Ihr "Amoklauf" soll sensibilisieren
13.10.2009
Ort: Importartikel Von: Petra Mayer ![]()
Filmprojekt Die Jugendlichen ersannen die Handlung, übernahmen Regie, Kameraführung und Schnitt des Films. Nach 20 Monaten stellt die Teeniekirche Gaustadt nun das Ergebnis des Projektes vor, das den Amoklauf eines Schülers zeigt: "Game Over".
Anfangs hatten alle Teilnehmer Bedenken, einen Film über einen jugendlichen Amokläufer zu drehen. Würde der Streifen dem Ernst des Themas gerecht? Wie könnte man ihn realistisch umsetzen ohne ins Reißerische zu verfallen? Während der 20 Monate, in denen die 18 Jugendlichen an „Game Over“ arbeiteten, fanden sie Antworten. „Meine Motivation war, Leute zum Nachdenken zu bringen“, meint beispielsweise die 17-jährige Sina Düsel. „Ich möchte erreichen, dass Menschen ihr Umfeld genauer beobachten und Faktoren, die auf einen Amoklauf weisen, erkennen“, sagt die gleichaltrige Lena Friedrich.
Was macht Schüler zu Amokläufern?
Im vergangenen Jahr hatten die Projektteilnehmer Fachliteratur studiert. Sie erstellten ein mögliches Täterprofil, entwickelten eine Vorgeschichte und arbeiteten ihr Drehbuch aus. Dabei standen Fragen nach Prägung und sozialem Umfeld von Amokläufern im Blickpunkt. Inwieweit wirken sich familiäre und schulische Situation aus? Welchen Einfluss haben Gewaltspiele oder ein Umgang mit Waffen? Und wie muss man sich Schlüsselereignisse vorstellen, die dann tatsächlich zu dem Blutbad führen?
Dreharbeiten in Gaustadt und Bamberg
Im Herbst vergangenen Jahres begannen die Dreharbeiten. In der Turnhalle der Gaustadter Grundschule entstanden Szenen, ebenso im Jugendzentrum Supergau und im Heim des Schützenvereines 1899 Gaustadt. Das Bamberger Franz-Ludwig-Gymnasium war Drehort des Amoklaufes selbst, aber auch im Haingebiet und Münchner Landtag filmten die Jungen und Mädchen. „Wir drehten über ein Dreivierteljahr lang an Szenen, die sich letztendlich auf zwölf Drehtage summierten“, berichtet Wilfried Kummer als Betreuer der Teeniekirche Gaustadt. Regie, Kameraarbeiten, Schnitt und weitere Bearbeitung des Films übernahmen die Jugendlichen. „Sie texteten und komponieren ein Titellied („Hilferuf“) ebenso wie die Musik zum Abspann des Streifens.“
Im Blickpunkt des Geschehens steht natürlich „Max“ alias Thomas Lechner, der den Part des Amokläufers übernahm. Während Magdalena Thun im Film seine Freundin „Ina“ mimt, die die Tat nicht verhindern kann.
Auf diese Weise erleben Zuschauer, wie aus einem unauffälligen Schüler ein Amokläufer wird. Wie ihn Erlebnisse und Ereignisse dazu bringen, ein Blutbad anzurichten. „Ich bin mir sicher, dass der Film nachdenklich stimmt“, sagt Wilfried Kummer und spricht damit vermutlich allen Mitwirkenden aus der Seele.
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