700.000 Euro Schulden, keine Perspektive

26.06.2010   Von: Harald Rieger  inFranken.de

1. FC Eintracht Bamberg Die Auflösung des Vereins ist unausweichlich: Ein Insolvenzplanverfahren kann beim 1. FC Eintracht Bamberg mangels Geldmasse nicht eingeleitet werden.


Im August letzten Jahres freuten sich die Fans des 1 FC Eintracht noch auf die Regionalliga und jubelten der Mannschaft zu. Jetzt steht der Verein endgültig vor dem Aus. Foto: Harald Rieger

Viele Fragen und fast keine Antworten. So könnte man die außergewöhnliche Mitgliederversammlung des 1. FC Eintracht im FC-Clubheim zusammenfassen. Denn es konnte nicht geklärt werden, wie es mit dem Verein und vor allem mit dem Spielbetrieb weitergeht, wie es zu der Anhäufung des großen Schuldenbergs kam und ob jemand für die Misswirtschaft zur Verantwortung gezogen werden kann.

Fest stand lediglich: Der Verein verfügt über keinerlei liquide Geldmittel und er daher über kurz oder lang nicht weiter existieren kann.

Auch kann kein Insolvenzplanverfahren eingeleitet werden, da nicht einmal mehr 10.000 Euro für die Einleitung eines solchen Verfahrens zur Verfügung stehen. Dies berichtete der vorläufige Insolvenzverwalter Volker Böhm.

"Meine Aufgabe in den letzten Tagen bestand darin, zu überprüfen, ob Gründe für eine Insolvenz vorliegen, mögliche Geldquellen ausfindig zu machen und zu schauen, wie der Verein fortgeführt werden könne”, schilderte Böhm von der Rechtsanwaltsgesellschaft für Insolvenzverwaltung mbH Schultze & Braun.

Sein Gutachten habe eindeutig ergeben, dass beim 1. FC Eintracht Bamberg eine Insolvenz vorliege, da der Verein zahlungsunfähig und völlig überschuldet sei.

Den Schuldenstand bezifferte Volker Böhm auf 700.000 Euro. Allerdings seien in dieser Summe bereits die 200.000 Euro mit eingerechnet, die der Verein noch an die Stadt Bamberg für die Flutlichtanlage zu zahlen hat. "Zwar hat der Verein noch einige Außenstände wie beispielsweise an den DFB oder an die Stadt Bamberg (für Übungsleiterpauschalen). Alle haben jedoch auch Gegenforderungen, so dass letztendlich nichts mehr in den Kassen des Vereines ist”, bilanzierte der vorläufige Insolvenzverwalter.
Um den Verein zu retten beziehungsweise fortführen zu können habe Böhm in den letzten Tagen verschiedene Szenarien durchgespielt.

Die erste wäre eine Fortführung des Vereins ohne die Fußballabteilung. Dazu benötige man pro Jahr rund 30.000 bis 40.000 Euro. Dies sei aber weder gewollt, noch durchführbar, da dafür keinerlei Sponsoren zu finden seien.

Eine weitere Möglichkeit wäre der Verbleib der Fußballmannschaft im Verein, allerdings spiele die erste Mannschaft nur in der Landesliga. Hierfür müssten ungefähr 125.000 Euro im Jahr aufgebracht werden.

"Für die Wunschvorstellung, dass die erste Mannschaft in der Bayernliga spiele, habe der Verein einen Fehlbetrag von rund 250.000 Euro”, sagte Volker Böhm.

Um den 1. FC Eintracht zu erhalten und die Mannschaft in der Bayernliga spielen lassen zu können, hätte es einen Sponsor gebraucht, der sofort Geld auf den Tisch gelegt hätte. Dieser war aber nicht zu finden gewesen. "Vor allem mussten wir stets gegen die Zeit kämpfen, da das Insolvenzverfahren so spät eingeleitet wurde und wir bis zum 30.06 eine Entscheidung brauchten, um einen Zwangsabstieg in der Bayernliga zu vermeiden”, erläuterte der vorläufige Insolvenzverwalter.

