OB-Wahl: "Wie wichtig ist Ihnen die Kultur?"

03.02.2012   Von: Michael Wehner  

Wahlkampf Welchen Stellenwert hat die Kultur für die drei OB-Kandidaten? Welche kulturpolitischen Herausforderungen sehen die Bewerber für die Zukunft?


Alte und neue Kunst ergänzen sich perfekt: Centurione von Igor Mitoraj und das Kloster Michaelsberg. Foto: R. Rinklef
Man kennt das aus den Sonntagsreden. Kunst und Kultur werden bei festlichen Anlässen gerne über den grünen Klee gelobt. Doch in den Haushaltsberatungen spricht die Politik eine andere Sprache. Da kneift es hinten und vorne, und es sind immer wieder die gleichen Probleme, mit denen Kulturschaffende zu kämpfen haben: Geld gibt´s nur für Dinge, die sich rechnen oder eine starke Lobby haben. Bamberg ist da keine Ausnahme. Zwar leistet sich die Stadt eine künstlerische Infrastruktur, die einer Großstadt würdig wäre, doch nicht nur das Historische Museum wird Mal um Mal vertröstet, wenn es um wichtige Projekte geht. Auch viele kleine Kulturinitiativen hängen am Tropf unstet fließender Zuschüsse.

Bamberg ist eine Kulturstadt von Rang mit einem Weltklasseorchester, einem anerkannten Stadttheater, vielen Museen und viel beachteten Ausstellungen. Welchen Stellenwert hat Kultur für die drei OB-Kandidaten?

Wolfgang Grader, GAL Bamberg braucht einen
Platz für moderne Kunst


Bamberg muss erkennen, dass unsere heutigen Kultur- und Bildungseinrichtungen die soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Basis für die Zukunft ist. Deswegen will ich dafür sorgen, dass Kulturpolitik eine Querschnittsaufgabe in allen Ämtern wird.
Ich schätze den Stellenwert von Kultur sehr hoch ein, ist sie aber schon in ganz Bamberg angekommen? Unsere so genannten Leuchttürme, Museen und Ausstellungen zentrieren sich in der Altstadt. Trotz Uni-Feldkirchenstraße ist es nicht gelungen, studentisches Leben und die dazugehörige Vielfalt (Kleinkunst) östlich der Bahnlinie zu etablieren. Ich glaube aber, dass Bamberg-Ost kulturelles Potential hat. Wo entstehen die kulturellen Highlights im Osten, die architektonisch wertvollen Bauten? Warum hören wir nie von Veranstaltungen wie Ostival-Bamberg, Klassik im Park, der Ring der Bamberger, Jenseits vom Dom - Diesseits im Leben, und wie sie noch heißen könnten. Die ehemalige Pestalozzi-Schule soll ein Ort für Kunst und Kultur, für Werkstätten, Kulturvereine, Ateliers werden. Die Idee "Museumsberg", also das Ziel, den Domberg kulturell aufzuwerten, ist verführerisch, darf aber nicht zur Vermarktungsstrategie verkommen, um mehr Touristen anzuziehen. Es muss die tausendjährige Geschichte, die dahinter steckt, aufgenommen werden. Nicht die Gestaltung eines gemeinsamen Folders ist entscheidend, sondern die substantielle Veränderung in den Museen. Das betrifft auch das Historische Museum. Es gibt für das KunstHaus Kesselhaus an der Unteren Sandstraße eine engagierte Bürgerschaft, die dieses Projekt auf den Weg gebracht hat. Bamberg braucht einen Platz für moderne Kunst und Kunstdialog. Gemeinsam müssen wir dieses Projekt, moderne Kunst in Bamberg, vielleicht im Kesselhaus, zu einem Erfolg führen. Die Zukunft der Villa Dessauer ist in dieser Thematik einzubeziehen. Entscheidend ist die Teilhabe der gesamten Bevölkerung am kulturellen Leben Bambergs. So haben für mich die Schaffung eines Kultur-Sozial-Tickets und die Verstetigung des Projekts "Kultur-Klasse" hohe Priorität.

