Sex-Club: "Haben kein moralisches Problem"
14.05.2010
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Interview Die Eigentümer der Sex-Club-Immobilie in Bamberg wollen ungenannt bleiben. Dennoch verraten sie in einem Interview Hintergründe, weshalb es zu der umstrittenen Vermietung kam. Einen Grund für die neue Nutzung sehen sie auch in dem durch die Stadt mit verursachten Niedergang der Jäckstraße.
Der Bau eines Sex-Parks in der Bamberger Jäckstraße beschäftigt die Menschen in der Region. Weil er nicht öffentlich behandelt und auf dem Verwaltungsweg genehmigt wurde, aber auch weil es eine solche Einrichtung in dieser Dimension in Bamberg noch nicht gibt.
Doch welche Motive haben die Eigentümer der Halle bewegt, ihr Gebäude dem Betreiber eines Sex-Parks zur Verfügung zu stellen? Welche Hintergründe haben dazu geführt, dass die Jäckstraße in den letzten Jahren als Handelsquartier abgesunken ist? Darüber unterhielten wir uns mit dem Sprecher der Bamberger Immobiliengesellschaft, der die Halle und etliche andere Immobilien in der Jäckstraße gehören.
Warum wollen Sie nur anonym mit uns reden?
Weil es nicht unsere Art ist, uns in den Vordergrund zu drängen. Wir bleiben als Geschäftsleute gerne im Hintergrund. Außerdem ist es nicht wichtig, wem die Halle gehört.
Die Einrichtung, die hier geschaffen wird, hat viele Menschen in der Region bewegt. Warum haben Sie an einen Betreiber vermietet, der einen der größten Sex-Clubs in ganz Franken aufziehen will?
Weil wir keine andere Wahl hatten. Der Vormieter hat uns hohe
Mietschulden hinterlassen, weil er nicht mehr zahlen konnte. Man muss sehen: Die Jäckstraße, die früher einmal eine Durchgangsstraße zum Hafen war, ist mittlerweile mausetot. Das ist das Ende der Welt dort. Dazu beigetragen hat auch die Endlosbaustelle der Stadt, die 2008 einen Kanal und die Straße neu geschaffen hat. Dadurch kam es zu einem existenzbedrohenden Rückgang des Kundenflusses. Und wir haben lange vergeblich nach einem zuverlässigen Mieter gesucht. In dieser Situation kam der Betreiber des Sex-Clubs auf uns zu. Er ist bereits Mieter bei einer Firma, an der wir beteiligt sind, und er hält sich an alle Abmachungen. Er ist ein zuverlässiger Mieter.
Wie stehen Sie zu der Nutzung der Halle für Prostitution?
Das haben wir von Anfang an unserem Mieter überlassen. Der Antrag auf Nutzungsänderung wurde von ihm gestellt. Er ist es, der den Umbau vornimmt. Was dort passiert, ist seine Sache. Man muss wissen: Wir haben die Halle in den 90er Jahren von der Stadt im Vertrauen darauf gekauft, dass die Zusage, die Jäckstraße an den Laubanger und die Kronacher Straße anzubinden, eingehalten wird. Leider ist bis heute nichts passiert.
Sie hätten aber auch nein zu der Nutzung als Sex-Club sagen können.
Natürlich haben wir uns einen anderen Branchenmix dort vorgestellt und auch gewünscht. Aber die Alternative wäre Leerstand gewesen.
Was stört Sie am Branchenmix?
In einer Kleinstadt wie Bamberg ist ein Sex-Club ein heikles Thema. Aber eine höherwertige Nutzung ließ sich einfach nicht finden.
Finden Sie Ihre Entscheidung moralisch korrekt, an einen solchen Mieter zu vermieten?
Wir haben kein moralisches Problem mit einem solchen Haus. Solange es sauber, ordentlich und menschenwürdig zugeht, ist dagegen nichts einzuwenden. Man muss sehen, dass es in der Jäckstraße bereits einen Puff gibt. Die machen das jetzt nur auf höherem Niveau, weil sie glauben, dass es auch in einer katholischen Stadt eine Nachfrage nach einem gehobenen Etablissement gibt. So oder so regelt der Markt den Bedarf.
Wie stehen Sie zu dem Verhalten einiger CSU-Stadträte, die der Stadt Fehler vorwerfen. Immerhin sind Sie ja selbst Mitglied?
Das Ganze ist ein Kasperltheater. Offenbar hat man in Bamberg keine größeren Sorgen.
Angenommen, die neue Nutzung der Halle wäre im Mai 2009 öffentlich diskutiert worden. Was wäre passiert?
Ich glaube, das wäre ein unendliches Thema geworden. Und die Einrichtung wäre längst auf Hallstadter Gebiet eröffnet.
Das Gespräch führte Redaktionsmitglied Michael Wehner
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