Schwimmend zum Konzert in Bamberg

22.06.2009   Ort: Importartikel  Von: Petra Mayer  inFranken.de

Umweltschutz Schwimmend setzt sich der in Kiel lebende Liedermacher Heinz Ratz für "frei fließende Flüsse" ein. Am 23. Juni krault er von Neuses nach Bamberg fast 20 Kilometer weit, um ab 20 Uhr ein Konzert in den Haas-Sälen zu geben.


Heinz Ratz in Aktion. Jetzt wird er in Bamberg erwartet. Foto: Linn Marx
Taucht der schwimmende Liedermacher aus dem Wasser auf, schlagen die Wellen hoch. Während die mahnenden Worte anderer Umweltschützer in der Informationsflut der krisengeschüttelten Republik untergehen, sorgt Heinz Ratz für Aufsehen: „Für frei fließende Flüsse“ steigt er nun am 23. Juni gegen 11 Uhr bei Neuses in die Regnitz, um gegen 17 Uhr im Hainbad anzulanden und drei Stunden später in den Haas-Sälen auf der Bühne zu stehen. Wir sprachen den 40-jährigen Wahl-Kieler vor seiner Bamberger Aktion zur „Lee(h)re der Flüsse“.

Seit Mai prangern Sie in diversen Städten schwimmend und singend den Verlust natürlicher Wasserläufe an, die Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten sind. Was bringt Sie aus Kiel ausgerechnet nach Bamberg?
Heinz Ratz: Nun, ich suche mir Städte, die thematisch relevant sind. Dazu gehört Bamberg angesichts des Main-Donau-Kanals und der Regnitz als einem der verbauten Flüsse des Landes. Ich habe die Stadt aber auch gewählt, nachdem ich ihr historisches Zentrum als besonders reizvoll kennen lernte.

Bamberg als Märchenstadt

Haben Sie in Bamberg Urlaub gemacht? Oder was sonst führte Sie in die Domstadt? Ich lernte Bamberg mit zwölf Jahren kennen, für mich damals eine wahre Märchenstadt. Wir haben zwei Jahre in Kronach gelebt – und Bamberg beflügelte meine Fantasie.

Was erhoffen Sie sich als Umweltschützer für Bamberg?
Ich erhoffe mir wie in anderen Städten mehr Aufmerksamkeit für das Schicksal heimischer Flüsse. Es gilt, schon junge Leute für regionale Umweltproblematiken zu sensibilisieren. Es gilt, auf die Bedeutung von Renaturierungsprojekten und Möglichkeiten zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt einzugehen. Ganz konkret auch auf die Frage, wie jeder Einzelne vor Ort einen Beitrag leisten kann.

In Bamberg tauchen junge Leute über den „Fluss-Erlebnis-Pfad“ und die Ausstellung „Lebensader Regnitz“ in die Thematik ein. Auch der Verein „Flussparadies Franken“, der sich gründete, um das Main- und Regnitztal für umweltfreundlichen Tourismus zu erschließen, könnte vieles bewirken. 
Ich denke, dass alles eine Chance hat, wenn man es nicht halbherzig sondern engagiert verfolgt. Das gilt auch für den umweltverträglichen Tourismus an Main und Regnitz, den ich mir hier selbstverständlich gut vorstellen kann.

Für Obdachlose

Für „frei fließende Flüsse“ ins Wasser zu steigen, ist nicht Ihre erste spektakuläre Aktion. Zuvor setzten Sie sich schon für Obdachlose ein.
Ja, ich möchte mit meinem „moralischen Triathlon“ Probleme anpacken, die gerade nicht „in“ und in den Medien besonders präsent sind. Probleme, an die man sich im Lauf der Jahre gewöhnt hat – wie eben auch die Umweltzerstörung. Wie viele Schmetterlinge sind einem früher an Flüssen begegnet, auf die man heute verzichten muss! Und wie selbstverständlich war es früher, in Flüssen zu schwimmen, was heute nurmehr in wenigen Wasserläufen möglich ist!

Natürlich erregen Sie als schwimmender Barde Aufmerksamkeit. Nicht anders als über den „Marsch gegen die Kälte“, mit dem Sie 2008 Spenden für Obdachlose sammelten und zu Fuß von Dortmund nach München liefen. Aber was bleibt nach dem Medienrummel?
Aus der Obdachlosenaktion entwickelte sich einiges. Ich denke neben den vielen Spenden an Projekte in Bonn und Kiel, die angestoßen wurden. Zwei Zivis kämpften in ihrer Stadt dafür, dass Obdachlose fortan in der Bahnhofsmission ärztlich betreut werden. Das gehörte zu den schönsten Erlebnissen.

Bleibt zu hoffen, dass die 1000 Kilometer, die Sie schwimmend in Rhein, Elbe und anderen Wasserläufen zurück legen, ebenso viel in Bewegung bringen. Nach Ihrem Start am 20. Mai in Lindau führt Sie die Tournee, die Mitte August in Kiel endet, ja durch 52 Städte.
Ich hoffe tatsächlich, Dinge in Bewegung zu bringen. Ich möchte starre Strukturen aufbrechen, indem ich Probleme auf ungewohnte Art und Weise thematisiere. Ich mache Menschen ein Angebot, das nachdenklich stimmt, und zeige, wie jeder Einzelne etwas voranbringen kann.


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