Wo Bambergs größte Baustelle entsteht
12.03.2010
Von: Michael Wehner ![]()
Stadtentwicklung Mit dem Start der Neubauvorhaben auf der Erba-Halbinsel im April wird in den nächsten zwei Jahren ein neuer Stadtteil in Bamberg das Licht der Welt erblicken. 86 Millionen Euro fließen alleine in die Gebäude rund um den neuen Erba-Platz. Damit dürfte auf der Erba Bambergs größte Baustelle seit Jahrzehnten entstehen.

Es war September 1992, als die Nachricht von einer drohenden Pleite der Erba AG in Bamberg einen Schock auslöste. 500 Arbeitsplätze gingen damals verloren und mit ihnen ein Symbol für eine 150 Jahre alte lange Zeit prosperierende Industriekultur. 18 Jahre danach beginnt in diesen Tagen ein neues Zeitalter in Gaustadt und in ganz Bamberg. Schon im April sollen die ersten Bagger anrollen und Bohrpfähle für den Bau einer Tiefgarage in den Boden rammen. Sie sind ein Symbol für die neue Erba.
Darum, dass es nun losgehen kann, ein neuer Stadtteil auf der Industriebrache entsteht, haben viele jahrelang gerungen. Allen voran Oberbürgermeister Andreas Starke, Staatsekretärin Melanie Huml, Heiner Kemmer von der Stadtbau GmbH, zwei bayerische Ministerien, die Oberste Baubehörde und eine ganze Reihe privater Investoren und Firmen.
Mit der Einigung über die Kosten der Tiefgarage ist nun der letzte Faden des gordischen Knotens durchschlagen. "Das hier wird die größte Baustelle sein, die es in Bamberg je gegeben hat", sagt Marcus Bauer, Geschäftsführer der Campus Bamberg GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der Klappan Holding AG und der Stadtbau GmbH.
Es ist nicht nicht unwahrscheinlich, dass er Recht hat. Alleine rund um den künftigen Erbaplatz investieren Stadtbau, Klappan-Gruppe und die J.A. Consulting GmbH aus Forchheim in vier Gebäuden und einer Tiefgarage mit 470 Stellplätzen 86 Millionen Euro. Die Bausumme von 600 Wohneinheiten auf dem Grund der irischen Investoren, die in den nächsten Jahren am Ufer des Werkkanals und auf der künftigen Gartenschaufläche in die Höhe wachsen werden, wird grob auf weitere 180 Millionen Euro geschätzt.
Die Langwierigkeit und das Auf und Ab der Vorverhandlungen steht in einem krassen Gegensatz zur Eile, die jetzt geboten ist. Die Tiefgarage unter dem Erbaplatz und der fünfgeschossige Bau für die Universität, die das Gebäude mietet, soll bis zum Februar 2012 abgeschlossen sein. Der Zeitdruck ist eine Folge der im Mai beginnenden Landesgartenschau, aber auch des doppelten Abiturjahrgangs 2011 und des erwarteten Anstiegs der Studentenzahlen. In dem Uni-Gebäude werden die Lehrstühle für Wirtschaftsinformatik, sowie für Musikpädagogik der Otto-Friedrich-Universität den Platz finden, den sie brauchen. Nach einer Schätzung der Uni werden täglich bis zu 5000 Studierende das Haus ansteuern, das auf 500 Quadratmetern auch eine Cafeteria mit Systemgastronomie zur Versorgung der Studenten und der umliegenden Bevölkerung beherbergt.
Doch die Neubauten sind gewissermaßen nur die halbe Miete. Ein mindestens ebenso großes Signal für den Nordwesten Bambergs wird es sein, wenn die Altbauten mit neuem Leben erfüllt sind. Einen großen Schritt hat das auf Sanierungen spezialisierte Unternehmen J.A. Consulting GmbH aus Forchheim hier bereits getan.. Das ehemalige Baumwolllager wurde in 26 Wohneinheiten, darunter sechs Reihenhäuser, umgebaut. Bezug soll im August sein. Wenig später wird sich die ehemalige Schlichterei, ein lang gestreckter denkmalgeschützer Bau, der ich an den Ziegelbau anschließt, beleben. Hier entstehen 63 Studentenappartements, die Geschäftsführer Jürgen Dzuimbla, bemerkt es mit Zufriedenheit, nur wenige Monate nach dem Start bereits verkauft sind.
Erstaunlich wie groß der Anteil an Auswärtigen ist, die bei Quadratmeterpreisen von 3000 Euro sich eine Studentenwohnungen als Kapitalanlage sichern wollen. Der Grund liegt auf der Hand. Wohnraum in Bamberg ist knapp. Denkmalschutz und Sanierungsgebiet erlauben optimale Abschreibungsmöglichkeiten.
Der zweifellos größten Brocken auf der ganzen Erba-Halbinsel steht aber noch bevor. Den gewaltigen Ziegelbau zu sanieren, ist eine Herkulesaufgabe, die 36 Millionen Euro verschlingt. Jürgen Dzuimbla will Ende des Jahres damit beginnen. Er ist zuversichtlich, dass die dort geplanten 267 Studentenwohnungen und eine Gewerbefläche von 2800 Quadratmetern im Erdgeschoss auf großes Interesse in Bamberg und weit darüber hinaus stoßen werden. "Hier entsteht ein komplett neues Quartier am Rande der Innenstadt zwischen Wasser- und Parkflächen. Dazu der Charme Bambergs. Das ist einfach einmalig."
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