Eine bedrohte Schönheit
04.02.2012
Ort: Bamberg Von: Jutta Behr-Groh ![]()
Denkmal Mit Familie Fiedler als neuer Eigentümerin sieht das Aufseßhöflein in der Nordflur wieder besseren Zeiten entgegen. Es könnte Arbeitsplatz, Wohnung und ein Ort werden, an dem die Bamberger zu besonderen Anlässen feiern. Bis es soweit ist, bleibt aber viel zu tun.

Ein Stukkateur, der im Auftrag des LfD die kunstvoll ausgeschmückten Räume betrachtet hat, muss tief beeindruckt gewesen sein von dem, was er da zu sehen bekam: "Zum Hinknieen schön" zitiert Andrea Fiedler den Fachmann.
Tatsächlich verbirgt sich in dem scheinbar maroden Gebäude ein wahrer Schatz. Gezeichnet vom Zahn der Zeit, von Schmierereien ungebetener Gäste, auch von Bakterienbefall, bringt der kunstvolle Stuck an Decken und Wänden noch jeden Betrachter zum Staunen. Es scheint an ein Wunder zu grenzen, wie viel davon noch vorhanden ist. Der Niedergang des Lustschlösschens begann keine 100 Jahre nach seiner Fertigstellung. Philipp Friedrich von Aufsess hatte es sich in den Jahren 1723 bis 1728 damals weit vor den Toren Bambergs an einem kleinen See bauen lassen. Den historischen Aufzeichnungen zu folge erlebte das Haus schon nach 1760 einen Ausverkauf.
Dabei hatte der so genannte Gartensaal, den die Fiedlers eines Tages wieder nach alten Plänen durch eine Freitreppe von außen zugänglich machen möchten, erst 1752 jene Stukkausstattung erhalten, die heute als Hauptwerk des Rokokostils in Bamberg gilt. Sie ist ein Werk von Dominikus Eckert. Das Landesamt für Denkmalpflege spricht von einem "Unikat in der oberfränkischen Denkmallandschaft".
Der Saal wurde in den vergangenen Wochen professionell vermessen und fotografiert. Dafür musste vorübergehend das Netz entfernt werden, das seit Jahren unter der Decke hing, um abfallende Stuckteile aufzufangen. Statiker und Stukkateur haben ihre Untersuchungen vor Ort beendet. Stefan Fiedler ist gespannt auf ihre Kostenberechnungen und darauf, ob sie wesentlich von seiner eigenen Kalkulation abweichen. Das Ehepaar hat wiederholt Einzeldenkmäler saniert, wurde auch schon ausgezeichnet. Das Aufseßhöflein stellt für sie eine neue Größenordnung dar. "Bisher haben wir alle Häuser ohne Zuschüsse gemacht." Diesmal sei man auf Fördermittel angewiesen und die seien auch in Aussicht gestellt.
Um Geld zu sparen, aber auch, weil es ihnen angeblich Spaß macht, schaffen die Fiedlers mit Verwandten und Bekannten jeden Samstag im Aufseßhöflein. Auch bei der herrschenden Kälte. Ihnen werde schon warm, versichert der 45-jährige Hausherr und zeigt die ehemalige Küche und den früheren Stall im Erdgeschoss: Ein Betonboden und -zig Kubikmeter Auffüllmaterial sind schon heraus geschaufelt. Darunter kommt der ursprüngliche Belag aus Steinplatten zum Vorschein. Licht gibt es auf der Baustelle: Fiedler hat eine alte Stromleitung wieder aktiviert. Eine Heizung wurde nie eingebaut, obwohl das Gebäude bis um die Jahrtausendwende bewohnt war.
Ursprünglich ein Sommersitz, verfügte das Schlösschen wohl über Kachelöfen; darauf deuten Scherbenfunde hin. Fiedlers hoffen, irgendwo passenden Ersatz zu finden. Noch zugemauert ist der offene Kamin im Saal.
Der Gartensaal, das Prachtstück des Aufseßhöfleins, soll eines Tages der Öffentlichkeit zugänglich sein. Das Einverständnis der Denkmalpflege vorausgesetzt, wollen die Eigentümer ihn für eine "gehobene Nutzung" vermieten. Eine ständige Gastronomie kommt für sie nicht in Frage; die Eingriffe in die Substanz wären zu groß. Aus demselben Grund wird die Heizungsanlage wohl in einem noch zu errichtenden Nebengebäude untergebracht. Im Parterre könnte ein Laden oder Atelier entstehen, unter dem Dach eine große Wohnung. Ob das Bamberger Ehepaar selbst einziehen oder vermieten wird, ist noch Zukunftsmusik. Es komme darauf an, das Haus zu nutzen und für Eindringlinge unattraktiv zu machen, ist ihre Überlegung.
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Kommentare
Aufseßhöflein
kann ich jeden Tag seit fast 40 Jahren von meinem Arbeitsplatz aus sehen. Als Kind kam ich dort auch oft mit meinem Fahrrad vorbei. Der Eigentümer, ich glaube der hieß Leumer, war nicht gerade ein freundlicher Mensch. Um so schöner, dass sich nun wohl jemand gefunden hat, der sich um die Renovierung kümmert.
Bruckertshof
Auch hier wäre es toll, wenn dieses Anwesen nicht komplett verfallen würde. Hatte nicht GHP das Anwesen mal gekauft ? Als Kind war ich oft an Wochenenden in diesem wunderschönen Biergarten zur Brotzeit mit meinen Eltern und ein paar Meter weiter fuhr das Schäätzer Bockerla vorbei. Was waren das schöne Zeiten.
... Hatte nicht GHP das Anwesen mal gekauft ?...
... da waren schon mehrere "Spekulanten" dran.
Aber im Nadelstreifenanzug lässt sich das nicht schaffen.
DAS
ist Kultur die förderungswürdig ist
förderungswürdig
meine Meinung! So manche von unseren Beamten und Politikern sinnlos versemmelte Million Steuergeld wären hier gut angelegt!
viel Erfolg! ...
... kann man da nur wünschen.
Das ist eine große Aufgabe die mit Geld alleine nicht zu bewältigen ist!
Es wäre wohl eine der herausragendsten Instandsetzungen in diesem Jahrzehnt.
Würde mich sehr freuen da ich das Gebäude schon seit meiner frühen Kindheit kenne.
Respekt ...
... zur Übernahme dieser Herkulesaufgabe. Man kann den Fiedlers nur Durchhaltevermögen und keine unzumutbaren Auflagen der Denkmalbehörde wünschen.
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