Für Entwarnung gibt es keinen Grund
28.05.2010
Von: Harald Rieger ![]()
NPD-Parteitag Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten informierte über nordbayerische Strukturen der NPD und wie Neonazis neue Anhänger finden.

Bamberg sagt Nein zu Rechts - so wie diese drei jungen Frauen bei der Demo vor zwei Jahren. Archivfoto: HaR
"Die Parteianhänger der NPD sind nicht nur öffentlich bei Aufmärschen und Parteitagen tätig, sondern sie verteilen Flugblätter am Bahnhof und an der Trimbergschule und pflastern vor allem die Wunderburg mit Pro-NPD Aufklebern zu." Insgesamt, so schätzte Pierdzig, habe die NPD in Bayern rund 1000 Mitglieder, aber bei den letzten Wahlen an die 120 000 Stimmen bekommen. Zudem sei die Bayern-NPD mit einem Parteivermögen von etwa 580 000 Euro nicht, wie immer behauptet, unvermögend. Ganz im Gegenteil, sie zähle zum zweitstärksten Landesverband.
Junge Zielgruppen
Zielgruppe der Partei seien neben Harz IV- Empfängern besonders Jugendliche, die leicht über die Kulturschiene zu ködern seien. "Die NPD greift in die Jugendarbeit ein, lädt sie zu Konzerten oder Grillabenden sowie zu Wanderungen ein und versucht diese so, für sich zu gewinnen." Überhaupt habe die NPD mit einem Durchschnittsalter von 37 Jahren (im Vergleich zur CSU mit 50 Jahren) relativ viele jungen Menschen in ihren Reihen.
Dennoch, so schränkte Günter Pierdzig ein, seien die Mitgliederzahlen in den letzten Jahren leicht rückläufig. "Und wenn man bedenkt, dass die Partei verschiedene Ämter oftmals mit den gleichen Personen besetzt, könnte man durchaus daraus schließen, dass sie unter Personalmangel leidet." Aber Entwarnung dürfe man noch lange nicht geben, da in Bayern noch zahlreiche Kameradschaften existieren würden, die der NPD sehr nahe stünden und von denen zahlreiche Aktivitäten ausgingen.
Viel zu wenig Aufmerksamkeit schenkt man nach Ansicht des Referenten auch den so genannten Grauzonen. Unter Namen wie DVÜ, Deutsche Partei, Volkshilfe Deutsches Reich oder Gesprächskreis Heinrich II würde diese unverhüllt rassistische Ideologien verbreiten. "Das geht sogar soweit, dass eine faschistische Organisation wie die Germanische Neue Medizin bei ihren Gesundheitstagungen, auf denen sie rechte Propaganda verbreiten, von der AOK unterstützt werden - wie jüngst in Pottenstein geschehen."
Daher, so appellierte Pierdzig, reiche es einfach nicht aus, nur Luftballons gegen Neonazis steigen zu lassen. Man müsse vielmehr seine Gegner genau kennen, um gegen sie vorgehen zu können.
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