Michelsberg: Leerstand dauert nun ein Jahr

13.10.2009   Ort: Importartikel  Von: Michael Wehner  inFranken.de

Weltkulturerbe Es ist eine der schönsten Anlagen Frankens: das tausendjährige Kloster Michelsberg im Herzen der Weltkulturerbestadt Bamberg. Dennoch tappt die Stadt bei der Zukunftsfrage im Dunkeln. Seit der Auflösung von 45 Altenwohnungen stehen große Teile leer.


Ein Bamberger Wahrzeichen sieht einer ungewissen Zukunft entgegen: das Kloster St. Michael mit dem Galeriebau (rechts). Foto: Matthias Hoch
Es war Ende 2006, als die Bürgerspitalstiftung, Eigentümerin des Klosters St. Michael, ungewollt in die Schlagzeilen geriet. Damals war von einem möglichen Verkauf der Klosteranlage die Rede. Auf einer eigens dazu entwickelten Internet-Seite der Stadt wurde der tausendjährige Gebäudekomplex bei Investoren als Traumimmobilie angepriesen. Nach einem öffentlichen Proteststurm verschwanden die Verkaufspläne schnell wieder in der Schublade. Heute spricht man lediglich von einer Marktsondierung, die damals beabsichtigt worden sei.

Unabhängig , wie man die damaligen Pläne nun bezeichnet, stellt sich am Michelsberg die Zukunftsfrage heute brennender denn je. Weil die Sozialstiftung die letzten Altenwohnungen vor etwa einem Jahr aufgelöst hat, stehen derzeit weite Teile des so genannten Galeriebaus leer.

Mit diesem Zustand ist auch die Bürgerspitalstiftung nicht glücklich, weil leere Gebäude natürlich auf Dauer keine Lösung sind, selbst wenn die Sozialstiftung derzeit noch eine Miete zahlt.

„Die Wohnungen für Senioren waren nicht mehr zu vermieten, deshalb haben wir das Gebäude freigelenkt“, formuliert Xaver Frauenknecht, Vorstand der Sozialstiftung. Eine Zukunft der Altenpflege schließt er im Galeriebau aus. Die Investitionen , die nötig seien, um aus dem Gebäude mit 60er-Jahre-Standard ein modernes Pflegeheim zu machen, seien in der Altenpflege nicht zu erwirtschaften. „Wenn es eine neue Nutzung gäbe, würden wir uns freuen“, sagt Frauenknecht. Der Grund: Die Miete, ein sechsstelliger Betrag, trägt wesentlich zum Defizit der Altenheime bei.

Doch woher nehmen, wenn kein Nutzer in Sicht ist? „Wir befinden uns derzeit nicht in konkreten Verhandlungen mit Interessenten“, bestätigt Werner Kühhorn, Stiftungsmanager der Stadt. Auch die Gespräche mit der Universität beziehen sich nach seinen Aussagen allenfalls auf kurzfristige Nutzungen.

Ob hochwertiges Hotel, Bildungseinrichtung oder Tagungsgebäude – die Bürgerspitalstiftung will sich bei ihren Überlegungen keine Denkverbote auferlegen, räumt allerdings Hürden ein, die eine Lösung der Zukunftsfrage bisher behindert haben. Wegen der schon jetzt problematischen Verkehrsverhältnisse müsse eine neue Nutzung beispielsweise möglichst wenig zusätzlichen Verkehr ins Gebiet locken. Und auch die Denkmalpflege fordert im ehemaligen Kloster Michelsberg zwingend ihren Tribut: „Wer hier sanieren will, muss einiges Geld in die Hand nehmen“, sagt Kühhorn.

Dass es sich dabei um Millionensummen handelt, liegt angesichts der Größenordnung des Anwesens auf der Hand. Schon für Unterhalt und Pflege der Klosteranlage gibt die Bürgerspitalstiftung jährlich ca. 500 000 Euro aus.


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