Bekommt Bamberg einen "Welterbepark" ?
12.11.2009
Ort: Importartikel Von: Michael Wehner ![]()
Denkmalschutz Es ist ein Projekt mit reellem Hintergrund: Der Umgriff des ehemaligen Benediktinerklosters St. Michael in Bamberg könnte zum ersten deutschen Welterbepark werden. Dieses Ziel verfolgen maßgebliche Denkmalexperten der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Bambergs historische Klosterlandschaft, hier die Klosteranlagen mit dem Kammerathengarten, hat sich kaum verändert bis in unsere Zeit erhalten. Mit einem Welterbepark könnte dieser wenig bekannte kulturelle Schatz noch besser hervorgehoben werden. Foto: Ronald Rinklef
„Welterbepark Michael“ ist der Name, den der Bamberger Denkmalschutzprofessor Achim Hubel dem Projekt gegeben hat. Seit einigen Jahren sind Hubel und andere wissenschaftliche Mitstreiter von der Otto-Friedrich-Universität und der Technischen Universität München dabei, diesen Titel, den es so noch nirgends gibt, mit Leben zu erfüllen - eine forscherische Pionierarbeit.
Denn weder hat jemand bislang den Versuch unternommen, das gewaltige bis ins Mittelalter reichende in vollem Umfang erhaltene Archiv der Abtei systematisch zu erforschen, noch gibt es ein auf die Bedürfnisse für Bamberg ausgelegtes Konzept, wie man mit dem Phänomen einer weitgehend intakten mittelalterlichen Kulturlandschaft denkmalpflegerisch umgehen könnte.
Fakt ist nach Darstellung von Hubel schon heute die einzigartige Qualität und Dichte der Bamberger Klosterlandschaft, ein Geschenk glücklicher Umstände. Denn durch den Übergang der Abtei nach der Säkularisation zum unveräußerlichen Grundstock einer städtischen Stiftung wurde Schlimmeres verhindert: Wo andernorts gesichtslose Vorstadtsiedlungen die alten Strukturen untergehen ließen, fiel das einstige Klosterareal in Bamberg in eine Art Dornröschenschlaf. Nur an den Rändern gab es nennenswerte Verluste, so dass sich heute noch Wirtschaftsformen und Lebensart des 1015 gegründeten Benediktinerklosters hautnah nachvollziehen lassen. Von den Steinen für die Gebäude bis zum Bau- und Brennholz und dem Wein, der einmal die wichtigste Einnahmequelle des Klosters war, um nur drei Beispiele zu nennen, konnten die Mönche auf ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche fast alles erzeugen, was sie zum Leben brauchten.
Weinberg ist ein Teil
Mit dem Welterbepark Michael soll die alte Klosterlandschaft erhalten und dort, wo ihre Strukturen verwischt wurde, neu in Wert gesetzt werden.
Das umfasst Projekte wie die Anlage eines neuen Weinbergs am Südhang des Michelsbergs, aber auch die Pflege der Streuobstwiesen im Osten und Nordosten des Klosters, die ohne Nutzung in kurzer Zeit brach zu fallen drohen. Durch die Ausweisung eines Welterbeparks soll dieses einzigartige Stück Kulturlandschaft ins Bewusstsein der Franken gerückt und auch für Besucher erschlossen werden. Hubel: „Hier könnte eines der attraktivsten Naherholungsgebiete für die Bamberger Bürger entstehen, aber auch ein Magnet für Touristen aus aller Welt, die neben dem Weltkulturerbe auch den Welterbepark Michael kennenlernen müssen.“
Neue Grenzen des Welterbes
Auch in der Bamberger Stadtverwaltung wird man die nächsten Jahre nutzen, über eine neue Grenzziehung des Welterbes bzw.der es umgebenden so genannten Pufferzonen nachzudenken, wie die Leiterin des Welterbezentrums Karin Dengler-Schreiber sagt. Die Kunsthistorikerin verspricht sich durch die Schaffung eines Welterbeparks eine zusätzliche Aufwertung für Bamberg. Nicht zuletzt sei eine solche Institution auch im Sinne der Unesco. Die strikte Trennung von Baudenkmälern und die sie umgebende Kulturlandschaft sei in vielen Fällen nicht sinnvoll.
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