Der Jungfernwein reicht für 3000 Bocksbeutel

09.10.2011   Ort: Bamberg  Von: Marion Krüger-Hundrup  Fränkischer Tag

Weinlese Die Weinlese am Michelsberg wurde am Samstag von freiwilligen Helfern abgeschlossen. Am Sonntagabend wusste Winzer Martin Bauerschmitt den Ertrag: etwa 1500 Liter füllfertiger Silvaner.

Mit Lesescheren und Eimern bewaffnet zogen Uthe Metzner und Gisela Albrecht zwischen die 3800 Rebstöcke am Michelsberg. Eine Hand umfasste sanft die ausgereiften Trauben, mit der anderen ein kräftiger Schnitt: Zügig füllten sich die Gefäße der beiden Bambergerinnen. "Wunderschön die Trauben, zu schade zum Nei'tun", meinten sie, als sie ihre Eimer in den Traktoranhänger ausleerten. Die eine oder andere süße Weinbeere landete im Mund der fleißigen Erntehelferinnen, die sich mit über zwanzig weiteren Freiwilligen an diesem Samstag an die Weinlese machten. Trotz grauer Wolken am Himmel und kräftigem Regenguss. "Wir haben die Sonne in den Trauben", lachte Lydia Bauerschmitt, Mutter von Winzer Martin. Sie ließ es sich nicht nehmen, ihren Sohn bei der Lese zu unterstützen. Auch Vater Kilian und Schwester Andrea legten Hand an: "So eine Weinlese gibt's net olle tooch", meinten sie aufgeräumt.

Schließlich war es seit 175 Jahren das erste Mal, dass in Bamberg wieder eine Lese stattfinden konnte. Obendrein noch auf historischer Weltkulturerbefläche. Auch für Uthe Metzner und Gisela Albrecht "ist es eine Ehre, beim Jungfernwein mithelfen zu dürfen", strahlten die beiden Damen. Seit fünfzehn Jahren sind sie auch bei der Weinlese auf dem Weingut der Familie Bauerschmitt in Ziegelanger bei Zeil dabei: "Weil wir gerne in der Natur sind und gerne Wein trinken", begründeten die fleißigen Helferinnen ihren Einsatz. Auch Dieter Scharf aus Walsdorf zückte mit unverhohlener Begeisterung die Leseschere: "Das macht richtig Spaß", erklärte er. Da spielte es keine Rolle, dass er Silvaner ernten musste, obwohl er Bacchus bevorzugt. Auf dem Michelsberg gedeiht eben die Silvanerrebe: trotz Frost und Trockenheit im Frühjahr und verregneten Sommers. "Dank der günstigen Südhanglage ist der Bamberger Michelsberg relativ verschont geblieben", freute sich Pächter Martin Bauerschmitt. Und der warme Spätsommer habe dafür gesorgt, dass es "einen guten Jahrgang gibt".

Rebstock für Rebstock zog die Truppe über den ein Hektar großen Öko-Weinberg im Kammerathengarten. "Wichtig ist, dass nichts ausgelassen wird!" rief Bauerschmitt den Leuten zu. Mit fachkundigem Blick überwachte der Winzer das Geschehen. "Ein voller Eimer ergibt eineinhalb Flaschen", rechnete er schon einmal den ungefähren Ertrag aus. Es werde etwa drei bis fünf Jahre dauern, bis es auf dem Michelsberg zum Vollertrag von 7500 Litern kommen könne.

Am Sonntagabend zog Winzer Bauerschmitt die Bilanz der Leseaktion: "Ich bin zufrieden", klang er bescheiden ob eines "Superergebnisses". Nach dem Einmaischen des "extrem hochklassigen Lesegutes ohne faule Trauben" über Nacht seien die "fleischigen Silvanertrauben" gepresst worden. Dieser Vorgang habe 2000 Liter Saft ergeben. Das bedeute nach der Vorklärung, dem Zusetzen von Hefe und der Reifung im Fass etwa 1500 bis 1600 Liter füllfertigen Wein.

Und zwar eine "starke Spätlese" mit 98 Grad Oechsle. "Bei 100 Grad Oechsle beginnt die Auslese", erklärte Bauerschmitt.

Im nächsten Jahr soll der edle Tropfen unter dem Namen "Silvaner vom Bamberger Michaelsberg" in halbe Liter Bocksbeutel gefüllt werden. "Dann gibt es mehr Flaschen, und der Einzelpreis ist nicht so hoch", betonte der Winzer. Die Landesgartenschau habe natürlich erst einmal das Vorkaufsrecht. Schließlich sei der Weinberg ein Teilprojekt der Landesgartenschau 2012.




