Neuer Schub der "Coburger Krankheit"

22.07.2010     inFranken.de

Stadtmuseum Seit Jahren wird über ein Stadtmuseum diskutiert und geplant, nun könnte der Stadtrat etwas beschließen - dann vertagt er das Thema. Die Begründung: Über die Einrichtung und den Bau eines Stadtmuseums solle diskutiert werden, wenn es um die gesamte Finanzsituation geht - also im Herbst.


Dass das Thema Stadtmuseum am Donnerstag überhaupt auf der Tagesordnung stand, liegt daran, dass es dabei auch um eine Personalentscheidung ging: Nach dem Willen des Kultur- und Schulsenats sollen die Leitung von Stadtarchiv und einem künftigen Stadtmuseum in einer Hand liegen. Ein Archiv- und Museumsdirektor braucht aber andere Qualifikationen und wird höher bezahlt als ein reiner Archivleiter. Um die Stelle ausschreiben zu können, braucht die Verwaltung aber einen entsprechenden Stadtratsbeschluss.

Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) schlug zu Beginn der Sitzung vor, die beiden Entscheidungen zu trennen: Ob es ein Museum gibt, solle der Stadtrat im Herbst entscheiden, wenn sich die Finanzlage klarer darstelle. Die Personalentscheidung müsse jedoch sofort fallen, weil das Archiv derzeit keinen Leiter habe und dringend eine weitere Kraft gebraucht werde. Und selbst wenn es vorerst kein Museum gäbe, müsse sich der Archivleiter um die städtischen Sammlungen kümmern und Ausstellungen organisieren.

Etlichen Stadträten kam der OB mit dieser Argumentation entgegen. Monika Ufken (SPD) zum Beispiel befürchtete als Folge Kürzungen im sozialen Bereich: "Ich kann es nicht verantworten, wenn dafür etwas anderes, was wir seit Jahren gut machen, wegfällt." Die Stadträte Gerhard Amend (CSB) und Gabriele Morper-Marr (SPD) wiederum warnten davor, der "Coburger Krankheit" zu verfallen: "Da wird etwas zehn Jahre diskutiert, und kurz vor der Entscheidung verschiebt man es wieder."

Fast eine Stunde lang diskutierte der Stadtrat, ob er über das eine ohne das andere beschließen solle - und am Ende beschloss er: nichts. Die Diskussion über die Investition wurde mit Mehrheit verschoben (24 zu 15 Stimmen); die Diskussion über die Stelle allein abgesetzt (23 zu 16 Stimmen). "Das war der schlechtestmögliche Ausgang", kommentierte Kastner. Denn nun kann die Verwaltung nicht einmal jemanden für die Leitung des Stadtarchivs suchen.

Der Historiker Professor Gert Melville, der das Museumskonzept entwickelt hatte, mutmaßte nach der Sitzung, dass die Gegner einer Stellenausschreibung verhindern wollten, dass Fakten geschaffen werden. Sie hätten vermutlich befürchtet, dass es am Ende bei gelegentlichen Ausstellungen von Sammlungsteilen bleibt - ohne Museum.



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