"Der Albertsplatz, eine abstoßende Wüstenei!"

22.02.2012   Ort: Coburg     Coburger Tageblatt

Politischer Aschermittwoch Bei der FDP ging es um Bauthemen - und Vorsitzender Ulrich Herbert erklärte, warum er und sein Stadtratskollege Hans-Heinrich Eidt nicht dem Haushalt 2012 der Stadt Coburg zugestimmt haben.


Hans-Heinrich Eidt
Beim politischen Aschermittwoch der Coburger FDP begann Stadtrat Hans-Heinrich Eidt im Gasthaus Fink mit etwas Bundespolitik: Er bezeichnete den zurückgetretenen Bundespräsidenten als "politischen Dilettanten" und sprach sich dagegen aus, dass Christian Wulff jetzt auch noch den "Ehrensold" bekommt.

Als nächstes zitierte Eidt aus dem neuen Haushalt der Stadt Coburg, der unter dem Punkt "Erschließung von Baugebieten" auch den Titel "Fortsetzung der Erschließung im Baugebiet Bertelsdorfer Höhe" enthalte. "Hiergegen ist ja prinzipiell nichts zu sagen", meinte der FDP-Mann. Doch das Ganze sei leider - weil die Bauinteressenten fehlten - in viele Einzelteile "aufgedröselt" worden, die von den jeweiligen Bewerbern beliebig bebaut werden konnten. Die Bertelsdorfer Höhe präsentiere sich deshalb heute als "ungeordneter Fleckerlteppich, der mit städtebaulicher Qualität nichts mehr zu tun hat", so Eidt. Gleichzeitig aber werde in kleineren Baugebieten, die von den Bauwilligen lieber angenommen werden, ständig neuer Baugrund erschlossen. Für die Bertelsdorfer Höhe kann nach Ansicht von Eidt die Zukunft nur so aussehen, dass die gesamte Planung überdacht wird. "Der jetzige Zustand schreckt jeden ab!"


Albertsplatz als Schandfleck



Kritik übte Hans-Heinrich Eidt an der Sanierung der Ketschenvorstadt. "Leider sieht der Albertsplatz - zumindest derzeit - wie eine kalte Pracht und abstoßende Wüstenei aus, der die Seele fehlt", analysierte der Stadtrat, der aber zumindest noch Hoffnung hat: "Warten wir ab, bis der Frühling eventuell die Bäume zum Blühen bringt und damit auch die Hoffnungen der Bürger auf einen gut gestalteten Platz keimen lässt."

Bei allen Schwierigkeiten mit den Eigentümern des Postgebäudes in der Hindenburgstraße ist es laut Eidt zur Belebung der Steinwegs "weiterhin dringend erforderlich", die angedachte Zusammenfassung des Postgebäudes mit dem Gebäude der Firma Schlick im Steinweg zumindest nachhaltig weiter zu planen, nachdem die Stadt das Schlick-Gebäude erworben hat. Die bisherigen Planansätze seien richtig und zu begrüßen, müssten aber zumindest planerisch fortgeführt werden.

Das Konzept der Südstadt (Anger und Güterbahnhof) sei nur deswegen "schleppend" weiter bearbeitet worden, so Eidt, weil ein wesentlicher Teil dieser Gesamtplanung - die Stadthalle - wohl kaum noch Chancen hat, gegenüber der Ballsporthalle auf der Lauterer Höhe gebaut zu werden. Damit falle aber ein wesentliches Element dieser Gesamtplanung in sich zusammen. "Dabei müssen wir natürlich anerkennen", so der FDP-Stadtrat,"dass es schwierig sein wird, einen Investor zu finden, der dort ein Tagungshotel und entsprechende Tagungsräume bewirtschaften will."


Geld fehlt an allen Ecken und Enden



Ebenfalls eine "gute Idee" sei das im Bereich des Güterbahnhofs angedachte "Band der Technik" - doch wil das Geld fehle, komme man derzeit über das Planungsstadium nicht hinaus. "Dies ist bedauerlich", so Hans-Heinrich Eidt.