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Kommentare

 
11  Kommentare  
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Ardberg - 11.10.2011 05:43    (0)   
 

Zusatz
Was hier geflissentlich verschwiegen wird, ist dass dem Wein 90% eines Weines aus "gleicher Lage" zugesetzt werden können - heisst hier Ldkrs HAS.....
Da lässt sich endlich mal ein sonst nur bei Aldi vermarktbarer Tropfen für viel Geld unter die Leute bringen.

hellokitty - 11.10.2011 09:42    (0)   
 

LOL
ich nehme an, Sie werden den Wein ohnehin nicht kaufen. Dennoch sollten Sie sich richtig informieren und hier keinen Schmarrn verzapfen. Heute wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden?? Gute Besserung!

EulenSpiegel - 10.10.2011 19:38    (0)   
 

… und alles „Bio“ & „Öko“ …
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

KlaRa - 10.10.2011 13:29    (0)   
 

Der nächste Winter kommt bestimmt!
Ich nehm ihn auf jeden Fall als Frostschutzmittel für meine Scheibenwaschanlage...

kwz - 10.10.2011 12:16    (0)   
 

ja sieh
outen sich da vielleicht unzählige alks, wer weiss ????????

hellokitty - 10.10.2011 08:38    (0)   
 

Ich freue mich auf das gute Ergebnis
und werden den Wein auf jeden Fall probieren. Meines Wissens gibt es Bocksbeutel in verschiedenen Größen. Die werden kleiner als 0,7l sein.

Companion - 10.10.2011 06:59    (0)   
 

ääähhh...
..wie geht denn das??
Aus 1.500 Liter füllfertigen Wein 3.000 Bocksbeutel zu produzieren - meines Wissens ist ein Bocksbeutel mit 0,7l Inhalt gefüllt...
Oder wird hier Wasser zu Wein... ;`)
Na dann,wie auch immer - auf jeden Fall zum Wohl..

CFRA1 - 10.10.2011 09:01    (0)   
 

So geht das:
In der Print Ausgabe steht, dass der Wein "... in halbe Liter Bocksbeutel gefüllt werden. "Dann gibt es mehr Flaschen, und der Einzelpreis ist nicht so hoch", betont der Winzer."

Von mir aus kann der Wein unbezahlbar werden!
Ich fand die Streuobstwiese wesentlich besser!

AndreasStenglein - 10.10.2011 09:47    (0)   
 

Bescheißerei
Wein in 0,5 Liter-(Bocksbeutel-)Flaschen abzufüllen, ist - abgesehen davon, dass das wahrscheinlich gar nicht zulässig ist - genauso Bescheißerei wie Wein in 0.2 Liter-Gläsern (statt 0.25 Liter-Gläsern) zum Viertelliterpreis zu verkaufen.

Heilichsblechla - 12.10.2011 15:58    (0)   
 

Bitte informieren ...
Bevor Sie sich der Fäkalsprach4e bedienen, sollten Sie sich einfach besser informieren. Es gibt Bocksbeutel in folgenden Größen: 0,35 - 0,5 - 0,75 - 1,5 und in einer 3 Ltr.-Ausgabe. Im übrigen sollte man, auch wenn man schon 80+ ist, die Getränkekarte lesen und dann halt nur Gaststätten aufsuchen, wo noch in 0,25 ltr. Gläsern ausgeschenkt wird ... In Heckenwirtschaften dürfte es da überhaupt keine Probleme geben.

Hier die Bb-Info:
http://www.carlklein.de/sortiment-frame.html

AndreasStenglein - 17.10.2011 11:21    (0)   
 

Erzählen Sie keine Märchen!
Wer im fränkischen Weinland einen Schoppen bestellt, erhält einen Viertelliter Wein. Wer – im Unterschied dazu – auf dem Wurstmarkt in Bad Dürkheim in der Pfalz einen Schoppen bestellt, bekommt einen halben Liter. Deshalb sage ich, dass derjenige in Franken, der 0,2 Liter statt 0,25 Liter ausschenkt, im Grunde genommen bescheißt. Das gilt auch für einen Bocksbeutel mit anderem Inhalt als drei Schoppen oder 0,75 Liter. Bescheißen ist in diesem Zusammenhang der richtige Ausdruck.
Da ich lesen und schreiben kann, ist Ihre diesbezügliche Anmerkung so überflüssig wie ein Kropf.

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