Zwei Gruppen haben ihre Pläne

01.06.2010   Von: Timo Stöhr  inFranken.de

Insolvenz Es gibt zwei Lager, die den 1. FC Eintracht Bamberg retten und Bayernliga-Fußball in Bamberg ermöglichen wollen. Beide verlangen, dass sich die anderen dauerhaft zurückziehen. Der Insolvenzverwalter fordert detaillierte Konzepte von beiden.


Nein, Stephan Essig schreit nicht seinen Frust heraus. Dem Torwart liegen Angebote anderer Vereine vor, auch aus der dritten Liga. Weil ihm seine Ausbildung bei der Sparkasse Bamberg im Moment wichtiger ist, würde er gerne die Nummer 1 des FC Eintracht bleiben. Nach heutigem Stand verlassen den FCE nur zwei oder drei Spieler aus dem Kader der ersten Mannschaft. Foto: sportpress

Die Zeit drängt. Aber es herrschte vorsichtiger Optimismus in dem Kreis der ehemaligen Mitarbeiter des 1. FC Eintracht, die alle Hebel in Bewegung setzen wollen, um den insolventen Verein in geordnete Bahnen zurückzuführen. Am Montagabend trafen sich ein Dutzend früherer Vorstände, Abteilungsleiter und der Sportreferent der Stadt Bamberg, Bürgermeister Werner Hipelius. Sie alle verbindet das Ziel, "ihren" Verein mit all seinen Facetten zu erhalten. Unter Hochdruck wollen sie es schaffen, mit Gläubigern, Sponsoren, Stadt, Spielern und Trainern zu Kompromissen und Ergebnissen zu kommen.


Stichtag 30. Juni

Den Fußballern ab der neuen Saison das Antreten in der Bayernliga zu ermöglichen, ist nun der größte Kraftakt. Diese Liga sei sportlich reizvoll und biete den vielen Talenten in den Jugendmannschaften eine Perspektive, und umgekehrt könnte der FCE mit selbst ausgebildeten Spielern relativ kostengünstig in der höchsten bayerischen Amateurklasse bestehen. "Die erste Mannschaft ist sehr wichtig", hieß es, "aber genauso wichtig ist es, dass die anderen Abteilungen im FC Eintracht weiter spielen können."

Das Hauptproblem, das sowohl die Gruppe um den früheren Vorsitzenden Wolfgang Schauer, als auch der aktuelle Vorsitzende Holger Eckert hat: Alle Verhandlungen müssen bis zum 30. Juni erfolgreich abgeschlossen sein. Sollte erst nach diesem Stichtag das Insolvenzverfahren eröffnet oder abgelehnt werden, dann könnte sich der FC Eintracht nach den BFV-Statuten die Bayernliga abschminken. In dem Fall droht die Fußballabteilung samt Nachwuchsausbildung zusammenzubrechen.


Erste Gespräche laufen

Schon am Dienstag suchten die "Retter" die ersten Gespräche mit Gläubigern. Mit Verzichterklärungen und Stundungen könnten Auftragnehmer und Kreditgeber mehr Geld sehen, als bei einer voraussichtlich sehr niedrigen Quote im Insolvenzverfahren. Hauptsponsor Fuchs und die Stadt Bamberg dürften durchaus ein Interesse daran haben, dass im modernisierten, mit neuer Tribüne und Flutlicht ausgestatteten Fuchsparkstadion Bayernligafußball geboten wird. Das Zuschauerinteresse an Spielen in dieser Liga gilt als höher als an Regionalliga-Spielen.


Mitgliederversammlung in drei Wochen

Werner Hipelius führte am Dienstag ein Gespräch mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter des FC Eintracht, Volker Böhm. Dieser, so Hipelius, unterstütze das gemeinsame Ansinnen und wolle die amtierende Vorstandschaft dazu bewegen, noch in diesem Monat eine Mitgliederversammlung einzuberufen. Gleich nach dem Gespräch mit dem Bürgermeister hatte Böhm seine nächste Sitzung, und zwar mit den Vorständen Holger Eckert, Andre Kleilein und Wolfgang Böhmelt. Man wolle die Mitglieder für Anfang der vierten Juni-Woche einladen, sagte Vorsitzender Holger Eckert auf Anfrage unserer Zeitung.

Auch er plant, zusammen mit Manager Jan Vetter das Projekt Bayernliga anzugehen. Es liefen längst Gespräche mit Geldgebern. Eckert: "Wir haben Leute an der Hand, die bereit sind sich zu engagieren. Darunter sind neue Geldgeber und auch bisherige. Sie fordern allerdings, dass sämtliche alten Zöpfe endlich abgeschnitten werden."

Der vorläufige Insolvenzverwalter Böhm bestätigte gestern gegenüber unserer Zeitung: "Es gibt die Bereitschaft von zwei Gruppen, sich zu engagieren. Ein verbindliches Konzept liegt mir aber noch nicht vor." Schwarz auf Weiß müssten ihm die Gruppen ihre Vorschläge vorstellen, mit detaillierten Finanzierungskonzepten. "Das werden Jan Vetter und ich tun", sagte Holger Eckert, "und wenn das zweite Lager einen sinnvollen Plan präsentiert, dann werde ich nicht im Wege stehen". Was das Beste für den Verein sei, müsse gemacht werden. Aber eine neuerliche hitzige Mitgliederversammlung wolle er nicht ("keiner hat Lust auf eine Schlammschlacht"), deshalb müsse sich schon im Vorfeld herauskristallisieren, welches Konzept erfolgversprechend sei.


Christoph Starke steht als Trainer bereit

Eine Forderung der "Retter-Runde" ist wiederum, dass der jetzige Vorstand den Weg frei mache. Gläubiger, Sponsoren, Vereinsmitarbeiter und Sportler hätten das Vertrauen in den Noch-Vorstand verloren, hieß es am Montagabend. Neue Köpfe, so wurde bekannt, hätten ihre Mitarbeit angeboten, auch an vorderster Front. Auch in zweiter Reihe stünden viele altgediente Eintrachtler und FCler bereit, Verantwortung zu übernehmen. Ein neuer, altbekannter Trainer stünde im Falle einer Wachablösung an der Vereinsspitze Gewehr bei Fuß. Christoph Starke hat dem Schauer-Lager angeboten, bis zum 30. Juni bei keinem anderen Verein anzuheuern und zum FC Eintracht, bei dem er in der Winterpause gefeuert worden war, zurückzukehren.


Die Mannschaft hält dem Verein die Treue

Auch der Großteil der Fußballer würde dem FCE die Treue halten. Am 30. Juni endet für sie die Wechselfrist. Schon deutlich vorher wollen sie Klarheit, um sich notfalls doch noch einem anderen Verein anschließen zu können.



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