Ohne schnelles Geld droht Hallenschließung
13.08.2010
Von: Michael Wehner ![]()
Jako-Arena Der Verwalter der insolventen Jako-Arena, Siegfried Beck, beurteilt die finanzielle Lage der 7000 Plätze zählenden Veranstaltungshalle in Bamberg als ernst, aber nicht hoffnungslos. Zwar fehlt akut das Geld für den laufenden Unterhalt, doch die Betriebsprüfung habe ergeben, dass sich die Halle mit einer schwarzen Null betreiben lässt.

Selten waren so viele Menschen in der Jako-Arena wie beim deutschen Landfrauentag Ende Juni 2007. Damals war von der finanziellen Schieflage noch wenig zu spüren. Foto: Archivbild RInklef
Doch der Eindruck täuscht. Hinter den Kulissen der drittgrößten bayerischen Veranstaltungshalle läuft ein erbarmungsloser Wettlauf gegen die Zeit. Schon in den nächsten Tagen braucht der vorläufige Insolvenzverwalter Siegfried Beck frisches Geld, um die laufenden Kosten für Strom, Gas, Wasser und die Reinigung der Halle bezahlen zu können - keine sechsstellige Summe, aber auch keine Kleinigkeit.
Der Rechtsanwalt aus Nürnberg hat die letzten Tage sämtliche Bilanzen überprüft. Das Ergebnis ist auch eine gute Nachricht: "Unsere Berechnungen haben gezeigt, dass die Halle operativ mit einer schwarzen Null geführt werden kann. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung, dass alle Vertragspartner ihre Verpflichtungen erfüllen und kein Geld für Zins und Tilgung der gewährten Darlehen sowie für bauliche Maßnahmen fließt."
Die Einschätzung des Insolvenzverwalters bestätigt, was der Noch-Eigentümer Peter Klappan und auch Wolfgang Heyder, Manager der Basketball-Gesellschaft Franken 1st, stets behauptet hatten: Die Arena ist zwar kein Instrument, um Gewinne zu erzielen, aber auch kein Fass ohne Boden: "Ein neuer Betreiber wird kein finanzielles Abenteuer eingehen", formuliert Beck auch mit Blick auf mögliche zusätzliche Einnahmen. So sind zurzeit einige der Logen nicht vermietet und auch die Pachteinnahmen der insolventen Playoff-Gaststätte könnten eine zukünftige Bilanz noch aufhellen.
Der Insolvenzverwalter verfolgt eine doppelte Strategie: Er strebt eine langfristige Lösung durch einen neuen Eigentümer an, der die Halle mit ihren Veranstaltungen, aber auch den Basketball in Bamberg am Leben hält. Doch bereits für die nächsten Tage muss es zu einer Zwischenlösung kommen, die den unmittelbaren Betrieb der Halle sichert. Ohne zusätzliche Mittel "droht eine schnelle Schließung der Arena".
Was das zur Folge hätte, mag sich Beck gar nicht ausmalen: "Sämtliche Vertragspartner wären höchst verunsichert. Die Wiedereröffnung in wenigen Wochen wäre wahnsinnig schwer. Es käme zu einem Erosionsprozess, der kaum noch zu beherrschen wäre. "
Doch Beck ist zuversichtlich, dass dieses Schreckensszenario für die Region nicht eintritt: "Wir haben es hier mit rationalen Menschen zu tun. Deshalb bin ich überzeugt, dass am Ende die betriebswirtschaftliche Vernunft siegen wird." Was Beck optimistisch nach vorne blicken lässt, ist, so erstaunlich dies klingt, die Ausweglosigkeit der wichtigsten Beteiligten. Weder die Sparkasse Bamberg als Hauptgläubigerin, noch die Stadtbau GmbH, die eine Bürgschaft von 2,5 Millionen Euro zugesichert hat, haben eine Wahl. Sie können es sich nach wirtschaftlichen Maßstäben nicht leisten, dass die Arena geschlossen wird. Würde das passieren, hätten die beiden Unternehmen selbst den größten Schaden. Denn der Wert der Immobilie würde bis auf einen Rest schrumpfen.
Noch am Donnerstag hatte Basketballmanager Heyder vor Medienvertretern dargelegt, dass von der Jako-Arena 25 direkte und 60 indirekte Arbeitsplätze in der Region abhingen. Insgesamt würden Struktureffekte durch Beschäftigung, Gastronomie und Hotellerie in Höhe von 8,6 Millionen Euro erzielt. Diese Leistungen stehen laut Heyder im Gegensatz zur öffentlichen Unterstützung. "Wir finanzieren unser Budget ohne Subventionen. Vergleicht man dies mit den öffentlichen Ausgaben etwa für das Theater, die Symphoniker oder das Hallenbad sieht man: Hier wird mit zweierlei Maß gemessen." Präsident tritt zurück
Bestätigt haben sich am Freitagabend auch Gerüchte über einen Rücktritt des seit vier Jahren als Präsident der Brose Baskets amtierenden Alt-OB Herbert Lauer. Er nimmt aus Verärgerung über die Forderungen der Basketballer seinen Hut und hofft damit einem Interessenkonflikt zwischen seinem Mandat als Stadtrat zu entgehen. Auch nach diesem Schritt will Lauer für eine Übernahme der Halle durch städtische Töchtergesellschaften eintreten. Dabei gehe es nicht nur um den Basketball, sondern um die Halle als Infrastruktureinrichtung. Mehr über die Insolvenz der Halle und den Rücktritt des Brose-Baskets-Präsidenten Herbert Lauer aus Verärgerung lesen Sie im Fränkischen Tag.
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