Coburgs FDP-Chef Ulrich Herbert, der ebenfalls im Stadtrat sitzt, beleuchtete die Coburger Haushaltssituation. Er und Hans-Heinrich Eidt hätten dem Zahlenwerk nicht zugestimmt, da der Haushalt 2012 eine Kreditaufnahme von 10 Milllionen Euro vorsehe und außerdem der Finanzplan für das Jahr 2013 auf der Grundlage einer Gewerbesteuererhöhung, die jährlich sechs Millionen Euro mehr in die Kasse spülen soll, geplant worden ist. "Beides sind wir nicht bereit, mitzutragen", stellte Herbert klar. Man sei vielmehr der Meinung, dass weitere Sparmöglichkeiten überprüft und gefunden werden sollten. Bestimmte Maßnahmen könnten durchaus gestreckt werden, etwa im Bereich des Tiefbaus und Einbaus der Glasfaserkabel. Diese Sparmaßnahmen sollten vorab geprüft und versucht werden, ehe man mit der Kreditaufnahme oder einer Gewerbesteuererhöhung winkt.

Zudem glaubt der FDP-Chef, dass in diesem Jahr und in den Folgejahren beim städtischen Personal Einsparungen möglich sind, nachdem viele in den Ruhestand gehen.Es werde in diesem Zusammenhang auch der Standard der Verwaltung - zum Beispiel die Öffnungszeiten der Ämter - auf den Prüfstand zu stellen sein, ebenso die Zusammenlegung von Ämtern, um Synergieeffekte zu nutzen. Es ist auch die Zusammenfassung von Ämtern mit dem Landkreis zu prüfen (etwa die Kfz-Zulassungsstellen). Für die EDV soll überprüft werden, ob die Verlagerung zur SÜC Sparpotential birgt.


Unternehmen an Coburg binden



Nächstes Thema, Wirtschaftsförderung: "Nach meiner Ansicht ist es Aufgabe unseres Oberbürgermeisters, alles zu tun, dass große Wirtschaftsbetriebe, die viele Arbeitsplätze in Coburg geschaffen haben und teilweise auch hohe Gewerbesteuerbeträge bezahlen, in Coburg sich wohlfühlen und gerne in Coburg bleiben", betonte Herbert. "Dies ist meiner Ansicht nach Chefsache!"

Dass der Coburger OB die geplante Verlagerung von 300 Arbeitsplätzen durch Brose von Coburg nach Bamberg dahingehend kommentierte, dass Unternehmen normalerweise auf die Stadt zukommen, hält Herbert für ein "untragbares Argument": Die Stadt Coburg und hier insbesondere der Oberbürgermeister müssten sich von sich aus darum kümmern und auch entsprechende Gespräche fortlaufend mit den Unternehmen führen, damit sich diese wohlfühlen und möglichst in Coburg expandieren. "Im Falle der Firma Brose scheinen aber Empfindlichkeiten das Verhalten des Oberbürgermeisters zu lenken", so Herbert.

Die geplante Verlagerung werde aber auch damit begründet, dass Bamberg besser verkehrsmäßig angeschlossen sei als Coburg. Dazu Herbert: "Allzuviel Bedeutung dürfte dies angesichts eines Zeitunterschieds von maximal 30 Minuten auf der Straße nicht machen. Hier scheint vielmehr von Bedeutung zu sein, dass die Firma Brose in Bamberg oder auch Würzburg mit offenen Armen aufgenommen wird, in Coburg dagegen von unserer Stadtspitze nicht."


Bessere Anbindung nach Thüringen gefordert



Zur Verbesserung der Infrastruktur drängte Herbert auf einen Schienen-Lückenschluss nach Südthüringen. Die Trasse der Werrabahn wäre dabei die "finanziell günstigste Möglichkeit".

Augenzwinkernd äußerte sich Herbert noch zur Ballsporthalle, in der mittlerweile ja auch Veranstaltungen stattgefunden hätten, bei denen der Sport nicht so im Vordergrund stand. "Eine von diesen Veranstaltungen (gemeint war der Budenzauber; Anm. d. Red.) war recht schadensträchtig. Es handelte sich um eine Langzeitveranstaltung. Wenn derartiges des Öfteren durch das Sportamt genehmigt werden sollte, werden sich in 30 Jahren die dann gewählten Stadträte nicht weiter mit dem Abriss der Ballsporthalle beschäftigen müssen: Sie wird dann im Rahmen von ,Events' ohne weiteres Zutun in sich zusammenfallen. "




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Kommentare

 
2  Kommentare  
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Dr_Pflichtfeld - 22.02.2012 23:23    (0)   
 

"eine kalte Pracht und abstoßende Wüstenei"
Das hat der Albertsplatz mit dem seinerzeit kaputt-"sanierten" Marktplatz gemein.

eggileinchen - 23.02.2012 11:41    (0)   
 

Und der
Busbahnhof in der Lossaustrasse gehört dazu.Leider!!

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