Meiden Sextouristen die Stadt Bamberg?
09.08.2010
Von: Michael Wehner ![]()
Erotik Groß wie eine Turnhalle; bis zu 20 Mädchen sollen hier auf Kundschaft warten. Der umstrittene Sexclub sorgt für weniger Aufregung als zunächst befürchtet. Allerdings scheint sich auch der Ansturm in Grenzen zu halten.

Kaum drei Monate ist es her, dass Frankens angeblich größter Sexclub für Aufregung in der Domstadt sorgte. Was wusste der Stadtrat über die Planungen für ein turnhallengroßes Bordell? Wie konnte es dazu kommen, dass ein Geschäftsmodell abgesegnet wurde, das der Betreiber mit "Sodom und Gomorrha, aber zivilisiert" charakterisierte? Ungeklärte Fragen wühlten die Bevölkerung auf.
Heute haben sich die Wogen scheinbar geglättet.
In der Bamberger Bronx, wie ein Anlieger die Jäckstraße tituliert, herrscht "gewöhnlicher Geschäftsalltag". Niemand klagt über Umsatzrückgang, sechs Wochen nachdem der glitzernde Tempel der Lust seine Pforten geöffnet hat. Doch auch der befürchtete Massenansturm liebeshungriger Sextouristen blieb aus. "Alles ist unauffällig", berichtet Udo Skrzypczak, Leiter der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt.
Dennoch kontrollieren die Bamberger mit Argusaugen, was in der Jäckstraße passiert.
Hans Seibold, dessen Reparaturwerkstatt "Motor und Rad" einen Steinwurf von den Palmen entfernt liegt, die neuerdings den Club-Eingang einrahmen, berichtet von Scharen von Neugierigen, die regelmäßig zum Zentrum der käuflichen Liebe pilgern, um eine Runde im Hof zu drehen, den Hals zu verdrehen und unverrichteter Dinge wieder von dannen zu ziehen. Wen wundert´s? Weniger zu tun als vorher hat der Automechaniker nicht, im Gegenteil, er profitiert von der Nähe zur anrüchigen Adresse: "Kunden, die nicht wissen, wo sich meine Werkstatt befindet, sag ich immer, gleich neben dem Puff. Dann weiß jeder Bescheid."
Unverhoffte Aufmerksamkeit beschert die neue Nachbarschaft auch der Praxis von Franz Pichler, die direkt gegenüber liegt.
Die anfangs auffällig steigenden Patientenzahlen haben sich zwischenzeitlich wieder normalisiert. Merkwürdig findet CSU-Stadtrat Pichler, dass der Parkdruck auf seiner Seite des Innenhofs stark zugenommen hat, während vor dem Club so gut wie nie was los ist. "Man scheut sich wohl, direkt vor dem Ziel zu parken."
"Tendenz lustlos", das ist die Einschätzung, die man in der benachbarten Metzgerei bei Fleischwaren Fischer zu hören bekommt.
Weder hat es der Sexclub geschafft, den Verkauf von Wurst anzukurbeln, noch hat er den Hunger nach Fleisch gestillt, wie Kunden gewitzelt haben sollen. "Es parken deutlich mehr Autos mit fremden Nummernzeichen in der Straße. Aber sonst ist alles ganz normal", berichtet Inhaber Horst Fischer.
Ein anderer Nachbar urteilt nicht so entspannt:
"Das nervt unheimlich. Jeder Kunde, der kommt, will wissen, was drüben los ist und ob ich schon Freikarten bekommen hätte." Dabei ist von den Aktivitäten im Club außerhalb der fleischfarbenen Mauern so gut wie nichts zu bemerken. Immerhin, vor dem Haus herrscht penible Ordnung: "Der Parkplatz war noch nie so sauber und leer wie heute - jedenfalls tagsüber! "
Mehr über die käufliche Liebe und ihre Auswirkungen für die Jäckstraße lesen Sie im Fränkischen Tag.
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