"Die Kirche hat oft versagt"

23.07.2010     inFranken.de

Erklärung Die Priester und kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des katholischen Dekanats Coburg distanzieren sich von den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche.


Die Priester und kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des katholischen Dekanats Coburg haben bei ihrer letzten Zusammenkunft eine gemeinsame Erklärung verfasst. Sie distanzieren sich darin von den Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen, betonen, dass die Kirche "auch ein anderes Gesicht" habe und appellieren an alle Katholiken, mitzuhelfen, dass die Menschen ihrer Kirche wieder vertrauen können.

Die Erklärung im Wortlaut: "Mit Erschütterung haben die Priester und kirchlichen Mitarbeiter des Dekanats Coburg zur Kenntnis nehmen müssen, dass in der Vergangenheit Priester und andere Mitglieder unserer Kirche ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen durch sexuellen Missbrauch und/oder körperliche Gewalt schweren Schaden an Körper, Geist und Seele zugefügt haben. Ebenso entsetzt waren wir, dass die Kirche als Institution im Umgang mit diesen Fällen oft versagt hat.

Zugleich erfahren wir in diesen Tagen immer wieder, dass viele Mitchristen in den Gemeinden zutiefst erschüttert und verunsichert sind, hilflos, ratlos und wütend über die Vorgänge und die Art des Umgangs mit den Opfern.

Manche Christen sahen sich sogar, nur weil sie sich zur katholischen Kirche bekennen, Angriffen ausgesetzt, wurden mit Häme überschüttet, obwohl sie persönlich nichts damit zu tun hatten. Manche waren so verärgert und wütend, dass sie ausgetreten sind. Manche wären am liebsten ausgetreten, doch zugleich war ihnen die Gemeinschaft der Kirche wichtig. Zum einen sollten wir uns bewusst machen, dass viele Medien in dieser Zeit nur einen kleinen, nur negativen Ausschnitt von Kirche präsentierten, den wir gleichwohl nicht beschönigen dürfen.

Doch Kirche hat auch ein anderes Gesicht: Allein die katholische Kirche in Bayern ist Trägerin für fast dreitausend Kindertagesstätten. Die Sorge um Alte und Kranke, um Familien, die Vermittlung von Werten, die Leben gelingen lassen, sind Anliegen von tausenden Priestern und Mitarbeiter/innen in der katholischen Kirche.

Deshalb ist es uns ein Anliegen, allen denen herzlich zu danken, die in den letzten Wochen durchgehalten haben, die in unserer Kirche geblieben sind, auch weil sie erfahren haben, dass die Gemeinden vor Ort sehr viel Gutes tun und bewirken. Alle, die geblieben sind, helfen weiter mit, dass wir zum Beispiel in unseren Kindertageseinrichtungen Kinder betreuen, fördern und bilden können, dass Menschen Gemeinschaft erfahren, dass sie in Sorgen und Nöten Ansprechpartner in Caritas und Kirchengemeinde finden und dass die Botschaft Jesu, dass Gott den Menschen liebt, weitergeben werden kann.

Wir danken allen in unserer Kirche, die durch ihren Glauben und das glaubwürdige Zeugnis ihres Lebens segensreich für die ihnen anvertrauten Menschen wirken. Wir alle sind Kirche und das Gute, das wir in ihr tun, prägt diese Kirche auch. Deshalb möchten wir alle Katholiken ermutigen, in der Kirche zu bleiben, durch ihr Vorbild mitzuhelfen, dass Menschen wieder Vertrauen zu ihrer Kirche fassen können und engagiert das zu leben, was ihnen von der Botschaft Jesu wichtig ist."



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