Die Domstadt bewies Vielfalt auch im Glauben

05.06.2010     inFranken.de

Protest  Rufe nach einem NPD-Verbot wurden auch bei der multireligiösen Feier laut, dem Höhepunkt beim Bamberger "Fest der Demokratie" am Samstag Nachmittag an der Weide. Den ausländerfeindlichen Parolen der NPD in der nahen Konzerthalle setzten die Religionsgemeinschaften und Besucher gelebte Völkerverständigung entgegen.


Der evangelische Posaunenchor hatte sich einen schattigen Platz bei der multikulturellen Feier gesichert.Alle Fotos: Barbara Herbst
Einige hundert Menschen wohnten am Samstag Nachmittag der multireligiösen Feier bei, zu der die in Bamberg vertretenen Glaubensgemeinschaften unter dem Motto "Gesegnet in Vielfalt" eingeladen hatten. Sie gehören dem Bamberger Bündnis gegen Rechtsextremismus an, das den Protest gegen den gerichtlich erzwungenen NPD-Bundesparteitag in der Bamberger Konzert- und Kongresshalle organisiert hat.

Unter dem Motto "Gesegnet in Vielfalt" bestritten Christen, Juden, Muslime und die Interreligiöse Fraueninitiative ein eineinhalbstündiges Bühnenprogramm. Es wechselten sich Musik, Gebete, Texte und Szenen ab, die die "Gemeinsamkeit in der Unterschiedlichkeit", so Dr. Abd el-Halim Ragab vom Bamberger Lehrstuhl für Arabistik der Universität, in den Vordergrund stellten.

Ragab übersetzte und erläuterte eine Koranrezitation, die der Imam Ihsan Ucar vom Türkisch-Islamischen Kulturverein Ditib in arabischer Sprache vortrug. Der Mensch schlechthin stehe im Mittelpunkt des Korans, sagte Ragab. Toleranz, Humanität und Menschenwürde gehörten zu den wichtigsten Errungenschaften der Zivilisation und müssten verteidigt werden, wo sie in Gefahr sind.

Eineinhalbstündiges Bühnenprogramm

Durch das Programm, das mit Glockenläuten begann, führte Mirjam Elsel von der Interreligiösen Fraueninitiative. Sie wies einleitend auf die Unterschiede und die Übereinstimmungen in Judentum, Christentum und Islam hin: Alle seien ein reicher Schatz für ein Leben in Verständigung und Toleranz und eine Welt ohne Gewalt. Sie dankte besonders der jüdischen Delegation, dass sie trotz Shabbat mitwirkte. Dann eröffneten zwei Imame des Islamischen Kulturzentrums (VIKZ) mit ihren Gebetsrufen und ein evangelischer Posaunenchor die Feier.

NPD-Verbot "zum Schutz der Menschen nötig"

Der Erste Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Heinrich Olmer, hielt - stellvertretend für die beteiligten Religionsgemeinschaften - die Eröffnungsrede. Er zeigte sich erschreckt vom Sprachgebrauch der NPD, die mit Slogans wie "Bildung statt Moscheen" und "Heimat statt Minarette" an niedrigste Instinkte appelliere. Ihre Wortwahl wecke Assoziationen an Zeiten, die man längst vergangen glaubte.

Doch nicht solcher Parolen wegen forderte Olmer entschieden ein Verbot der Nationaldemokratischen Partei. Das Verbot sei zum Schutz der Menschen erforderlich, die von Rechtsextremen gehetzt, geschlagen und sogar getötet würden. Argumente für ein Verbot sind nach Olmers Worten leicht zu finden. Dazu genüge eine Internetrecherche. Unerträglich sei es, dass die NPD auch noch Steuermittel erhalte, so lange sie nicht verboten sei: "Die Demokratie finanziert somit ihre eigenen Feinde - was für ein Irrsinn!"

Die Zweite IKG-Vorsitzende Dr. Yael Deusel bestärkte alle Anwesenden in ihrem Protest gegen die NPD-Aktivitäten. Die Demokratie sei wehrhaft, müsse aber dann geschützt werden, wenn ihr Schutzmantel als Deckmantel missbraucht werde. Deshalb wäre es fatal, würde man die rechtsextremen Umtriebe kommentarlos hinnehmen: " Wer nicht aktiv verhindert, der lässt zu!"

Gemeinsamer Beitrag der christlichen Kirchen

Die Geistlichen Matthias Wünsche (St. Josef, Gaustadt), Otfried Sperl (St. Stephan) und Jutta Müller-Schnurr (Evangelische Studierenden-Gemeinde) widmeten sich in einem gemeinsamen Beitrag der Hoffnung. Die Christen eine die Hoffnung auf ein friedliches Miteinander, ein "gläubiges Hoffnung auf das, was wir nicht sehen", die Hoffnung "auf die Kraft, die uns Geduld haben lässt". Wo diese Hoffnung aber mit Füßen getreten werde, seien Christen gefordert, aktiv zu werden, so ihr Fazit.

Sechs Vertreterinnen der Interreligiösen Frauen-Initiative woben auf der Bühne ein symbolisches Netzwerk, in dem sie sich und ihre Gruppen vorstellten und dabei jeweils ein Band weitergaben. Ihre Botschaft lautete: "Begegnung ist immer der erste Schritt" für ein Miteinander in Frieden und gegenseitiges Verständnis.

Positive Bilanz

Namens des Bamberger Bündnisses gegen Rechtsextremismus zog dessen Sprecher Werner Schnabel nach dem multireligiösen Gebet eine vorläufige Bilanz des zweiten Protesttags. Er lobte den Einsatz so vieler Gruppen, Parteien und Organisationen beim "Fest der Demokratie", hätte sich aber nach dem enormen Echo am Freitag, als rund 3500 eine Menschenkette bildeten, einen besseren Besuch erhofft. 2008, als die NPD schon einmal in Bamberg tagte, waren rund 1500 Menschen zur multireligiösen Feier gekommen. Diesmal waren es deutlich weniger. Schnabel vermutet, es könnte an den zahlreichen anderen Veranstaltungen am Samstag in Bamberg liegen.

Abgesehen von drei beschädigten Transparenten wurden Schnabel keine Vorfälle bekannt. Auch die Polizei, die am Samstag bereits in deutlich kleinerer Zahl im Einsatz war, zeigte sich am Rand der Feier zufrieden. Alles sei ruhig und entspannt geblieben.





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