Karikaturen. Sticheln und stricheln für die Eine Welt

21.10.2011   Ort: Bamberg  Von: Marion Krüger-Hundrup  Fränkischer Tag

Ausstellung Anlässlich des Sonntags der Weltmission sind im Bamberger Klinikum Karikaturen zu Afrika und Europa zu sehen. Zur Eröffnung kamen Kardinal Sarr aus dem Senegal und Erzbischof Schick.


Motive, die viele Blicke auf sich ziehen: Luidgard und Kurt Düsel betrachten die Karikaturen im Klinikum. Foto: Michael Gründel
Doch, es ist möglich, den Katastrophenkontinent Afrika humorvoll unter die Lupe zu nehmen. Die Karikaturen im Klinikum am Bruderwald legen das eindrucksvoll unter Beweis. 28 prominente Karikaturisten aus Deutschland, Österreich, Holland und dem Senegal haben für die Eine Welt gestichelt und gestrichelt was das Zeug hält. Afrika und Europa sitzen schließlich in einem Boot. Und in dem darf gelacht werden. "Trotz ihrer Armut und ihres Hungers haben die Menschen in Afrika das Lachen nicht verlernt", sagt Erzbischof Ludwig Schick. Ihr Optimismus helfe ihnen, die oft so schwierige Situation zu bestehen. Und Lachen verbinde über Ländergrenzen hinweg.

Der Erzbischof war zur Eröffnung der Karikaturenausstellung gekommen. Diese wird anlässlich des morgigen Sonntags der Weltmission gezeigt, der zentral für ganz Deutschland in Bamberg gefeiert wird. Das Erzbistum Bamberg hat gemeinsam mit dem Missionswerk "missio" die Ausstellung auf die Beine gestellt.

Die Präsentation zeige, dass "der Schwarze Kontinent, wie Afrika oft genannt wird, nicht schwarz, sondern bunt ist", erklärte Erzbischof Schick. Sein bischöflicher Mitbruder aus dem Senegal, Kardinal Théodore-Adrien Sarr, untermauerte diese Worte mit seinen Auslegungen einiger Karikaturen. Da klettert zum Beispiel auf einem Exemplar ein kleiner Afrikaner die Palme hoch und ruft: "Handy weg, Trommeln raus, Touristen kommen!" Kardinal Sarr philosophierte vor diesem Bild über sich hartnäckig haltende Klischees über Afrika in europäischen Köpfen. Und über eine Entwicklungshilfe, die oft "nur aufoktroyiert wird", statt die Afrikaner selbst entscheiden zu lassen, was sie brauchen.

Die Kraft des Evangeliums

Missio-Chef Pater Eric Englert bedauerte denn auch, dass in der Entwicklungshilfe "vieles grundfalsch gelaufen ist", was er auf den früheren Ost-West-Konflikt zurückführte. Auch "Mission", der kirchliche Begriff für "Entwicklungshilfe", habe lange Zeit als verpönt gegolten, bekannte Englert. Doch heute werde erkannt, dass "das Evangelium, die Frohe Botschaft die Kraft ist, die uns hilft, das Leben zu bestehen". Das Evangelium müsse Grundlage für jede Entwicklungshilfe sein. "Karikaturenpapst" Professor Walther Keim, der mit Michael Kleiner vom Projektreferat des Erzbistums die Ausstellung konzipiert hat, nannte die gezeigten Karikaturen eine "moralische Instanz mit der Liebe zur Wahrheit". Sie seien "als Denkanstöße ein hervorragendes SOS", in dem sie Finger in die Wunden ihres Umfeldes legen. Keim sprach von den Karikaturen als einem "optischen Juckpulver, das die Betrachter zwingt, sich zu kratzen".

Eine Steilvorlage für den Klinikum-Vertreter Professor Gerhard Seitz, der die Ausstellung mit koordiniert hatte. Seitz führte "aktivierte Abwehrkräfte" und eine "Stimulation der Immunabwehr" an beim Betrachten der Karikaturen. Denn "Lachen aktiviert Glückshormone im Gehirn und lässt die Produktion von körpereigenen Killerzellen ansteigen". Der Pathologe Seitz ermunterte dazu, sich beim Gang durch die Ausstellung an die Volksweisheit zu erinnern: "Lachen ist die beste Medizin."

Den Vernissage-Besuchern war bei ihrem Rundgang anzusehen, dass ein erstes Schmunzeln oder Lachen bald der Nachdenklichkeit wich. Den Karikaturisten ist es schlichtweg gelungen, inmitten von afrikanischen Tragödien wie Hungersnot oder Flüchtlingselend den Witz zu erlauben.




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Kommentare

 
1  Kommentare  
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textor - 22.10.2011 11:46    (0)   
 

Humor und Galgenhumor
Afrikaner haben viel Humor. Das konnte ich in 17 Jahren in Afrika immer wieder mit viel Vergnügen feststellen.Mit Galgenhumour sagen sie z.B.Afrikanische Globalisierung bedeutet heute : indische und pakistanische UN Soldaten; chinesische Ingenieure, russische Piloten der Fluglinien, die auf der schwarzen Liste der EU stehen; libanesische Diamantenhändler, südamerikanische Drogenkuriere,ukrainische Waffenverkäufer und unzählige wohltätige Besatzer aus dem Westen, die den Afrikanern einreden, dass sie ihre Probleme nicht selbst lösen können.
Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

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