Kleine Kunstwerke, große Kontraste
29.01.2012
Ort: Bamberg Von: Christine Reichenberger ![]()
Kurzfilmtage Bei den 22. Bamberger Kurzfilmtagen gewann der Bamberger Beitrag "Date Me!" in der Kategorie Bester Regionalfilm. Es ist eine kleine Produktion um die Suche nach der großen Liebe, die in Bamberg spielt. Bei der Preisverleihung im "Odeon"-Kino beklatschte das Publikum aber auch andere Produktionen.

Da ist zum Beispiel Edeltraut, ihres Zeichens Hausschaf einer kleinen Bauernfamilie. Von Daniel Acht als Protagonistin des Kinderfilms "Edeltraut und Theodor" inszeniert, erzählt sie ihre Geschichte aus dem Voice-Over: Das junge Schaf führt ein beschauliches Leben, beobachtet seine menschliche Familie bei der Arbeit und wird nur ab und zu von Sohn Theodor, einem modernen Michel aus Lönneberga, aufgeschreckt. Bis eines Nachts ein Räuber alles durcheinanderbringt.
Das Publikum im "Odeon"-Kino besteht am Samstagabend zwar gänzlich aus Erwachsenen, ist aber trotzdem begeistert von Achts sieben Minuten kurzem Kinderfilm. Die gelöste Stimmung im Saal wendet sich jedoch innerhalb von Sekunden, als Max Zähles Drama "Raju" beginnt. Es zeigt die bedrückende Geschichte eines Ehepaars, das in Kalkutta einen Jungen adoptiert und dabei an Menschenhändler gerät. Der Film hat den zweiten Platz des Publikumspreises gewonnen und ist in der Kategorie Bester Kurzfilm für einen Oscar nominiert.
Einige Minuten kürzer und vor allem deutlich leichter zeigt sich "Date me!", der Gewinner in der Kategorie Regionalfilm. Ben, Hauptfigur des selbst-ironischen Werks, wurde gerade von seiner Freundin verlassen. Am Boden zerstört, sitzt er nun zu Hause und betäubt - vor Klischee triefend - seinen Kummer mit Schnulzen und Wodka. Vom besten Kumpel aufgebaut, datet er sich schließlich durch halb Bamberg, immer auf der Suche nach der großen Liebe.
Durchzogen von Schwarz-weiß-Aufnahmen, die den Fortgang der Zeit verdeutlichen, und allzu cooler Hintergrundmusik, zeigt sich "Date Me!" als perfekte Persiflage amerikanischer Teenie-Filme. Das überspitzte Spiel von Hauptdarsteller Matthias Friedel verstärkt den Eindruck, dass die Filmemacher sich selbst nicht so ernst nehmen. Das zeigt sich auch in Tietjes Reaktion auf den Sieg: erster Jubel und die sympathische Frage ins Mikrofon "Und was sollen wir jetzt sagen?"
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