„Zeitung ist ja doch ganz cool“
11.03.2008
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Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3 der Grundschule Creidlitz finden die Berichte im Coburger Tageblatt ganz lustig, manchmal auch krass.
Wenn ich morgens mit einem Stapel Zeitungen in die dritte Klasse der Grundschule Creidlitz komme, ziehe ich jedes Mal erneut die Aufmerksamkeit einiger Kinder auf mich. „Machen wir heute wieder Zeitung?“, wird mir dann oft entgegen gerufen. Zu Beginn des Projekts kam es sogar vor, dass die gesamte Klasse mich mit einem lauten „Juchuu, Zeitung!“ begrüßt hat, doch mittlerweile ist die „Zeitungsschau“ für die Kinder schon fast so normal geworden wie die tägliche Frühstückspause.
Da Deutsch zu meinen Schwerpunktfächern zählt, hat meine Mentorin, Schulleiterin Astrid Balzar, die Teilnahme an dem Projekt „klar.text“ genau auf die vier Wochen meiner Praktikumszeit gelegt. Obwohl sich das Projekt in erster Linie noch gezielt an die Sekundarstufe richtet und erst im kommenden Jahr auch ein auf die Grundschule abgestimmtes Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen wird, haben schon die ersten drei Wochen gezeigt, dass es sich auch für eine Grundschule lohnt, an diesem Projekt teilzunehmen. Natürlich kann ich hierfür nicht das bereitgestellte Unterrichtsmaterial verwenden, doch ich versuche einfach, verschiedene Thematiken kindgerecht durchzuführen. Während wir zu Beginn erst einmal das Blättern einer Zeitung lernen und üben mussten, konnten wir in den letzten Tagen schon über politische Themen diskutieren. Unter dem Titel „Zeitungsschau“ hat jedes Kind ein eigenes Heft angefertigt, in welches Zeitungsartikel geklebt und Erläuterungen sowie eigene Meinungen geschrieben werden.
Kinder haben sich schnell an das zuweilen widerspenstige Medium gewöhnt
Jeden Morgen freuen sich die Schüler schon auf die Zeitung, denn jedes Kind erhält eine eigene Ausgabe. Wenn dann alle eifrig am Blättern sind, dann kann es schon mal passieren, dass dem ein oder anderen die Zeitung auseinander fällt und einzelne Seiten durcheinander geraten. „Das ist ganz schön nervig!“, findet Alena und die anderen Kinder können ihr nur zustimmen: „Da kann man schnell die Geduld verlieren.“ Doch der Umgang mit der Zeitung ist für die meisten nun kein Problem mehr. Denn wo ich am Anfang noch eingreifen und helfen musste, haben die Schüler nun gelernt, die auftretenden Probleme selbst zu lösen: „Wenn die einzelnen Blätter durcheinander geraten sind, dann muss man einfach auf die Seitenzahlen schauen und sie neu sortieren“, erklärt Katharina.
Jeder legt sich ein Zeitungsschauheft an
Wenn dann endlich die gesuchte Seite gefunden wurde, liest ein Kind den Artikel vor, den ich zuvor ausgesucht hatte. Nachdem darüber diskutiert wurde, wird der Text ausgeschnitten und in das Zeitungsheft geklebt. „Dann schreiben wir meistens noch ein paar Zeilen dazu“, erinnern sich die Schüler. Das Verzieren des Zeitungsschauheftes bereitet ihnen großen Spaß. Sogar freie Minuten nutzen sie dafür, das Heft zu verschönern. Problematisch ist es zwar, dass das Ausschneiden und Einkleben der Artikel oft sehr lange dauert und dabei auch so manche Ausschnitte verloren gehen oder reißen. Allerdings „hat man dafür auch immer eine Erinnerung an die Dinge, die man mal in der Schule gemacht hat“, ist sich die dritte Klasse einig.
Das Zeitungsprojekt fördert zudem die Bereitschaft zu lesen. Das findet auch Katharina: „Ich les’ jetzt mehr Zeitung, weil ich durch das Projekt gemerkt habe, dass die Zeitung doch nicht so langweilig ist, wie ich immer gedacht hab’.“ Auch Vorurteile über die Zeitung scheinen jetzt widerlegt zu sein: „Ich hab früher immer gedacht, dass die Zeitung so groß ist, dass man Jahre braucht, bis man sie fertig gelesen hat.“, erzählt Jula. „Durch das Projekt habe ich aber gemerkt, dass das doch nicht so lang dauert.“ Doch auch die richtige Schreibweise wird durch das tägliche Lesen geübt. Das kennt vor allem Maria: „Ich weiß jetzt auch, wie die Wörter geschrieben werden.“
Tiergeschichten sind der Renner
Obwohl die Kinder nun schon ziemlich sicher mit der Zeitung umgehen können, erweist sich das Schreiben eines eigenen Zeitungsartikels als noch zu schwierig für die Acht- bis Neunjährigen. Dafür haben sie sich mit ihren kreativen Ideen und Aussagen in diesen Artikel einbringen können. Das Lesen der Zeitung kommt in dieser Klasse bei allen Schülern und Schülerinnen sehr gut an. Besonders beliebt ist bei den Acht- bis Neunjährigen alles, was mit Tieren zu tun hat.
Die Politikseiten finden sie allerdings noch zu schwer: Da sind „voll die doofen Wörter drin“, die man nicht so leicht verstehen kann. Leichter lesen lassen sich da die Kindernachrichten. Doch hier finden sie, dass man noch etwas verbessern kann: „Manchmal geht es um Themen, die Kinder nicht interessieren. – Warum gibt es nicht einmal Nachrichten ,von Kindern für Kinder’?“, fragen sie mich dann und ich erkläre ihnen, dass es gar nicht so leicht ist, etwas zu schreiben, was jeden interessiert, aber ihre Idee, dass Kinder für Kinder schreiben, gar nicht so schlecht ist.
"Zeitung ist doch nicht so langweilig"
Die Schüler der dritten Klasse sind der Meinung, dass dieses Projekt so schön ist, dass sie es auch anderen empfehlen würden. „Das Thema hat uns allen Spaß gemacht und wir haben herausgefunden, dass Zeitung doch nicht so langweilig ist.“, finden sie. „Man muss es ausprobieren, um herauszufinden, ob einem das Zeitungslesen Spaß macht.“, sagt Jula. In einem sind sich die Schüler einig: „Wir finden es alle toll, daran teilgenommen zu haben.“ Und „das Zeitungsschauheft muss unbedingt weitergeführt werden“.
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