Gerhard Seitz, CSU, BBB Die "freie Szene" wird zu wenig unterstützt

"Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein.." - Kultur zählt für mich nicht nur zu den Lebensmitteln, sondern vielmehr ist sie Vitamin für die Persönlichkeitsentwicklung, z.B. Toleranz, Flexibilität. Daher finde ich auch die Initiative "Kulturtafel Bamberg" so wichtig. Die Herausforderungen für die Zukunft sehe ich in einer konzeptionellen, zielgerichteten Kulturpolitik. Es ist überfällig, den seit vielen Jahren im Gespräch befindlichen Museumsberg/-hügel zu realisieren. Hierbei steht der Marketing-Gedanke im Vordergrund. Der neue Auftritt muss aus einem Guss sein. Das historische Museum inhaltlich, baulich und finanziell besser aufzustellen ist daher unabdingbar. Es geht auch nicht an, dass es im Winter geschlossen wird!
Klar, das hohe Niveau von Symphoniker, Theater und Welterbestatus muß gehalten werden, daneben fällt die bildende Kunst in Bamberg dramatisch ab. Für einen gehobenen Tourismus ist ein in der Qualität gleichwertiges Museum für moderne Kunst zu etablieren. Dies ist eine Aufgabe, die heute kaum geschultert werden kann, aber Bamberg hat eine große Chance: In den Mauern der Stadt befindet sich eine der weltweit größten Dalí-Sammlungen mit anderen wichtigen Exponaten renommierter Künstler (Picasso, Míro, etc). Hier besteht die realistische Chance, mithilfe großzügiger Sponsoren und Unterstützer die Mayer'sche Sammlung oder wesentliche Teile kostenneutral für Bamberg zu erhalten. Es müsste dann nurmehr ein adäquater Ausstellungsort gesucht werden. Auch ein Neubau an den unteren Mühlen wäre ein denkbarer Ort für solch ein Museum. Für ein lebendiges und attraktives Kulturleben in Bamberg dürfen nicht nur Leuchtturm-Projekte verfolgt werden. Auch die Unterstützung von Projekten aus der Bürgerschaft (z.B. Kesselhaus) ist wichtig. V.a. wurde in der Vergangenheit die sog. "Freie Szene" zu wenig unterstützt. Der Betrag für die heimischen Künstler und Kulturschaffenden lag bei nur ca. 130.000 € im Jahr. Allein durch den Umzug der Musikschule entstehen jährliche Mehrkosten von 150.000 €. Dies ist ein krasses Missverhältnis.


Andreas Starke, SpD, FDP Der Museumsberg ist eine Chance für Bamberg

Bamberg ist glücklicherweise eine Kulturstadt. Das verdanken wir zum einen dem Welterbetitel und den drei "kulturellen Leuchttürmen", nämlich unseren Bamberger Symphonikern - Bayerische Staatsphilharmonie, dem E.T.A. Hoffmann-Theater und dem Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia.
Daher war es richtig, unsere Konzert- und Kongresshalle so aufzuwerten, dass sie in neuem Glanz erstrahlt und zu einer hervorragenden Spielstätte für unser weltberühmtes Orchester geworden ist.
Zum anderen gibt es eine lebendige Kulturszene die einzigartig ist. Bamberg als Kulturstadt lebt von vielen Initiativen, Einzelpersonen, Vereinen und Gruppierungen die für ein abwechslungs- und facettenreiches Kulturleben sorgen. Dies will ich bewahren, weil ich weiß, dass es viele Menschen in unserer Stadt gibt, die ihre Erfüllung in der Beschäftigung mit Kunst und Kultur finden.
Doch es gibt noch einiges zu tun, vor allem im Bereich der modernen Kunst. Die Ausstellungsmöglichkeiten für alle Bamberger Kulturschaffenden müssen verbessert werden. Ich will auch der jungen, auch der alternativen Kultur Raum verschaffen. Ein offenes, diskussionsfreudiges Klima ist die Voraussetzung dafür, dass Kreativität entsteht und gelebt werden kann.
Die Museumslandschaft muss und wird in den kommenden Jahren positiv verändert werden: Einen interessanten Impuls liefert die Neugestaltung des Gärtner- und Häckermuseums.
Ein Zukunftsthema, das für das Profil Bambergs als Kulturstadt von wichtiger Bedeutung ist, ist sicherlich die Idee eines "Museumsbergs". Das Diözesanmuseum, der Dom, die Bayerische Staatsgemäldesammlung mit der Staatsgalerie, die Neue Residenz und das Historische Museum könnten - ähnlich der Museumsinsel in Berlin - zusammengefasst, entwickelt und gemeinsam beworben werden.
Erste Arbeitsgespräche haben schon stattgefunden, mit einem ersten, konkreten Ergebnis: Unter der Marke "Domberg" werden sich zukünftig die dort angesiedelten Institutionen und Museen gemeinsam präsentieren.

