Ein Brautkleid war fast so alt wie die Kapelle
31.08.2010
Von: Evi Seeger ![]()
Festtag Seit 125 Jahren besteht die Wingersdorfer St.-Bartholomäus-Kapelle. Der ganze Ort war beim Jubiläumsfest auf den Beinen. Höhepunkt war eine Modenschau mit Brautkleidern aus längst vergangenen Tagen.

Dieses Brautkleid aus Hohenpölz aus dem Jahr 1892 ist fast so alt wie die Wingersdorfer Kapelle. Vorgeführt wurde es von Christine Göller (als "Bräutigam" fungierte Thomas Wiesneth). Foto: Evi Seeger
Eigentümer ist die Gemeinde
Eigentümer des kleinen Gotteshauses ist die Gemeinde Frensdorf. Neben dem Allerhöchsten ist somit Bürgermeister Jakobus Kötzner der weltliche "Hausherr". Kötzner hatte in der vom ehemaligen Sambacher Pfarrers Egmont Topits verfassten Chronik nachgeschlagen. Daraus geht hervor, dass der Kapellenbau im Sommer 1885 erfolgte. Zuvor habe es an gleicher Stelle schon eine 14-Nothelfer-Kapelle gegeben, deren baulicher Zustand so schlecht war, dass sie nicht mehr zu retten war. "Die Einweihung wurde am 24. August 1885, dem Tag des heiligen Bartholomäus, gefeiert", berichtete der Bürgermeister. Großes Lob fand Kötzner für den Ort und seine Einwohner, "die sich vorbildlich um ihre Kapelle kümmern". Auch die Gemeinde Frensdorf habe ihren Teil beigetragen: In diesem Jahr habe die Kapelle eine eigene Stromversorgung erhalten und für das Fest wurde sie innen und außen auf Hochglanz gebracht. Mit Geschichte befasste sich auch der weltliche Teil des Jubiläums: Anneliese Göller hatte für den Abend eine historische Brautmodenschau auf die Beine gestellt, die so viele Besucher anzog, dass das Zelt praktisch aus allen Nähten platzte. Die schönen alten Brautkleider wurden von jungen Leuten aus dem Ort vorgeführt, die darin ausnahmslos eine gute Figur machten. Den Anfang machte Monika Bickel, die in ihrem eigenen Brautkleid aus den 90er Jahren den Laufsteg betrat. Mit Kleidern, die zum größten Teil aus dem Ort selbst stammten - darunter auch das Brautkleid der Bezirksbäuerin aus dem Jahr 1977 - führte die Modenschau immer weiter in die Vergangenheit zurück. Besonders interessant wurde sie durch Anneliese Göllers Ausführungen zum Wetter, Hochzeitsessen und Zeitgeist, wie auch zu weltpolitischen Ereignissen. Immer weiter zurück ging die Zeitreise bis in die dreißiger- und zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts als die Brautroben noch schwarz war. Das älteste Brautkleid stammte aus dem Jahr 1892 und war damit fast so alt ist wie die Kapelle selbst. Großes Interesse fand bei den vielen Festbesuchern auch eine Ausstellung alter Fotografien und Ortsansichten.
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