Die Katzenretter aus Kemmern

13.12.2011   Ort: Kemmern     Fränkischer Tag

Tierschutz Von Kemmern aus helfen Paula und Günter Hesele über ihren Verein Tieren aller Art. Straßenkatzen in der Region ebenso wie anderen Tierheimen - in Polen und Bulgarien.


Paula und Günter Hesele umringt von geretteten Tieren bei der Arbeit am Laptop. Foto: Matthias Hoch
Der Winter in Bulgarien wird bestimmt kalt. Paula Hesele fröstelt. "Die brauchen dringend Decken und Isoliermaterial", sagt sie. "Die", das sind private Tierheime, die einen Hilferuf an den Verein Aktive Tierhilfe e.V. starteten. Paula Hesele ist die Erste Vorsitzende dieses Vereins mit Sitz in Bamberg und knapp 70 Mitgliedern in ganz Deutschland. Futter-Dosen hat die in Kemmern wohnende Vereinsvorsitzende schon ein paar sammeln können. "Aber wir bräuchten noch viel mehr", stöhnt sie. Eigentlich bräuchte sie selbst 300 Dosen Katzenfutter. Jeden Tag. Für die 17 Futterstellen in der Region.

Aber jetzt steht für die aktive Tierschützerin die Hilfsaktion für die noch bedürftigeren Tierschützer im Osten im Vordergrund. Während sie die entsprechenden Mails und Bilder am Laptop aufruft, ist sie umringt von Katzen: auf dem Sofa, auf den Fenstersimsen, auf den Katzenbäumen. 15 Tiere leben derzeit bei ihr und Ehemann Günter. Jede einzelne hat ihre ganz persönliche, meist tragische Geschichte. Eine lange Geschichte ist es auch, wie die frühere Krankenpflegerin zur Vorsitzenden des von ihr gegründeten Vereins wurde.

Am Anfang stand dabei eine Kuh, die zum Schlachten in den Bamberger Schlachthof gebracht wurde "und furchtbar geschrien hat". Paula Hesele fuhr hinterher. Was sie dann erlebte, begründete ihr Engagement für Schlachttiere. Deshalb lautet der erste Teil im Namen des Vereines "Schlachttiere in Not", der Zusatz "aktive Tierhilfe". Denn "ohne einen Verein im Hintergrund erreichst Du gar nichts", ist die Erfahrung der mutigen und engagierten Tierschützerin. Sie war tätlichen Bedrohungen ausgesetzt, prozessierte, gewann und hat erreicht, dass sich Missstände in den letzten 17 Jahren reduzierten.

Was für die Dame aus Kemmern nicht bedeutet hätte, dass die Tierschutzarbeit für sie geendet hätte. Im Gegenteil. Sie behält Schlachttiere im Blick, und widmet sich nun verstärkt den Straßenkatzen. Man brauche da gar nicht ins Ausland, sondern fast nur vor die eigene Haustüre blicken. Das begann sozusagen mit der Grenzöffnung, als sie und ihr Ehemann Günter sich in den neuen Bundesländern engagierten.

Die Schilderungen des Ehepaares könnten Bände füllen. Aktuell versorgen Heseles, die nun beide in Rente sind, in der Bamberger Region rund 300 Straßenkatzen, also Katzen, die keinem gehören oder die keiner will. Versorgen heißt vor allem in der kalten Jahreszeit früh und abends füttern und natürlich auch kranke Tiere versorgen und: Kastrieren. "Ihren" Verein sehen die Kemmerner als Ergänzung zur Arbeit des Tierschutzvereines, denn es können nie genug Menschen sein, wenn es um Anliegen des Tierschutzes geht, finden die beiden. Bei der Tierschutzarbeit kennen sie weder Landkreis- noch Ländergrenzen, weshalb sie den Notruf aus Bulgarien und Polen nicht einfach aus den E-Mails löschten, sondern nachhakten und Kontakt anbahnten. Paula Hesele ruft die bulgarische Mail auf: Maschendraht, dahinter jede Menge einfachste Holzhütten. "Die brauchen doch dringend Hilfe", findet sie. Und "in Polen ist das Futter äußerst knapp".

Nächste Woche starten von Berlin aus Transporte nach Polen und Bulgarien. Das Kemmerner Ehepaar würde gerne helfen und Decken, Handtücher, Körbe, Spielsachen, Leinen, Geschirre, Hunde- und Katzenfutterdosen sammeln und von hier aus den Transporten mitgeben oder notfalls selbst nach Berlin bringen. Andererseits braucht ihr Verein auch selbst Futter für die Versorgung der Straßenkatzen. "Zwei Bausparverträge haben wir schon reingesteckt", erklärt Günter Hesele. Kastrationen und medizinische Behandlungen kosten mehr, als die knapp 70 Mitglieder an Beiträgen aufbringen können.

Nur eines können Paula und Günter Hesele eben nicht - "nein" sagen, wenn es um Tiere in Not geht. Deswegen tummeln sich derzeit 15 Katzen bei ihnen - wie die aus einer französischen Tötungsstation gerettete Babette. Heseles Verein sprang ein, nachdem ein anderer deutscher Tierschutzverein abgesprungen war. "Tötungskatzen sind scheuer als andere", weiß Günter Hesele. Und meint damit, dass das an deren Behandlung liege. Babette wurde kastriert. Zusammen mit etlichen anderen ... wie die Transportkistenreihe verrät. Wenn alles verheilt ist, werden für sie und ihre zwei Jungen Mimo und Lara nette Menschen gesucht. Apropos suchen: Bei ihrem ehrenamtlichen Engagement könnten die Kemmerner Unterstützung gut gebrauchen, bei der Versorgung der Straßenkatzen. Sieben Helfer für 300 Tiere sind doch etwas wenig. Nur sollten sich die Helfer auskennen, "weil man sehen muss, wenn ein Tier krank ist".

Auf dem T-Shirt, das Paula Hesele trägt, steht: "Katzenpersonal". Beim Abschied fröstelt sie, nicht wegen des Shirts, sondern weil der Winter in Polen und Bulgarien bevorsteht. "Wäre schön, wenn wir hier helfen könnten."




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Kommentare

 
2  Kommentare  
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Brunskunnl - 14.12.2011 08:51    (0)   
 

wer außer für Katzen noch ein paar Cent übrig hat
http://www.welthungerhilfe.de/duerre-ostafrika-spenden.html

fuerTiere - 14.12.2011 07:56    (0)   
 

für Kastrationspflicht
Der stetig ansteigende Bestand an freilaufenden Hauskatzen hat daher viele ehrenamtlich tätige Tierschutzvereine dazu veranlasst, freilaufende Katzen ohne erkennbare Besitzer zu fangen und zu kastrieren. Diese Maßnahme trägt nachhaltig dazu bei, ein weiteres Anwachsen des Hauskatzenbestandes zu bremsen und somit zum Tierwohl beizutragen.

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