Eine Stiftung gibt Geld fürs Stadtbad
09.03.2010
Von: Michael Wehner ![]()
Stadtbad Nach der Sanierung des Stadtbads verschwand das beliebte Giebelbild der tanzenden Mädchen unter Putz. Eine Spende der Messerschmitt-Stiftung könnte wieder Bewegung in die fest gefahrene Debatte bringen.

Blickfang überm Rosengarten Geyerswörth: Die Darstellung der tanzenden Mädchen, wie viele Bamberger sie kennen und mögen. Foto: MW.
Nun könnte eine Ankündigung aus München den Bamberger Stadtvätern bei ihrer Entscheidungsfindung helfen. Für die überraschende Wendung sorgte Karl-Heinz Artmann, in Hirschaid lebender Nachkomme der Familie Messerschmitt, früherer Inhaber der Weingroßhandlung Messerschmitt. Er hat seine Verbindungen zur größten privaten Kulturstiftung Deutschlands, der Messerschmitt Stiftung, genutzt und die Denkmalschutz-Institution auf den Fall in Bamberg aufmerksam gemacht.
Mit Erfolg, wie sich zeigt: Der Vorsitzende der Stiftung, Hans Heinrich von Sbrik, hat laut Artmann vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass die Messerschmitt Stiftung bereit sei, einen größeren Beitrag für den Erhalt der fünf Grazien am Stadtbad zu spenden.
Artmann ging es bei seiner Initiative nicht nur darum, dazu beizutragen, dass ein Gemälde zum Leben wieder erweckt wird, das sich bei vielen Bambergern ins Gedächtnis gebrannt hat und das einfach zum Stadtbad und zum Stadtbild dazu gehört. Die Geschichte des heutigen Touristikbüros, Geyerswörthstraße 3, und des benachbarten Stadtbads, Geyerswörthstraße 5, ist eng mit der der Familie Messerschmitt im 19. Jahrhundert verbunden. Grund: Es war das Elternanwesen des bekannten Bamberger Kunstmalers Pius Ferdinand, zu dessen Ehren die Stadt 1998 eine Ausstellung durchführte. Knapp 20 Jahre befanden sich dieses und das Nachbaranwesen in der Hand der Messerschmitts, ehe die Stadt 1892 beide Häuser erwarb.
Freude löste die Nachricht von einer Spende für den Erhalt der beliebten Darstellung bei Stadträtin Ulrike Heucken (GAL) aus. Heucken war es, die sich deutlich gegen die von Architekt Heinz Rosenberg vorgeschlagene Stahlband-Neuinterpretation ausgesprochen und damit zu einem Umdenken im Stadtrat beigetragen hatte. "Nun muss eine Lösung gefunden werden, die nicht an den Bürgern vorbeigeht", hofft Heucken.
Wie eine solche aussieht, darüber wird wohl weiter gestritten werden. "Es wäre bedauerlich, wenn dieses allgemein bekannte Kleinod unter Putz bleiben sollte", stellte Karl-Heinz Artmann gegenüber unserer Zeitung fest. Doch billig wird die Freilegung des beim Umbau beschädigten Bildes nicht. Mit 33 000 Euro Kosten bezifferte Stadt die Kosten für eine komplette Abnahme der Putzschichten und die Freilegung der Erstfassung inklusive der Rekonstruktion dreier Füße. Eine solche Lösung brächte beim Übergang zur gedämmten Fassade allerdings auch einen ungewollten Fassaden-Versatz zum Vorschein.
Wegen der "geringen Qualität der Darstellung" stößt diese Variante beim Architekten Heinz Rosenberg auf wenig Gefallen. "Die Bamberger kennen das Bild vor allem aus der Ferne. Was wir gesehen haben, ist bereits zwei Mal überarbeitet worden und dermaßen schlecht, dass es aus der Nähe betrachtet peinlich wirkt", sagt Rosenberg. Eine dritte Möglichkeit wäre es, das Bildnis nach historischem Vorbild nachmalen zu lassen. Die Grundlage dafür, exakte Fotos, sind dem Vernehmen gemacht worden, bevor die Grazien unter der Wärmedämmung verhüllt wurden. Auch für die Rekonstruktion hat die Stadt bereits die Kosten ermitteln lassen: Sie liegen mit 29 500 Euro erstaunlich hoch. Der Grund laut Stadt: Auch für die Rekonstruktion müsse das Bild zuvor komplett freigelegt werden.
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