Der "Rabenstein" ist aufgetaucht
01.09.2010
Von: Marion Krüger-Hundrup ![]()
Stadtgeschichte Bei Kanalbauarbeiten in der Amalienstraße stieß ein Baggerfahrer auf Sandsteine, die das Landesamt für Denkmalpflege der Bamberger Hinrichtungsstätte zuordnet. Bis 1832 wurden dort Kriminelle exekutiert.
Das geschah auch umgehend. Zu Recht, wie sich sehr bald herausstellte: "Es ist der Rabenstein", frohlockte Andreas Büttner vom Landesamt für Denkmalpflege im Schloss Seehof. Allem Anschein nach habe der Baggerfahrer bei den Kanalbauarbeiten das Fundament aufgedeckt und vier Steine davon geborgen, so der Archäologe.
Kreisrund mit einem Durchmesser von etwa sechs, sieben Metern sei dieses Fundament: "Ein Teil der Anlage ist noch verschüttet und wird nicht freigelegt", erklärte Büttner. Ein weiteres Indiz für die Annahme, den "Rabenstein" gefunden zu haben, ist nach seinen Worten der Urkatasterplan. Diesen Plan habe man mit dem heutigen abgeglichen: Der Standort passt. Wenn diese vier an sich unspektakulären Steine erzählen könnten, würden sie ein Kapitel gruseliger Stadtgeschichte preisgeben. Der "Rabenstein" war das Schafott, die öffentliche Hinrichtungsstätte im Gerichtsort Bamberg für Kriminelle.
Benannt war der "Rabenstein" wohl nach den Vögeln, welche die Leichenreste verzehrten. Besonders gut dokumentiert (in der Staatsbibliothek Bamberg) ist die letzte Bamberger öffentliche Hinrichtung im Jahr 1832. "Mit gewöhnlichen aschgraufärbigen leinenen Missethäterhabit gekleidet" wurde der Raubmörder Johann Georg Pröschel vom Gefängnis in der Sandstraße im Wagen zum "Rabenstein" gebracht. Bürgerkavallerie, Gendarmerie und der Pfarrer begleiteten den Deliquenten. Und eine "unerhörte Volksmenge" schaute zu. Der "Rabenstein" wurde 1860 abgerissen, nachdem in Bayern Hinrichtungen in den geschlossenen Raum des Gefängnisses vor auserwählten Zeugen verlegt wurden. Bis zum jetzigen Fund der vier Steine geriet diese Hinrichtungsstätte nahezu in Vergessenheit. Mehr lesen Sie in der Mittwochsausgabe des im Fränkischen Tags
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