Ein Kaltstart in den Tag
08.02.2012
Ort: Landkreis Bamberg Von: Jann Weckel ![]()
Wetter Nach einem milden Beginn des Winters erwischt die Kältewelle viele Fahrzeughalter auf dem falschen Fuß. Mangelnde Vorsorge sorgt nun für viele temperaturbedingte Pannen.

Werkstattmitarbeiter Toni Janker vom VW-Zentrum Bamberg prüft mit einem Messgerät die Leistung einer Autobatterie. Foto: Barbara Herbst
Egon Beerbaum, Werkstattleiter des Volkswagenzentrums Bamberg, kennt die häufigsten Gründe für Pannen in diesen kalten Tagen. An erster Stelle stehen die Autobatterien, denn ihnen macht die Kälte am meisten zu schaffen. Durch die niedrigen Temperaturen wird die Kapazität der Batterie immer geringer, jedoch wird für den Startvorgang ein Großteil dieser Kapazität benötigt. Reicht die Energie der Batterie nicht mehr, dann kann der Motor nicht anspringen.
Doch was tun? Zum einen weist Beerbaum darauf hin, dass viele Verbraucher, wie zum Beispiel Sitzheizung und Radio, bis zu zwei Stunden nach dem Abstellen des Wagens immer noch Strom aus der Batterie ziehen. Somit sei es empfehlenswert, bei der Fahrt auf unnötige Verbraucher zu verzichten. "Die Lüftung sollte man natürlich einschalten, man muss ja etwas sehen."
Zum anderen sind es häufige Kurzstrecken, die die Autobatterien am meisten belasten. Auf kurzen Strecken kann sich die Batterie nicht genug aufladen um den Verbrauch des Zündvorgangs auszugleichen. "Man muss der Batterie auch einmal etwas gönnen", findet Beerbaum und rät zu Langstreckenfahrten zum Beispiel am Wochenende, damit sich die Batterie ausreichend regenerieren kann. Eine Spritztour zugunsten der Autobatterie kommt vielen Fahrzeughaltern aufgrund der hohen Kraftstoffpreise allerdings kaum in den Sinn.
Wendelin Fischer vom Kfz-Betrieb Gutkowski und Pfänder in Bamberg hat einen weiteren wertvollen Tipp für die Besitzer eines Autos mit Standheizung: "Es gilt die Faustregel: Man muss mindestens so lange fahren wie die Standheizung betrieben wurde." Sonst kann die Batterie sich nicht ausreichend wieder aufladen. Ein weiteres großes Problem stellt der Dieselkraftstoff dar. Diesel kann bei zu kalten Temperaturen zähflüssig werden und in der Folge Leitungen und Filter verstopfen.Vor allem Dieselfahrzeuge, die nicht in Garage oder Carport abgestellt werden können, sind davon betroffen. Schlimmstenfalls muss der Tankinhalt aufwendig abgepumpt werden. Nicht ohne Grund unterscheiden die Tankstellen zwischen "Winterdiesel" und "Sommerdiesel" und stellen zu Beginn des Winters ihr Angebot selbstständig auf Winterdiesel um. Dieser kann Temperaturen bis zu -20 Grad aushalten. Eine Marke, die in den letzten Nächten durchaus erreicht wurde.
Es fehlt die Geduld
Viele Probleme, die die verzweifelten Autofahrer in die Werkstätten treiben, lösen sich schon nach kurzer Zeit in Luft auf, berichtet Egon Beerbaum vom Volkswagenzentrum. Die enorme Kälte macht gerade der Elektronik in vielen Autos zu schaffen. Dass das Radio oder Navigationsgerät plötzlich Ausfallerscheinungen zeigen, ist laut Beerbaum kein Grund zur Panik. "Es ist ganz normal, dass bei solcher Kälte die Elektronik ein wenig spinnt." Häufig in den letzten Tagen, so erzählt er, mussten viele Kunden bis zu zwei Stunden warten, bis sie und ihre Fahrzeuge endlich betreut werden konnten. Und als es soweit war, trat das Problem schon nicht mehr auf. Beerbaum empfiehlt den Autofahrern ein wenig mehr Geduld bei kleineren Problemen, aber er hat selbst erkannt: "Zeit hat heutzutage niemand mehr."
Viel Zeit haben auch die Werkstätten im Landkreis nicht. Wolfgang Fösel leitet eine Kfz-Werkstatt in Zückshut bei Breitengüßbach und nennt noch weitere Probleme, die bei den derzeitigen Witterungsverhältnissen immer wieder auftreten. Neben Problemen mit der Motorentlüftung werden auch undichte Ölbehälter durch die Kälte zu einem ernsthaften Problem. "Was vorher ein bisschen undicht war, wird bei der Kälte richtig undicht."
Generell empfiehlt er im Herbst präventiv einen Wintercheck inklusive Ölwechsel durchzuführen, um möglichst pannenfrei durch den Winter zu kommen. Der perfekte Stellplatz im Winter gegen Kälteschäden aller Art ist laut Fösel eine beheizte Garage.
Wer derzeit einen Pannenhelfer benötigt, muss sich auf lange Wartezeiten gefasst machen. Anton Freitag vom ADAC bestätigt: "Verglichen mit sonst haben wir im Moment das Doppelte zu tun."
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