112: Alle Leitungen führen nach Ebersdorf

27.07.2010     inFranken.de

Sicherheit Punkt 11 Uhr lief am Dienstag alles planmäßig am Ebersdorfer Frankenring: Ab diesem Zeitpunkt wurden alle Anrufe über die Feuerwehr-Notfallnummer "112" aus den Landkreisen Coburg, Kronach und Lichtenfels an die neue Integrierte Leitstelle in Ebersdorf bei Coburg geleitet.


"Die Testläufe haben das gebracht, was wir wollen", versichert der Lichtenfelder Kreisbrandrat Siegfried Kerner (hinten, Zweiter von links). Gemeinsam mit Timo Sommerluksch, Bernhard Schlennert und Uwe Fuchs überzeugt er sich von den guten Arbeitsbedingungen für Schichtleiter Bernd Trommer (vorne) und dessen Kollegen.
Es war ein ruhiger Tag in den Landkreisen Coburg, Kronach und Lichtenfels. Und ganz unglücklich waren Uwe Fuchs und seine Kollegen der Integrierten Leitstelle (ILS) darüber nicht. Von 0 auf 100 zu starten - das will schließlich niemand. Seit gestern Mittag laufen alle Notrufe aus dem nordwestlichen Oberfranken am Frankenring zusammen - egal, ob die Hilfesuchenden die "19222" für den Rettungsdienst oder die klassische "112" für die Feuerwehr wählen.

Naja - wie im normalen Leben, so gibt es auch bei der nichtpolizeilichen Notfallalarmierung Ausnahmen: Der Mobilfunk fehlt noch. Drei Monate haben die Netzbetreiber noch Zeit, um Notrufe über die "112" aus den drei Landkreisen nach Ebersdorf zu lenken. Noch landen diese bei der Einsatzzentrale der Polizei in Bayreuth, was aber nach Angaben von Uwe Fuchs (dem Leiter der Integrierten Leitstelle) nur einen kleinen Zeitverlust bei der Alarmierung bedeutet: "Die Kollegen der Polizei drücken auf einen Knopf - und schon ist das Gespräch bei uns."

Schon ganz anders stellt sich ab sofort die Situation bei der Feuerwehr-Erstalarmierung in den Landkreisen Kronach und Lichtenfels dar. Diese erfolgte über die Polizei, was nicht immer ganz einfach war. Siegfried Kerner, der Lichtenfelser Kreisbrandrat, kennt die Hintergründe: "Die Feuerwehr alarmieren, den Polizeifunk koordinieren und weitere Anrufe entgegen nehmen - das alles gleichzeitig zu machen, ist sehr schwer." Schnell könne da mal eine Minute Verzögerung zusammen kommen. Und eine Minute kann bei einem Wohnhausbrand durchaus über Wohl und Wehe der Bewohner entscheiden.

Die Mannschaft der neuen Integrierten Leitstelle präsentierte sich gestern für die Zusammenarbeit mit den Feuerwehren gut vorbereitet: 20 Wochen Feuerwehr-Ausbildung und sieben Wochen zusätzliche Disponenten-Schulung haben alle Festangestellten hinter sich. "Wir sprechen die gleiche Sprache wie die Feuerwehren", versichert Leitstellenleiter Uwe Fuchs. Auch wenn fast die gesamte ILS-Mannschaft ihre "Heimat" im Rettungsdienst hat, ist sie für die Kommunikation mit den Feuerwehren im Rettungsdienstbereich zwischen Unterbrunn und Ludwigsstadt (die fast 70 Kilometer auseinander liegen) gut gerüstet.

Europaweite Regelung


Doch auch nach der Umschaltung der "112" - die in Stadt und Landkreis Coburg ab sofort nicht mehr auf die Einsatz-Zentrale der Coburger Feuerwehr geschaltet ist - kommen noch die meisten Anrufe über die "19222". Neun von zehn, lautet der Richtwert. Auf lange Sicht soll dieses System aber vereinfacht werden, weiß Bernhard Schlennert von der Landesgeschäftsstelle des BRK, dem Betreiber der Integrierten Leitstelle Coburg: "Irgendwann soll europaweit alles auf die 112 hinaus laufen." Das diese Entwicklung immer noch sehr zögerlich kommuniziert werde, ist für Klennert eine echte Schwachstelle.

In den vergangenen Tagen lief die letzte Abstimmung mit den Feuerwehren der drei Landkreise im Rettungsdienstbereich unter Hochdruck. Dabei ging es aber weniger um das Vorgehen bei "scharfen" Einsätzen, sondern um administrative Dinge. An wen müssen sich die Kommandanten wenden, wenn mal ein Fahrzeug in der Werkstatt ist? Welche Durchwahl führt direkt in den Einsatz-Leitraum nach Ebersdorf? Solche und andere Fragen galt es noch zu klären. Grundsätzlich, bestätigt Timo Sommerluksch (Geschäftsführer beim Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Coburg), seien die Feuerwehren der Region gut informiert gewesen: "Die Fakten waren lange genug bekannt."

Im Endeffekt sind die Einsatzkräfte in Coburg, Kronach und Lichtenfels nach Ansicht von Kerner durch die Einführung der ILS noch mehr zusammengewachsen. Landkreisgrenzen trennen nicht mehr, das am schnellsten verfügbare Einsatzfahrzeug wird verständigt. Und diese Entwicklung liegt sicher auch im Interesse der Menschen, die in Not geraten, sagt der Lichtenfelser Kreisbrandrat: "Wer den Schaden hat, dem ist es wurscht, wer ihm hilft."



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