagen. Für das Konzert von Udo Jürgen wurde der Platz in diesem Jahr sogar schon am Freitagabend gesperrt, damit keine Stühle abhanden kommen.

"Ich habe am Samstag selbst erlebt, wie alte Leute mit ihren Einkäufen in der Hand über die schmalen Gehsteige balanciert sind", erzählt Dr. Johannes Thaben. Im vergangenen Jahr sei es ihm selbst passiert, dass er mit seinen vollen Taschen, von der Grafengasse her kommend, zwar auf den Schlossplatz gelassen, ihm bei der Reithalle durch die Sicherheitskräfte der Ausgang aber verwehrt wurde. "Das ist einfach unmöglich", findet er.

Ordnungsamtsleiter Gerhard Berwind hat Verständnis für den Ärger des Behindertenbeauftragten. Ihm ist das Problem durchaus bekannt. "Wir haben das immer wieder mit dem Veranstalter und dem Sicherheitsdienst besprochen und darum gebeten, so spät wie möglich den Durchgang zu sperren." Es sei aber stets auf die Sicherheit hingewiesen worden, die beim Auf- und Abbau der Technik für die Veranstaltungen gewährleistet sein müsse.

Er sei jedoch der Ansicht, dass die Absperrung auch so platziert werden könnte, dass ein Durchgang auf der Seite der Ehrenburg noch möglich ist. Zwar habe der Veranstalter auch noch auf verschiedene andere Zwänge hingewiesen, aber darüber sollte man reden können. "Wir werden das zeitnah mit dem Veranstalter noch einmal besprechen und im nächsten Jahr vielleicht Dr. Thaben in die Vorbereitung mit einbeziehen", verspricht Gerhard Berwind.



Drucken Artikel Versenden Abo bestellen
 

Weitere Artikel zum Thema suchen



Alternative Suche im Zeitungsarchiv
Hinweis: für Epaper-Abonnenten kostenlos


Kommentare

Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Kommentieren


Titel:
Text:
 
(noch Zeichen)

Unregistrierte Nutzer
 
 

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:  *
gewünschtes Passwort:  *
Wiederholung Passwort:  *
E-Mail:  *
Kundennummer:
Anrede:
Frau Herr  
Vorname:
Nachname:
Zusatz (z.B. Firma):
Straße/Hausnr.:
PLZ/Ort:  *
Ich bin mit den AGB und der Netiquette einverstanden.:  *


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wieviel ist 3 + 6: 




Nachrichten aus Ihrer Umgebung
Bad Kissingen Schweinfurt Kitzingen Haßberge Bamberg Erlangen-Höchstadt Forchheim Bayreuth Kulmbach Lichtenfels Coburg Kronach
Aktuelle Angebote
Soziale Netzwerke + Services inFranken.de
E-Paper + Zeitungsarchiv
Die Zeitungsausgaben der letzten zwei Wochen stehen Ihnen mit dem Online-Abo jederzeit, weltweit online zur Verfügung.
Zum E-Paper

Sie suchen einen älteren Zeitungsartikel?
Zum Zeitungsarchiv