"Weltretten war gestern!"
25.05.2009
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Im Gespräch Als Autorin wagt sich Susanne Pavlovic ins Haifischbecken der boomenden Fantasy-Branche. Die Bambergerin stellt am 5. Juni ihren Roman "Spielmannslied" vor, in dem schöne Männer und starke Frauen gegen Genre-Klischees kämpfen.

Gegen den Strom schwimmt die Wahlbambergerin Susanne Pavlovic, die im "Studio 13" am 5. Juni eine Lesung gibt. Foto: pr
Ist es nun eine Flucht aus der Finanzkrisen-geschüttelten Realität? Oder fesseln uns Fantasy-Helden mit magischer Kraft, die die Gesetzmäßigkeiten des Hier und Jetzt wie ein lästiges Korsett abstreifen? Nicht erst seit „Harry Potter“ boomt das Genre, das auch Susanne Pavlovic zur Feder greifen ließ: „Das Spielmannslied“ heißt der Roman, der Leser durch verborgene Türen auf Zeitreisen schickt. Mit Dämonen, Elfen, Magiern und Zwergen bietet die Wahlbambergerin genau den Stoff, von dem auch Mysteryfans träumen. Wir baten sie zum Interview.
inFranken: Wie kommt eine Deutschlehrerin mit fünfjährigem Filius dazu, ihre knappe Freizeit mit dem Schreiben von Fantasylektüre zu verbringen?
Susanne Pavlovic: Wie ich zum Schreiben kam? Eigentlich kam das Schreiben zu mir. Mein Elternhaus hat mir eine gute akademische Ausbildung zuteil werden lassen. Seit ich denken kann, hatte ich auf diese Weise „virtuelle Freunde“ (war deshalb aber kein einsames Kind). Der erste war Wickie, gefolgt von Pippi, Jim Knopf, Zora, Frodo, später Harry, Kriemhild und Tristan – das Studium der Mittelalterlichen Literatur hat seine Spuren hinterlassen.
„Virtuelle Freunde“ als Motivation
inFranken: Solche „virtuellen Freunde“ hat jedes Kind, das Bücher verschlingt. Was aber brachte Sie dazu, die Fantasy-Welt mit eigenen Helden zu bevölkern?
Susanne Pavlovic: Irgendwann tauchten virtuelle Freunde auf, die nicht einem Buch, sondern meinem Kopf entsprangen. Sie setzten sich bei mir aufs Sofa und guckten mich erwartungsvoll an: „Und, wie sieht’s aus? Willst du nicht eine Geschichte über uns schreiben?“ Diese Freunde gehen nicht weg, ehe was geschehen ist. Oft nicht einmal dann. Ja, ich weiß: Stimmen zu hören, ist normalerweise kein gutes Zeichen.
inFranken: Sind diese Stimmen so inspirierend wie in Ihrem Fall, sehe ich keine Probleme. Sie haben Sie aber schon vor dem „Spielmannslied“ zum Schreiben getrieben. Denn der Roman lässt auf keine unerfahrene Autorin schließen.
Susanne Pavlovic: Nein, „Das Spielmannslied“ ist nicht mein erster Roman. Nur der erste, den ich über „Books on Demand“ herausgebracht habe. Manuskripte werden hier gespeichert, Bücher erst bei Bestellung produziert und ausgeliefert. Mein Fantasy-Abenteuer hat sich übers Internet auf diese Weise seit Februar knapp 200 Mal verkauft – und das ohne große Werbung.
inFranken: Als Geschichtenerzähler haben Sie mehr Glück als „Wolfram“: Ihr Spielmann gibt Kostproben seiner Kunst gegen Kostproben aus Küchen reicher Zeitgenossen, um nicht zu verhungern. Was faszinierte Sie an einem alternden Helden?