Da aber keinerlei finanzielle Masse vorhanden ist, wurde das Insolvenzverfahren beim Insolvenzgericht abgelehnt. Damit sei eine Fortführung und mögliche Sanierung des Vereins im sogenannten Insolvenzplanverfahren nicht möglich. "Auch ist damit meine Arbeit beendet. Die Befugnisse über den Verein gehen an die Vorstände zurück”, erläuterte Volker Böhm und verließ die Mitgliederversammlung.

Zur Versammlung waren auch, was viel Unmut bei den Mitgliedern hervorrief, keine der ehemaligen Verantwortlichen erschienen.

Lediglich der sich noch im Amt befindliche Schatzmeister Wolfgang Böhmelt stellte sich der Versammlung. Der vor drei Wochen zurückgetretene Vorsitzende und Geldgeber Holger Eckert teilte unserer Zeitung gestern mit, berufliche Gründe unaufschiebbarer Art hätten sein Erscheinen verhindert. Böhm gab einen Rechenschaftsbericht ab, in welchem er nicht mit Kritik an seinen ehemaligen Vorstandskollegen Eckert sparte.

"Mir einen Überblick über die finanzielle Lage des Vereins zu verschaffen ist nicht leicht gewesen, da keine Übergabe der Kasse stattfand”, klagte er.

Ihm sei allerdings sehr schnell klar geworden, dass der Verein eigentlich hätte keine großen Sprünge machen können.
Aber auch sonst sei es innerhalb des Vorstandes drunter und drüber gegangen. Holger Eckert habe eigenmächtig ohne Abstimmung mit dem Vorstand Verträge wie die zur Flutlichtanlage oder zur Einstellung eines Managers getätigt. Ferner sei Eckert kaum noch erreichbar gewesen, und wenn dann nur per Mail. Und der neue Manager Jan Vetter, den Böhmelt als "Zeitungsverkäufer aus Aalen" titulierte, hätte dann alles an sich gerissen. Er selbst sei zu diesem Zeitpunkt bereits entmachtet gewesen. "Ich hatte keinerlei Schlüssel mehr und bin an nichts mehr herangekommen. Dafür nahm Vetter nun alles in die Hand”, wetterte der Schatzmeister. Der hätte rhetorisch gewandt zwar alles besser gewusst, doch erreicht habe er nichts. So sei es ihm weder geglückt, eine zufriedenstellende PR-Arbeit zu machen, noch Sponsoren aufzutreiben.

"Von 250 Sponsoren hat er keinen einzigen an Land ziehen können. Wahrscheinlich noch nicht einmal mit einem persönlichen gesprochen. Und auch seine Retter-Aktion ist völlig im Sand verlaufen”, klagte Böhmelt.

Er selbst bedauere nur, dass er dem Verein habe nicht besser helfen können.
Mehr dazu lesen in der Montagsausgabe des Fränkischen Tags



Drucken Artikel Versenden Abo bestellen
Stichworte zum Thema Sport | Verein | schulden | Bamberg | Insolvenz
 

Weitere Artikel zum Thema suchen



Alternative Suche im Zeitungsarchiv
Hinweis: für Epaper-Abonnenten kostenlos


Kommentare

Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Kommentieren


Titel:
Text:
 
(noch Zeichen)

Unregistrierte Nutzer
 
 

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:  *
gewünschtes Passwort:  *
Wiederholung Passwort:  *
E-Mail:  *
Kundennummer:
Anrede:
Frau Herr  
Vorname:
Nachname:
Zusatz (z.B. Firma):
Straße/Hausnr.:
PLZ/Ort:  *
Ich bin mit den AGB einverstanden.:  *


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wieviel ist 10 - 3: 




Nachrichten aus Ihrer Umgebung
Bad Kissingen Schweinfurt Kitzingen Haßberge Bamberg Erlangen-Höchstadt Forchheim Bayreuth Kulmbach Lichtenfels Coburg Kronach
Aktuelle Angebote

Veranstaltungen inFranken.de

Haben Sie heute schon etwas vor?
Finden Sie aus 2791 Events, Partys und Konzerten Ihre Veranstaltung:
E-Paper + Zeitungsarchiv
Die Zeitungsausgaben der letzten zwei Wochen stehen Ihnen mit dem Online-Abo jederzeit, weltweit online zur Verfügung.
Zum E-Paper

Sie suchen einen älteren Zeitungsartikel?
Zum Zeitungsarchiv