"Die Muttergottes bleibt nie dunkel"

09.09.2010   Von: Marion Krüger-Hundrup  inFranken.de

Ehrenamt  Jeden Abend zündet Ursula Meth vor der Marienstatue am Rattelsdorfer Marktplatz Kerzen an. Schon ihre Mutter leistete 50 Jahre lang diesen Dienst.


Immer wieder halten Durchreisende an...
Es ist mehr als eine lieb gewordene Gewohnheit, die Ursula Meth jeden Abend um 19 Uhr aus dem Haus treibt: "Das gehört zu meinem Leben und liegt mir am Herzen", erklärt die 57-Jährige. Tag für Tag, seit 14 Jahren, zündet sie Kerzen vor der Marienstatue am Rattelsdorfer Marktplatz an. Ursula Meth nutzt 24-Stunden-Brenner, die wind- und regengeschützt in roten Gläsern mit durchbrochenen Deckeln ruhen. "Die Muttergottes bleibt nie dunkel", lächelt sie verschmitzt, denn die Doppeldeutigkeit ihrer Aussage ist ihr wohl bewusst. Maria steht im Licht. Schließlich schickt Ursula Meth beim Entzünden der Kerzen stumme Fürbitten gen Himmel: "Ich schließe besondere Anliegen mit ein und bete, dass Maria den ganzen Ort und die ganze Welt beschützt", erzählt die Rattelsdorferin.

Ihr frommes Tun findet Anklang bei den Ortsbewohnern.

Immer wieder kommen "Leute zu mir, die sagen: Zünd heute eine Kerze für mich an, ich habe die und die Sorgen", so Ursula Meth. Besonders freut sie sich über die vielen Auto- und Radfahrer von auswärts, die erstaunt an den flackernden Lichtern anhalten und wissen wollen, warum "die da stehen". So manches Gespräch über Gott und die Welt ergibt sich daraus. Und so mancher steckt Ursula Meth ein paar Euros als Spende für die Kerzen zu. Denn diese kauft sie aus eigener Tasche. Wie auch die Gläser, die ungezogene Zeitgenossen schon einmal als Wurfgeschosse missbrauchen oder stehlen.

Ursula Meth hat die Aufgabe von ihrer Mutter Anna Salb übernommen.

Fünfzig Jahre lang hatte die Bäckersfrau dafür gesorgt, dass die Kerzen vor der barocken Marienstatue des Bildhauers Ferdinand Tietz nicht ausgingen. "Es hat sich früher ja kaans drum gekümmert", begründet die 85-Jährige schlicht und einfach ihren ehrenamtlichen Dienst. Dennoch freut sie sich noch heute über die Ehrenplakette des Marktes Rattelsdorf, die ihr 1996 "in Würdigung ihrer besonderen Verdienste für die Marienstatue" verliehen wurde.

Auch ihre Tochter will nicht viel Worte über ihren Einsatz verlieren. "Es ist mein Dank an die Muttergottes, dass es uns gut geht", sagt Ursula Meth. Punktum. Damit verbindet sie die leise Hoffnung, dass die Familientradition nicht abbricht. Zumindest ihre Enkelkinder Kira (7) und Marius (6) helfen ihr gern beim Anzünden der Kerzen oder schauen ihr "mit gefalteten Händen" zu. Und deren Eltern springen ein, wenn die Oma in den seltenen Urlaub fährt. Schließlich hat Ursula Meth noch andere zeitintensive Ehrenämter: Sie ist Mitglied im Pfarrgemeinderat und sammelt an den Haustüren für das "Päpstliche Werk für Geistliche Berufe im Erzbistum Bamberg".




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