Misereor-Fastenaktion: Kindern Chance geben

06.02.2012   Ort: Bamberg  Von: Marion Krüger-Hundrup  Fränkischer Tag

Fastenzeit Eine- Welt-Beauftragte aus Pfarreien und Verbänden informierten sich im Bistumshaus St. Otto über die Misereor-Fastenaktion 2012. Das katholische Hilfswerk hat sich die Zukunft der Kinder in den ärmsten Ländern auf die Fahnen geschrieben.


Schwester Jutta Müller aus dem Bamberger Montanahaus am Friedrichsbrunnen möchte in der Fastenzeit für ein Misereor-Projekt aktiv werden. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Schwester Jutta Müller ist aufgewühlt. Der soeben gezeigte Film über Kinder, die auf Kalkuttas Müllbergen für ein paar Rupien noch Verwertbares sammeln, hat in der früheren Provinzoberin der Dillinger Franziskanerinnen böse Erinnerungen geweckt: "Das habe ich mit eigenen Augen in Brasilien gesehen, wie Kinder auf Müllhalden mit Tieren teilen", schluckt die Ordensfrau. Die 81-Jährige hält es für ihre Pflicht, ihre Kräfte dafür einzusetzen, dass "Kindern eine Chance gegeben wird". So ist für Schwester Jutta diese Informationsveranstaltung ein "wichtiger Motivationsschub" und ein "Akt der Solidarität".

Mit der Franziskanerin reden sich rund 40 weitere Eine-Welt-Beauftragte aus Pfarreien und Verbänden im Erzbistum Bamberg nicht ein, dass sich genug andere Menschen die Hände für die Ärmsten dieser Welt schmutzig machen können. Die engagierten Männer und Frauen sind auf Einladung des Ordinariat-Referates Weltkirche und des Diözesansachausschusses Eine Welt ins Bistumshaus St. Otto gekommen. "Menschenwürdig leben. Kindern Zukunft geben!" lautet das Motto der Misereor-Fastenaktion 2012. Doch nicht nur in diesem Jahr hat sich das Bischöfliche Hilfswerk Misereor die Zukunft der Kinder auf die Fahnen geschrieben. An verschiedenen Projektbeispielen macht der Münchner Misereor-Bildungsreferent Raphael Thalhammer deutlich, wie gezielte Maßnahmen Kindern und Jugendlichen menschenwürdige Zukunftsperspektiven aufzeigen können.

Ohne sauberes Trinkwasser


Thalhammer berichtet von Kindern in den städtischen Armenvierteln afrikanischer, asiatischer und lateinamerikanischer Länder. Von etwa 400 Millionen Kindern unter 15 Jahren, die statt zur Schule zu gehen für ihr Überleben arbeiten - ohne feste Mahlzeiten, ohne sauberes Trinkwasser, ohne Gesundheitsfürsorge, aber Gewalt und sexueller Ausbeutung ausgesetzt. Etliche Kinder schließen sich auf der Straße einer Bande an, die zum Familienersatz wird. Diese verlorene Generation hat beispielsweise der Misereor-Projektpartner Grupo Velba in Guatemala-Stadt im Blick. Mit einigen ausgedienten Bussen und Trucks - genannt "Burrita de la Paz" - "Friedenseselchen" - ziehen Krankenschwestern, eine Ärztin, Psychologen und Sozialarbeiter von Viertel zu Viertel. Das Team erreicht Kinder und Jugendliche, überzeugt sie vom Schulbesuch oder einer Berufsausbildung in einem der Zentren von Grupo Velba.

Die Eine-Welt-Beauftragten sind sich einig, dass Bildung ein Schlüssel zur Entwicklung ist.

Nur mit guter Bildung könnten Arme bestärkt werden, selbst aktiv zu werden und für ihre Rechte einzustehen, ergänzt Misereor-Referent Thalhammer. Dass auch hierzulande Menschen Partei ergreifen können für Kinder ohne Bildungschancen, zeigten Diözesanlandvolkseelsorger und Dankenfelds Pfarrer Ewald Thoma und Cäcilia Karger auf.

Pfarrer Thoma hatte 1999 nach einer Reise in die senegalesische Diözese Thiès Schulgeldpatenschaften ins Leben gerufen. "Eine Erfolgsgeschichte", freut sich Cäcilia Karger, die inzwischen 755 Schulgeldpatenschaften an 14 katholischen Schulen der Bamberger Partnerdiözese Thiès ehrenamtlich betreut. "Hunderten von Schülern ist in den vergangenen Schuljahren durch eine Patenschaft der Schulbesuch mit einem guten Abschluss ermöglicht worden", erzählt sie. Schulen konnten durch die Patenschaften erhalten bleiben, die ansonsten hätten geschlossen werden müssen.

Schwester Jutta Müller hört aufmerksam zu. Ihr Orden unterhält in Nordostbrasilien selbst Schulen. Sie macht eifrig Notizen, und sie plant für die Fastenzeit. Die Franziskanerin will eine "Solibrot"-Aktion starten, die einem Misereorprojekt zugute kommen soll. Schließlich ist diese Aktion eine original Bamberger Idee, die inzwischen sogar bundesweit läuft. Brot wird gebacken und mit dem Papperl "Solibrot" verkauft. Auch zwei Bamberger Bäckereien sind in die Aktion eingestiegen und bieten solche Brote in der Fastenzeit an.

"Wie gehen wir jetzt mit der Veranstaltung um? Fahren wir jetzt alle nach Hause und trinken unseren Kaffee?", fragt Alois Berner aus Saugendorf bei Waischenfeld eher rhetorisch. Seine Eine-Welt-Kollegen verneinen vehement. Sie lassen sich mithilfe der Anregungen von Misereor-Referent Thalhammer etwas einfallen, um in ihren Pfarreien und Verbänden eine nachhaltige Fastenaktion 2012 ins Leben zu rufen.


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