Stadt will mit "Schrotträdern" aufräumen

15.03.2010   Von: Michael Wehner  inFranken.de

Fahrradverkehr  Bamberg beschreitet beim Thema Fahrradverkehr einen doppelten Weg. Einerseits soll die Zahl der öffentlichen Fahrradbügel deutlich vermehrt werden. Andererseits soll in den Fahrrad-Verhauen am Grünen Markt und am Pfahlplätzchen aufgeräumt werden. Besonders die so genannten Schrottfahrräder sind der Stadt ein Dorn im Auge.


Ein hoher Anteil von so genannten Schrottfahrrädern belegen laut Stadtverwaltung die Fahrradständer an den Abstellplätzen am Grünen Markt und am Pfahlplätzchen. Hier sollen künftig die Parküberwacher ein Auge auf ungenutztes Alteisen haben.
Viele klagen über einen Fahrradverhau am Grünen Markt und am Pfahlplätzchen. Doch in der Bamberger Innenstadt ist die Zahl öffentlicher Fahrradabstellanlagen nach wie vor überschaubar. Ca. 460 Fahrradbügel gibt es nach einer Auflistung des Baureferats im öffentlichen Straßenraum. Sie bieten Platz für 920 Fahrräder – kein Vergleich zum Platz, den die Stadt für Autofahrer zur Verfügung stellt. .

Und die Stadt will mehr. Bambergs Fahrradfreudlichkeit soll man in Zukunft auch daran erkennen, dass deutlich mehr "Fahrrad-Bügel" an mehr Stellen als bisher dazu einladen, das Fahrrad sicher abzustellen. Doch will man die Fehler aus der Vergangenheit in Zukunft vermeiden, und "kleinere Abstell-Einheiten in der Stadt" gruppieren, statt Fahrräder an einzelnen Punkten verdichtet zu konzentrieren. "Standorte mit einer großen Anzahl von Fahrradbügeln haben sich nicht bewährt, sie werden zu unübersichtlich und führen zu einem ungeordnetem Abstellen", erläuterte Harald Lang, Leiter des Stadtplanungsamts, in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungssenats, die Ziele der Stadt.

Ein altbekanntes Problem. Häufig sind die Ständer völlig zu geparkt und die einzelnen Räder nicht gerade eine Zierde ihrer Gattung. Einstimmig gebilligt wurde deshalb der Vorschlag der Verwaltung, dass künftig Mitarbeiter des Parküberwachungsdienstes ein Auge auf so genannte Schrottfahrräder haben sollen. Laut Verwaltung sind vor allem am Pfahlplätzchen und am Grünen Markt hohe Anteile von Schrottfahrrädern und Langzeitparker zu finden. Sie dürfen allerdings nur dann aus dem Stadtbild entfernt werden, wenn der Eigentümer erkennbar seinen Besitzanspruch aufgibt, in dem er sie etwas nicht mehr sichert und auch auf den Aufkleber "Abholung erfolgt durch Stadt Bamberg" ignoriert. "Nicht jedes Fahrrad, das einen vergammelten Eindruck macht", ist deshalb ein Schrottfahrrad", stellt Ralf Haupt, Leiter des Ordnungsamtes, fest. Viele gebrauchsfertige Fahrräder litten unter ästhetischen Mängeln, würden aber dennoch von ihren Eigentümern genutzt. Falls es sich tatsächlich um ein unversperrtes Schrottfahrzeug handelt, wird die Entfernung entweder über den Entsorgungs- und Baubetrieb in die Wege geleitet. Oder ein Mitarbeiter nimmt das Fahrrad selbst mit und bringt es zunächst einmal zur Fundfahrradhalle. Die Hoffnung der Stadt ist nun die, dass die durch die ständig auf Streife befindlichen Mitarbeiter des Parküberwachungsdienstes mehr Schrotträder als bisher entdeckt und beseitigt werden. Dies kann im übrigen auch dadurch geschehen, dass ein Schloss aufgebrochen wird. "Spätestens vier Wochen nach Anbringung des Aufklebers erfolgt dann die Entsorgung unter zwangsweiser Öffnung des Verschlussmechanismus", heißt es im Amtschargon der Stadt. Doch mindestens so wichtig wie die Schrottfahrräder aus dem Stadtbild zu verbannen, ist es der Verwaltung, das Netz von Abstellfächen dichter zu weben. Ein erstes Beispiel, wie das funktionieren könnte, ist in der Hauptwachstraße zu sehen. Dort wurde ein großer Abstellplatz an der Einmündung der Kleberstraße zu Gunsten dreier kleinerer Bügelflächen am Vorderen Graben und am Heinrichsdamm verkleinert. Große Fahrradparkplätze mit 22 oder 20 Fahrradbügeln wie am Grünen Markt oder am Pfahlplätzchen soll es nach diesem Konzept in Zukunft nicht mehr geben.

"Attraktive Abstellanlagen tragen zu einem geordnetem Stadtbild und zur Ordnung innerhalb des öffentlichen Raumes bei. Ein fehlendes Angebot an Abstellanlagen führt zu ungeordnetem Abstellen von Rädern an ungeplanten Standorten, zum Beispiel im Bereich von Haltestellen und vor Schaufenstern", lauten die Erkenntnisse der Stadt in einem neuen Fahrrad-Park-Konzept, das auf Wunsch der GAL vorgestellt wurde.

Wie diesem "Fahrplan" zu entnehmen ist, sollen in den nächsten Jahren in der Innenstadt 681 neue Fahrradabstellplätze entstehen. Der Löwenanteil entfällt dabei auf die beiden überdachten Fahrradparkhäuser auf der Rückseite des Bahnhofs und am Bahnhofsvorplatz mit 564 Stellplätzen. In der Kernstadt kommen 28 Bügel dazu, acht davon in der Tränkgasse. Jeweils acht Bügel sollen am Weegmannufer in Höhe des FLG sowie am Adenauerufer dazukommen, weitere 16 am Wilhelmsplatz, zehn am neuen Tourismus- und Kongressservice.

Mit ihren Plänen kommt die Stadt den Forderungen vieler Radfahrer nach, die ihr Fahrrad nur an einer sicheren Anlage anschließen möchten. Auch beim ADFC rennt sie offene Türen ein. Der Club spricht sich seit langem für eine Vermehrung dezentraler Anlagen in Bamberg aus. "Wenn die Stadt Wert auf ein fahrradfreundliches Klima legt, muss sie einfach mehr Abstellanlagen schaffen", sagt Vorstandsmitglied Michael Schilling. Man müsse sehen, dass ein Fahrrad viel weniger Platz benötige als ein Auto.

Dennoch sind Fahrradabstellanlagen nicht beliebig vermehrbar, weil sie den Raum von Fußgängern einschränken oder auch den Rettungswegen im Wege stehen würden. Die Formulierung im städtischen Konzept, dass "als Lösung häufig nur die Umnutzung von Pkw-Plätzen bleibe", blieb im Stadtrat aber nicht unwidersprochen. Stadtrat Klaus Stieringer kritisierte die Umwandlung von Pkw- zu Fahrradabstellflächen als den falschen Weg.

HIER sehen Sie eine Karte mit den Radabstellanlagen.


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