Die CSU "auf Schlingerkurs"

22.02.2012   Ort: Coburg     Coburger Tageblatt

Politischer Aschermittwoch Beim SPD-Stadtverband nimmt Vorsitzender Stefan Leistner vor allem die CSU aufs Korn und bescheinigt ihr Richtungslosigkeit. Aber auch die anderen Parteien bekommen ihr Fett weg.


Der Stadtverbandsvorsitzende Stefan Leistner (links) begrüßt den Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs am Rednerpult. Foto: Helke Renner
Das Bild eines schlingernden Autos wählt der Vorsitzende für die Beschreibung der Regierungskoalition im Bundestag. "Am Steuer sitzt mit Angela Merkel eine, die sich nicht zwischen Aus- und Einparken entscheiden kann." Letzter Akt der Unentschiedenheit: "Nein zu Gauck, ja zu Gauck." Auch die Coburger CSU befinde sich auf Schlingerkurs. Am Steuer sitze Hans-Herbert Hartan, der seinem stellvertretenden Kreisvorsitzenden Michael Eckstein beim Ausparken über die Füße fahre, bis der verletzt den Gang zum Auto verweigere. Selbst in der Sparkommission suchten die Christsozialen nach einem Kurs. Erst erarbeiteten und beschlössen sie einen Sparplan zusammen mit anderen Beteiligten, um dann den Haushalt abzulehnen.
"Auf dem Rücksitz: Friedrich Herdan, der schon mal von hinten ins Steuer greift, wenn die Formulierung eines Antrages nicht mit seiner Richtung übereinstimmt", fährt Stefan Leistner fort. Auf dem Beifahrersitz sieht er die Vorsitzende des CSU-Kreisverbands Coburg Stadt, Birgit Weber. "Bleibt für sie zu hoffen, dass sie die Finger aus dem Türrahmen bekommt, bevor irgendjemand die Tür zuschlägt." Den CSU-Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach und den Landtagsabgeordneten Jürgen Heike vermisst Stefan Leistner zunehmend im Cockpit. "Vielleicht abgetaucht im Kofferraum", mutmaßt er.
Die Coburger FDP besteht für den SPD-Stadtverbandsvorsitzenden nur aus zwei Personen. Die Grünen hält er für ruhig und fast schon unauffällig. Sie seien das grüne Gewissen der Stadt, wenn auch manchmal ein wenig orientierungslos und resistent gegenüber wohlmeinenden Hinweisen. Ähnlich schätzt Stefan Leistner die ÖDP, im Stadtrat vertreten durch Klaus Klumpers, ein. Seine Anträge seien kreativ. "Nur würde man sich hier manchmal ein paar Gramm mehr Realitätssinn auf der politischen Waage wünschen."
Die SPD hingegen arbeite sachlich, erfolgreich und orientiere sich an den sozialdemokratischen Zielen und Werten. "Natürlich haben Kürzungen auch im sozialen Bereich, im Bereich der Kultur und Bildung und der Jugendarbeit Spuren hinterlassen", stellt Stefan Leistner fest. Aber unterm Strich sei es gelungen, eine erfolgreiche und zukunftsorientierte Arbeit zu leisten - vor allem in Zusammenarbeit mit dem Sozialreferenten Norbert Tessmer.
Prominenter Gast beim politischen Aschermittwoch der SPD ist der Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs aus Hamburg. Mit Blick auf die Kandidatur von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten sagt er: "Wir schauen mit atemlosem Staunen nach Bayern." Den Coburger Sozialdemokraten rät er: "Wenn ihr mal zehn Jahre in diesem Land regiert habt, dann dürft ihr nicht bräsig werden." Das nämlich sei der Hamburger SPD vor Jahren passiert, weshalb sie abgewählt worden war. Mit Olaf Scholz, seit 2011 Erster Bürgermeister der Hansestadt, gehe es wieder bergauf. Nachdem Johannes Kahrs seine Sicht auf die Themen Energiepolitik und Euro-Krise erläutert hat, schließt er mit den Worten: "Für euren Wahlkampf geben wir euch jede Unterstützung."


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