Fischer rüsten gegen den Kormoran

22.02.2010     inFranken.de

Jagd Der "Vogel des Jahres 2010" ist bei Fischern und Fischzüchtern alles andere als beliebt. Sie sehen durch seinen Appetit ihre berufliche Existenz gefährdet. In Bischberg wurden am Wochenende sechs Tiere erlegt .


Jagdpächter Hans-Joachim Rost und die Vorsitzenden der Fischerzünfte Bischberg und Bamberg, Roland Kröner und Josef Kropf (von links), zeigen einen toten Kormoran mit vollem Magen. Foto: Schulz
Enten und Möwen gehören zum Bamberger Stadtbild. Immer häufiger zeigen sich jetzt auch Kormorane am Regnitzufer. Die schlanken, schwarzen Vögel erregen jedoch die Gemüter vieler Fischer. Diese gehen nun gemeinsam mit Bamberger Jägern gegen die Vögel vor. Naturschützer halten dies für den falschen Weg. Zur Kormoranjagd hat sich ein gutes Dutzend Jäger und Fischer an diesem Wochenende am Bischberger Fischerhafen versammelt. Am Ende des Tages haben die Jäger sechs Kormorane erlegt. Die Fischer sehen ihre Befürchtungen bestätigt: In den Mägen der Vögel finden sie Fische mit einem Gewicht von bis zu einem knappen Pfund. Spricht Josef Kropf über die Fischerei, hat er derzeit wenig Gutes zu berichten. „Allein vom Fischfang kann hier keiner mehr leben“, sagt der Vorsitzende der Unteren Schiffer- und Fischerzunft Bamberg. Sinkende Fischbestände gefährdeten die berufliche Existenz vieler Fischer und Teichbesitzer der Region. Der Fischbestand in der Region sei durch Wehre, die Schifffahrt und fehlende Altwasser bereits stark gesunken. „Die Kormorane kommen zu diesen Problemen noch erschwerend hinzu“, sagt Kropf. „Seit Wochen sind viele Seen rund um Bamberg zugefroren. Deshalb jagen die Kormorane jetzt auch in der Regnitz“, berichtet Josef Kröner, Fischereiaufseher der Fischerzunft Bischberg. Auch Fischzüchter sehen sich von den Kormoranen um die Früchte ihrer Arbeit gebracht. Zwar schlagen Naturschützer vor, die Fischteiche mit Netzen zu schützen. Teichbesitzer fürchten jedoch hohe Kosten. Rund ein Pfund Fisch fresse jeder Kormoran pro Tag. Da der Vogel in der Region keine natürlichen Feinde habe, sei das Verhältnis zwischen Kormoran und Fisch nicht mehr gewahrt. „Die Artenvielfalt der Fische ist gefährdet“, sagt Kröner. Es gehöre zur Fischhege und -pflege, diese Vielfalt zu erhalten. Die Fischerzünfte sind gesetzlich dazu verpflichtet, von dem Geld, das sie mit dem Verkauf von Angelkarten einnehmen, Fischbrut in die Gewässer einzusetzen. Über 100 000 Euro jährlich investieren die Zünfte in der Region Bamberg. „Mit dem Geld der Angler füttern wir aber nur die Vögel“, befürchtet Fischereiaufseher Josef Kröner. Vogelschutzexperte Dr. Markus Nipkow vom Naturschutzbund ist überzeugt, dass nicht alles so einfach sei, wie viele Fischer es darstellen. Besonders die vielen Verbauungen in deutschen Flüssen seien für den sinkenden Fischbestand verantwortlich. „Der Kormoran ist nur noch ein kleiner Faktor, der da eine Rolle spielt“, so Nipkow. Nipkow hält den Abschuss der Kormorane für den falschen Weg. Stattdessen sollten Ruhezonen an großen, fischreichen Gewässern für die Vögel eingerichtet werden, meint er. „Die Frage ist doch, ob es sinnvoll ist, für den Schutz einer Tierart eine andere Art mit Abschüssen zu bekämpfen.“ „Die Existenz des Kormorans ist natürlich berechtigt“, sagt Hans-Joachim Rost, Jagdpächter des Reviers in der Stadt Bamberg. „Niemand will den Kormoran ausrotten.“ Man müsse sein Vorkommen aber auf ein erträgliches Maß reduzieren.


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