Der König kommt diesmal vom Schliersee

22.08.2010     inFranken.de

Fischerstechen Sandkerwa: Hans Angerer stand wie festgewurzelt auf der Plattform des Schelches. Die sieggewohnten Lokalmatadoren von der Unteren Schiffer- und Fischerzunft holten sich immer den Mannschaftspokal.


Hans Angerer schickt seinen letzten Konkurrenten ins Wasser. Foto: Barbara Herbst
Waden wie Boxbeutel, einen Brustkorb wie ein Kampfstier und Arme wie ein Preisboxer: So ungefähr muss der Mann beschaffen sein, der das Fischerstechen bei der Bamberger Sandkerwa gewinnen will.

Weil die Großfamilie Kropf, die seit Jahrzehnten auf den Titel abonniert ist, nach dem Rückzug des Seriensiegers Erwin Kropf (120 Kilogramm, gut 1,90 Meter groß) nur ihre junge, noch entwicklungsfähige Generation in den Wettbewerb schickte, ging die Trophäe - ein dekorativer Flussfisch aus Ton - gestern an den 42-jährigen Schlierseer Hans Angerer. Aber auch er plumpste in die 17 Grad kalte Regnitz: am Schluss, freiwillig, um sich nach der Hitze des Gefechts zu erfrischen und zum Gaudium der gut 45.000 Zuschauer, die nach Angaben des DFB (Deutscher Fischerstecher Bund) gekommen waren, um den Höhepunkt der Sandkerwa 2010 mitzuerleben.

Petrus war der Unteren Schiffer- und Fischerzunft hold, die zum 59. Mal die Hauptattraktion der Sandkirchweih ausrichtete (bei der ersten Kerwa gab es diese, in Bamberg schon 1498 dokumentierte Volksbelustigung noch nicht).

Unter einem strahlend weißblauen Himmel zogen die vier Mannschaften, begleitet von der Maintaler Blaskapelle Trosdorf durch das Festgelände zum Podium gegenüber dem Stammsitz der Familie Kropf, die noch als letzte der Bamberger Fischerzunft "mehr zum Spaß" mit dem Schelch zum Fischfang ausfährt. Diese Stammkräfte sind gerade beim Fischerstechen eminent wichtig, denn wenn die Regnitz nach längerem Regen so viel Wasser führt wie in diesen Tagen, könnte ein Untrainierter die Fischerstecher gar nicht in den Kampf paddeln. Die Bootsführer - alles Träger des Namens Kropf - hatten gestern unstrittig den schwereren Part zu leisten und erhielten anerkennenden Sonderapplaus.

Helden des Nachmittags freilich waren die Lokalmatadoren, zwei Mannschaften der Unteren Schiffer- und Fischerzunft Bamberg sowie ihre Kontrahenten, die "Pengertz Ratz'n" vom Nürnberger Altstadtfest e. V. sowie die "Schlierseer Buam". Vier Mannschaften zu je vier Mann ermittelten im K.-o.-System den König der Fischerstecher und nebenbei den Mannschaftssieger. Den dafür ausgelobten Glaspokal immerhin holte sich die erste Mannschaft der Gastgeber, die zwar die beste Gesamtleistung boten, aber keinen Fischerstecher ins Finale brachten.

Um Platz drei siegte Johannes Kropf gegen seinen weitläufigen Verwandten Benedikt Kropf. Während es die beiden noch richtig spannend machten, war der Endkampf schon nach knapp zwei Minuten entschieden: Der junge "Pengertz Ratz" Christian Brandmann hatte den längsten Vorkampf hinter sich und war leicht angeschlagen, als der bullige Schlierseer die Fischerstange auf ihn anlegte. "Ich war einfach platt," gestand der zweite Sieger, während sich Hans Angerer einen kräftigen Schluck genehmigte und - klatschnass wie er war - alle Damen auf dem Festpodium in die Arme nahm.

Samstagnachmittag maß sich schon der Nachwuchs im Fischerstechen. Bei den Schülern gewann Lukas Kalb vor Jonathan Ott und Felix Steiner. Den Jugendwettbewerb gewann Martin Renner vom Bamberger Domchor (!) vor Timo Förster von der SG Bamberg und Sebastian Burkard (Domchor). Bemerkenswert: Kein Kropf in den Siegerlisten!




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