Raupen-Drescher retten die Ernte

03.09.2010   Von: Hans-Werner Penning  inFranken.de

Landwirtschaft Vom Maschinenring werden im Bamberger Land Mähdrescher mit Ketten eingesetzt, um die nassen Felder zu befahren. Die Müller warnen vor schlechterem Brotgetreide.


Premiere im Bamberger Land: Mähdrescher mit Raupen-Antrieb ernten das Getreide. Die Auflage-Fläche von etwa zwei Quadratmeter pro Kette ermöglicht ihnen, auch nasse Böden zu befahren. Fotos: Barbara Herbst
"Wir retten jetzt halt, was noch zu retten ist." Dafür opfert der Geschäftsführer des Bamberger Maschinenringes, Mathias Weigand, sogar ein paar Tage seines Urlaubs. Denn die Maschine, die er am Freitag gesteuert hat, hat Premiere im Bamberger Land: ein Mähdrescher mit Raupenantrieb. Mit der Leihgabe aus Ingolstadt kann man auch in feuchten und nassen Feldern Getreide ernten, ohne zu "versinken". Und das ist in der derzeitigen Lage unbedingt nötig, will man das Getreide bergen, das vor dem großen Regen nicht mehr eingebracht werden konnte.


Über 400 PS stark


Weit mehr als 200 Hektar Weizen, so schätzt Weigand, sind im Bamberger Land noch "draußen". Etwa ein halbes Hektar hat er gestern bei Fred Einwich in Kremmeldorf mit dem "Raupen-Mähdrescher" gedroschen. Am Ende befanden sich etwa sechs Tonnen Getreide im Körnertank des über 400 PS starken Dreschers, schätzt Weigand - man kann sich also ausrechnen, um welchen nicht nur materiellen Wert es den betroffenen Bauern geht. Etwa zehn Betriebe haben deshalb Interesse geäußert, die kettengetriebenen Maschinen von der Donau an Main und Regnitz zu holen. Aus Ingolstadt hat ihr Besitzer Franz Mayr auf Vermittlung des Maschinenringes drei Stück per Tieflader nach Bamberg transportiert: Den einen steuert er selbst, den zweiten ein Mitarbeiter von ihm. Den dritten gab es nur, weil mit Mathias Weigand ein qualifizierter Fahrer dafür zur Verfügung stand, der auf der 1000 Hektar großen Farm eines Bekannten in Kanada schon öfter mit solchen Geräten zu tun hatte. 180 Euro pro Hektar werden pro Drescher samt Fahrer in Rechnung gestellt.

Die Arbeit selbst ist schwierig. Zu großen Teilen liegen die Weizenhalme schon auf dem Boden, müssen in langsamer Fahrt vor dem Schnitt angehoben werden. "An den Ährenhebern schiebt sich der Dreck zusammen." Immer wieder muss Weigand deshalb anhalten, zurücksetzen, das sieben Meter Breite Schneidwerk reinigen. Aber nur so ist die Ernte noch zu retten. "Viel trockener wird der Boden um diese Jahreszeit nicht mehr", weiß der Maschinenring-Geschäftsführer, der froh ist, dass Sonne und kühler Wind wenigstens die Halme einigermaßen trocken gemacht haben. Zu sehr täuschen lassen sollte man sich von der kräftigen Staubwolke allerdings nicht.


Kein Brotgetreide mehr


Zweifelhaft ist zudem, ob das verspätet geerntete Getreide noch zu mahlen ist. Ein Teil der Ähren wächst bereits aus. Für den Müller der Hallstadter Reubelsmühle, Stefan Dauerlein, ist die Sache klar. "Was jetzt noch kommt, kann kaum noch als Futtergetreide verwendet werden", so der Fachmann. "Ich bin jetzt 45 Jahre Müller, aber eine so verregnete Ernte wie in diesem Jahr habe ich noch nicht mitgemacht." Weil im August der "Nachschub" an Weizen ausgeblieben ist, hat sich der Getreidepreis nahezu verdoppelt, von 120 auf mehr als 200 Euro pro Tonne. Nach dem russischen Exportstopp machte der Preis einen weiteren Satz auf 230 Euro. Dauerlein selbst mahlt in seiner Reubelsmühle etwa drei Tonnen Getreide pro Tag, die er von Bauern aus der näheren Umgebung bezieht. Das Mehl gibt er im Direktverkauf an Bäckereien und andere Kunden ab.

Wie seine Kollegen wird der Obermeister der Müller-Innung Bamberg-Ebern jetzt Getreide von weiter entfernten Landwirten und aus Interventionsbeständen beziehen müssen und hofft dabei nur, dass Weizen und Roggen nicht erneut zu einem Spekulationsobjekt werden.




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