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Kommentare

 
8  Kommentare  
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unbekannt - 12.02.2012 16:36    (0)   
 

Kunst braucht Unterstützung
Schon immer war die Kunst ein Seismograph für unser Zeitgeschehen. In Bamberg scheint es aber, als wolle man moderne und zeitgenössische Kunst kaum zulassen. Man setzt aufs alte, weil das alte unser kleines Städtchen berühmt gemacht hat. Dabei bleibt man häufig natürlich auf der Strecke fernab von aktuellen Strömungen. Deshalb ist es als Bürger umso wichtiger, Angebote wahrzunehmen und Ausstellungen von moderner und zeitgenössischer Kunst zu besuchen, welche mit viel Mühe und Zeitaufwand realisiert werden. Das hat mit Elite nichts zu tun. Derartige Angebote sind für alle Bürger da und sollten auch wahrgenommen werden, damit diese weiterhin bestehen können und finanziell unterstützt werden. Kunst ist und bleibt mit das wichtigste Kulturgut des Menschen und muss deshalb in jeder Weise unterstützt werden. Es ist deshalb nicht nur Sache der Regierung, sondern vor allem auch der Bürger.

einBAMBERGER - 06.02.2012 16:29    (0)   
 

Kunst
Kunst ist klasse dem einen gefällts den anderen nicht , daraus ergeben sich ganz tolle Konversationen. Also nicht die Kunst ist verhunst , das liegt immer im Auge des Betrachters.

meinemeinung - 06.02.2012 14:04    (0)   
 

.
Kunst ist, wenn ich´s nicht kann, denn wenn ich´s kann, ist's keine Kunst.

Kunst muss man auch nicht immer verstehen können citronaut. Das haben Sie sogar mit der Kunst gemeinsam.

Citronaut - 06.02.2012 13:51    (0)   
 

Ich bezahle jedenfalls keine Steuern
für verkopften Kunstquatsch, damit sich da eingebildete Leute für was besseres halten können, indem sie behaupten sie würden irgendein modernes Geschmiere verstehen und als "Kunst" begreifen. Gebt das Geld für vernünftige und notwendige Dinge aus.

Dr_Pflichtfeld - 06.02.2012 14:28    (0)   
 

Sie haben das, ...
... was Sie für "Kunstverständnis" halten, offenkundig "aus großer Zeit" übernommen und gepflegt. Paßt aber zu Ihren rüpelhaften Stammtisch-Attitüden, die schon immer darauf schließen ließen, daß Sie eher einfach gestrickt sind.

Citronaut - 06.02.2012 14:45    (0)   
 

Nazikeule
wie billig! Ich habe jedenfalls keine Lust einer kleinen selbsternannten "Elite", die zudem nicht gerade wenig verdient, ihre "Partys" mit zu finanzieren. Ob Konzert oder Vernissage. Was Anderes als eine Party mit "sehen und gesehen werden" ist das nicht! Das gilt dann auch für Wagner-Inszenierungen, um Ihnen ihre sinnlose Nazikeule mal zurückzugeben

Dr_Pflichtfeld - 06.02.2012 14:53    (0)   
 

Wie war doch gleich ...
... der Zusammenhang von Betroffensein und Lautgeben bei gewissen Haustieren?

HansKasper - 06.02.2012 12:23    (0)   
 

Genau!
Kultur braucht Raum. Kulturraum. Raum der Kultur. Coole Tour. (S)Kul(p)tur.
East City - Bamberg Culture in Perfection with Beer and Money.
Ostfilder und Bamberg-Ost zwei und eins macht fünf.
East-Bamberg - Not communist but Sunkist.
Ring der Zwiebeln - Bambergs Hutfabriken im 18. Jahrhundert gestern und vorgestern, verschmolzen im Morgen.
Und wie sie sonst noch heißen könnten.

Warum hört man nie etwas darüber?

Architektonische Highlights wie z.B. äähhhmmm. das Rucksackhouse straight from the Bronx yeah!
Oder die viereckigen Klötze, die die GRÜNEN so geil finden?
Oder doch einfach nur ein paar Baracken, die aussehen wie KZ's?
Ich freu mich drauf!

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