In Bamberg droht ein Kneipensterben

05.07.2010   Von: Michael Wehner  inFranken.de

Rauchverbot Die Anhänger des totalen Rauchverbots freuen sich. Doch für die Pächter vieler kleiner Kneipen und Lokale wird es eng. Sie fürchten, dass ihre Gäste, die mehrheitlich rauchen, in Zukunft nicht mehr wiederkommen. Dann bleibt nicht viel übrig, als das Lokal zu schließen.


Günther Oppel vom Morph Club in Bamberg geht mit den Ergebnissen des Volksentscheids konstruktiv um. Er will seinen Raucherraum (Hintergrund) mit einer zweiten Bühne und einer Tanzfläche aufwerten. Ein Kneipensterben in Bamberg fürchtet allerdings auch er. Fotos: Ronald Rinklef
Friedrich Walter hat gerade eine Zigarette ausgedrückt, als wir das Frankenstübla in der Frauenstraße betreten. Doch sich für den Fotografen einen neuen Glimmstängel anzustecken, danach ist ihm heute nicht zumute. Seit 13 Jahren steht der 50-jährige Bamberger hinter dem Tresen seiner Mini-Gaststätte. Von zehn Uhr bis weit nach Mitternacht bedient er die Gäste, schenkt unter anderem Keesmann-Bier aus dem Fass aus, das Seidla für 2,20 Euro. Dass man in der Kneipe neben Billardspielen auch rauchen kann, hat ihm besonders an den Wochenenden bis zu 300 Gäste beschert.

Damit könnte nun schon in vier Wochen Schluss sein. Walter ist einer von mehreren Dutzend in Bamberg angemeldeten Pächtern so genannter Einraumgaststätten, für die der Gesetzgeber ab August kein Pardon mehr kennt. Dann ist auch das Frankenstübla in der Frauenstraße eine rauchfreie Zone. "Ich hätte mir gewünscht, dass man die Wirte entscheiden lässt, ob sie ihre Gaststätte für Raucher oder Nichtraucher öffnen. Der Markt regelt doch alles am besten", sagt Walter. Nun sieht der Kneipier ungewissen Zeiten entgegen. Spätestens im Herbst werde sich weisen, ob ihm die Gäste treu bleiben. Sollten sie nicht mehr in ausreichender Zahl kommen, will Walter seine Wirtschaft schließen. "Dann bleibt mir wohl nur die Arbeitslosigkeit übrig."

Kritisch sieht das kategorische Rauchverbot auch der Geschäftsführer des Bamberger Morph Clubs, Günther Oppel, eines viel besuchten Musikclubs in der Oberen Königstraße. Auch hier wirkt sich das Votum der Wähler sehr direkt aus. Oppel, der seit der Lockerung des Rauchverbots durch die Staatsregierung auch vom Zustrom qualmender Gäste profitierte, muss sein ca. 60 Quadratmeter großes Asyl für Raucher über Nacht umwidmen. Dennoch geht der 34-Jährige mit dem Ergebnis des Volksentscheids konstruktiv um: "Unser Team will die Gelegenheit nutzen, um im Raucherraum eine zweite Bühne und eine neue Tanzfläche anzubieten."

Umsatzrückgänge fürchtet Oppel durch die neue Regelung nicht. Doch müsse man mit mehr Lärm auf den Straßen rechnen. "Es werden nicht alle plötzlich aufhören zu rauchen, also werden sich mehr Gäste im Freien aufhalten." Der Gastronom zweifelt nicht, dass das neue Gesetz manche Lücke in Bambergs Wirtshauslandschaft schlägt: "Es wird ein Kneipensterben geben."

Mehr Beschwerden von Anwohnern über nächtlichen Straßenlärm erwartet man auch im Ordnungsamt der Stadt, das auch für Gaststättenlizenzen zuständig ist. "Das wird sicher ab und zu mal etwas lauter, wenn mehr Gäste auf der Straße stehen, aber ich bin mir sicher, dass sich die neue Regelung bald einschleifen wird", gibt sich der Sozialreferent der Stadt, Ralf Haupt, zuversichtlich. Eine Armada von Überwachungskräften werde das Ordnungsamt nicht vorhalten können. Die Polizei werde den Leuten auch die Zigaretten nicht aus der Hand reißen können: "Es handelt sich schließlich nur um eine Ordnungswidrigkeit."

Freude über das überraschend klare Ergebnis herrschte gestern bei den Befürwortern des Volksentscheids in Bamberg. Susanne Batz, die dem Bamberger Aktionskreis "Nichtraucherschutz" angehört, wertete die guten Zahlen in Bamberg, wo sich über 70 Prozent der Wähler für das absolute Rauchverbot ausgesprochen hatten, als "Erfolg der Vernunft und der Einsicht". Die neue Regelung werde vor allem den Jugendlichen zugute kommen, die künftig besser geschützt seien und weniger mit dem Rauchen in Berührung kämen. An ein Kneipensterben mag Batz nicht glauben: "Die Leute gehen doch nicht in die Kneipe nur um zu rauchen." "Hoch zufrieden" mit dem Abstimmungsverhalten der Wähler und auch der Bamberger äußerte sich auch Georg Knoblach, der Vorsitzende des ärztlichen Kreisverbandes. Als Arzt habe er sich für das Volksbegehren engagiert, nicht um den Rauchern das Rauchen zu verbieten, sondern um die Nichtraucher zu schützten, sagt Knoblach: "Nun haben die Nichtraucher endlich das Recht auf körperliche Unversehrtheit."

Mit einer Mischung aus Skepsis und Pragmatismus beurteilt Volker Wrede, der Vorsitzende des Bamberger Hotel- und Gaststättenverbands, die Entscheidung der Wähler. Alles sei besser als jedes halbe Jahr ein neues Gesetz: "Jetzt haben wir endlich Planungssicherheit."




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