Susanne Pavlovic: Was mich bei „Wolfram“ fasziniert, ist die Tatsache, dass diese Figur konsequent und unbeirrt ihr Ding macht. „Wolfram“ ist unbequem und lässt sich nicht verbiegen. Er bleibt auch auf die Gefahr hin ein Freigeist, dass es wieder nur Sauerkrautsuppe zu essen gibt. Von dieser Sorte Mensch könnten wir mehr vertragen. Susanne Pavlovic: Weltretten war gestern! Man kann abseits ausgetretener Handlungspfade spannende Geschichten erzählen. Im „Spielmannslied“ sind Fantasy-Helden auch nur Menschen: Der Elfenprinz ist von zu Hause ausgebüchst und beginnt seine Reise im Sauerkrautfass. Die Kriegerin ist eine Küchenmagd wider Willen. Und der Spielmann selbst leidet unter Lampenfieber und hätte lieber was „Gescheites“ gelernt – Bäcker zum Beispiel. Bekommt man es unter diesen Voraussetzungen mit haarigen Dämonen, wüsten Gesellen und machtbesessenen Zauberern zu tun, hilft nur Improvisationstalent und eine große Portion Galgenhumor.
inFranken: Mit Galgenhumor schwimmen Sie gegen den Strom und bringen uns mit bodenständigen Fantasy-Gestalten, deren Bezug zum 21. Jahrhundert unverkennbar ist, zum Lachen: Vom Zwerg, der den Lebensmittelhandel revolutionieren will, bis hin zum Jungfrauen-geschädigten Drachen.
Susanne Pavlovic: Fans schätzen am „Spielmannslied“ (wie Amazon-Rezensionen und Gästebucheinträge verraten) tatsächlich die Darstellung der Charaktere als Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten, Stärken und Schwächen. Vom Zauberer bis zum verliebten Huhn trifft man keine Superhelden, sondern pfiffige Improvisationskünstler . . .
inFranken . . .Improvisationskünstler, in denen wir alle uns wiedererkennen. Warum fand sich kein großer Verlag für Ihr „Spielmannslied“-Projekt“?
Abseits ausgetretener Pfade
inFranken: Gerade, weil es so viele Fantasy-Romane gibt, ist indes die Gefahr groß, mit Pathos auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln.
Susanne Pavlovic: Ich denke, mein Roman lässt sich schwer in Schubladen stecken. Das ist sicher der Grund, warum sich große Verlage nicht für das Projekt erwärmen konnten, obwohl es das „Spielmannslied“ 2007 bis in die Endrunde des größten deutschen Fantasy-Literaturpreises geschafft hat – bevor dieser eingestampft wurde. Spezielles Spielmanns-Glück!
Gegen Klischees
inFranken: Vielleicht schmeckt es Verlegern auch nicht, dass Sie gegen Klischees angehen, die viele mit dem Fantasygenre verbinden.
Susanne Pavlovic: Ja, nach wie vor ist es üblich, dass hier starke Männer schwache (und dabei selbstverständlich schöne) Frauen retten. Eine junge Kriegerin, die keinen Faustkampf scheut, flucht und ins Lagerfeuer rotzt, passt nicht ins Bild. Umso wichtiger war es mir, mit „Krona“ eine Alternative zu schaffen: Eine Frau, die sich nimmt, was sie will (hübsche Jungs inbegriffen) statt geduldig auf den Traumprinzen zu warten.
inFranken: Wie geht es für Sie nun mit dem Schreiben weiter? Welche Projekte stehen in nächster Zeit an?
Susanne Pavlovic: Sobald ich 300 Bücher des „Spielmannsliedes“ verkauft habe, möchte ich Band II auf den Markt bringen, dessen Rohfassung steht. Parallel dazu arbeite ich an einem Jugendroman, der nichts mit Fantasy zu tun hat.
inFranken: Und wie haben Interessenten nun Gelegenheit, Ihren unbeugsamen „Spielmann“ kennen zu lernen?
Susanne Pavlovic: Bei Comix Art in der Bamberger Austraße steht „Das Spielmannslied“ schon im Regal, das auch über große Internet-Buchhändler zu beziehen ist. Darüber hinaus gebe ich am Freitag, 5. Juni, ab 19.30 Uhr eine Lesung im „Studio 13“. Mehr Infos findet man auch auf meiner Homepage unter der Adresse www.spielmannslied.de.
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