Kilian Schmitt ist Fischerstecher-König

06.09.2010   Von: Anke Lau  inFranken.de

Kirchweih Eitel Sonnenschein herrschte beim 39. Fischerstechen des Ortskulturrings und der Gemeinde Bischberg auf dem Rhein-Main-Donau-Kanal. Dafür sorgte neben der Sonne auch ein gut gelaunter Bürgermeister Johann Pfister in der Rolle des Moderators.


Wolfgang Baumann (rechts) hatte im Kampf gegen den Titelverteidiger Kilian Schmitt das Nachsehen. Die beiden treten seit Jahren gegeneinander an, doch ihrer Freundschaft tut das keinen Abbruch. Fotos: Bernhard Dreyer
Yvonne Baumann (26) feuert ihren Mann an: "Bleib stehen! Pass auf! Schieb! Hopp!" Und der tut, wie ihm geheißen. So schafft es Wolfgang Baumann (30) bis ins Halbfinale, wo er sich schließlich seinem besten Freund Kilian Schmitt (26) geschlagen geben muss. Aber daran hat er sich mit den Jahren gewöhnt, denn spätestens, wenn die beiden aufeinander treffen, ist für Baumann Schluss. Nun ist Schmitt zum siebten Mal Fischerstecherkönig von Bischberg - die zwei Titel aus seiner Jugend nicht mitgezählt.

Trotzdem ist Kilian Schmitt aufgeregt, gibt er zu, "das Kribbeln ist schon immer da", denn jedes Jahr ist es eine neue Herausforderung. Als er ausrutscht und in den Schelch fällt, stöhnen alle Zuschauer auf. Fast war es zu hören, wie der Kopf auf dem Schelchboden aufschlug. Doch ihm fehlt nichts, nur etwas Haargel, "um seinen Göger auf dem Kopf wieder in Stand zu bringen", beruhigt Wolfgang Baumann das Publikum. Gemeint ist natürlich Schmitts Frisur. Dann geht der Kampf weiter, erlaubt sind Schieber im Brust- und Hüftbereich. Der Kopf ist tabu, ebenso der sensible Bereich, der für die Familienplanung zuständig ist.

Das wissen auch die Schüler (sieben bis 14 Jahre) und Jugendlichen (bis 17 Jahre), die die beiden Wettkämpfe vor den "Senioren" bestreiten. Für die jüngeren Teilnehmer bietet Elmar Scharf im Ferienprogramm eine ganze Woche lang ein Training an, das es in sich hat. Scharf hat inzwischen sogar spezielle Bretter mit Federn zusammengebaut, auf denen die Jungen balancieren üben, als stünden sie auf einem wackeligen Schelch. Erst danach darf im Baggerloch geübt werden. Der 14-jährige Florian Kolb hat sich coachen lassen und schafft es bis ins Halbfinale. Hier allerdings schickt ihn der alte und neue Schülerfischerstecherkönig Johannes Betz in das 14,6 Grad kalte Wasser. Derart geschwächt, in nasser Kleidung und frierend unterliegt Florian dann auch noch im Kampf um den dritten Platz Alexander Maier.

Die drei Fischerfamilien Kröner, Kohn und Ernst sind wie jedes Jahr auf ihre Weise am Fischerstechen beteiligt. Martin und Matthias Kröner, Jürgen Kohn sowie Christoph und Sebastian Ernst wollen selbst nach der Krone greifen, während Hans und Alfred Kröner, Uwe und Fritz Kohn sowie Georg Ernst die Schelche steuern. Sie sind mindestens genauso wichtig wie die eigentlichen Fischerstecher, denn sie sorgen dafür, dass der Schelch möglichst ruhig im Wasser liegt. Auch Wolfgang Baumann weiß, "es liegt auch viel an den Schelchfahrern". Und Josef Kröner fiebert als Vater von Martin und Matthias mit. Geschicklichkeit, Standfestigkeit, aber auch ein gewisser "Biss" nennte als Eigenschaften, die ein erfolgreicher Fischerstecher mitbringen sollten. Kröner weiß, das sich die Jüngsten schon ganz schön was trauen, wenn sie auf dem wackeligen Schelch stehen und versuchen, den Gegner ins Wasser zu schubsen. Schließlich war er früher selbst dabei. Jetzt überlässt er das seinen Söhnen. Auch im Schiedsgericht sitzt Verwandtschaft: sein Bruder Nikolaus, der ebenso wie Roland und Stephan Kröner auf die Einhaltung der Regeln achtet.

Neben ihnen auf der Tribüne moderiert Erster Bürgermeister und stellvertretender Landrat Johann Pfister das Fischerstechen. Er stellt die Ehrengäste vor: Umweltstaatssekretärin Melanie Huml radelt mit CSU-Kollegen wie Daniela Reinfelder aus Gaustadt, Günter Litzlfelder aus Stegaurach und vielen anderen auf ihrer Sommerreise durch den Landkreis. Pünktlich zu den Wettkämpfen traf die Runde in Bischberg ein, zwei unterhaltsame Stunden später ging es auf den Drahteseln weiter in Richtung Viereth und Unterhaid.

Die Organisatoren des Fischerstechens, der Ortskulturring mit Roswitha Fischer an der Spitze, freuten sich, dass das Wetter heuer so gut mitgespielt hat. Das Wasser war zwar etwas kalt, doch von oben blieb es trocken und die Sonne schien. Und so stand das Publikum dicht gedrängt am Ufer, links und rechts neben sowie unterhalb der Tribüne, wo die Familien Schmitt und Baumann mittlerweile ihren Stammplatz haben.

Auf ihren Mann ist Yvonne Baumann stolz, wie jedes Jahr, egal, welchen Platz er erkämpft. Das der auch dieses Jahr nass wurde, war ihr schon vorher klar, denn auch die Sieger springen ins Wasser und lassen sich feiern. Und nächstes Jahr, wer weiß, klappt es ja dann vielleicht doch mit dem ersten Platz.





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