Dauerfrost: Ein schlechtes Arbeitsklima
04.02.2012
Ort: Landkreis Bamberg Von: Jann Weckel ![]()
Wetter Zum Wochenende erreicht die Kältewelle voraussichtlich ihren absoluten Tiefpunkt. Extreme Temperaturen machen beispielsweise Zeitungsausträgern und Marktverkäufern das Leben schwer.
Zum Beispiel Barbara Dürr aus Hallstadt. Sie trägt mittlerweile schon seit 30 Jahren, mit kleineren Unterbrechungen, morgens die Zeitung aus. Bereits um halb drei macht sie sich auf den Weg, um mehr als 100 Haushalte mit der druckfrischen Ausgabe des Fränkischen Tags zu beliefern. Sonst erledigt sie dies mit ihrem alten Postfahrrad, doch aufgrund der extremen Temperaturen muss sie nun ihre Route mit dem Auto bewältigen.
Über die Kälte beschwert sie sich kaum. "Schnee und Matsch wären ein noch viel größeres Problem". Viel wichtiger ist ihr, den Zeitungsabonnenten klar zu machen, dass die aktuelle Zeitungsausgabe nicht von selbst in Briefkasten oder Zeitungsrohr landet. Wenn sie früh morgens, dick eingepackt mit Mütze und Rollkragenpullover sowieso, schon mit nicht geräumten Straßen und Gehwegen zu kämpfen hat, wäre sie sehr dankbar für Zeitungsrohre, die in Gehwegnähe angebracht sind. Denn längere Wege bedeuten auch ein höheres Sturzrisiko, wie sie aus eigener, oft sehr schmerzhafter, Erfahrung berichten kann.
Markt leidet unter der Kälte
Auch in der Bamberger Innenstadt sorgt die Kälte für einige Probleme. In der Fußgängerzone findet man aktuell nur wenige Verkaufsstände, denn viele Händler können ihre Ware nicht vor den Minustemperaturen schützen. Die vorhandenen Stände sind rundum mit Planen verhüllt und erwecken auf den ersten Blick nicht den Eindruck, tatsächlich besetzt zu sein. Doch wagt man einen Blick hinter die Plane, so findet man am, oder vielmehr "im", Obst- und Gemüsestand von Dieter Peterhänsel einen wahren "Hotspot". Ein Grad zeigt das Thermometer in seiner verhüllten Holzhütte, in der die Luft durch kleine Heizgebläse auf beinahe angenehme Temperaturen gebracht wird. "Das Optimalste ist eine solche Winterhütte", erzählt er. Die Kälte ist für ihn nicht wirklich neu, denn er erinnert sich an ähnliche Temperaturen im letzten Jahr, damals allerdings noch mit zusätzlichem starken Schneefall.
In seiner Nähe am Gabelmann steht Silke Wagner am heißen Grill einer Rostbratwurstbude und friert dennoch. Über die Frage nach ihrem doch sicherlich warmen Arbeitsplatz kann sie nur schmunzeln: Das Thermometer steht auch hier bei einem Grad, allerdings im Minus, denn der Wind pfeift permanent durch ihren Verkaufsraum. Von 7 bis 18 Uhr steht sie in der Bude und kämpft mit Fußbodenheizung und Heizgebläse gegen die Kälte an, zudem ist sie "angezogen wie eine Zwiebel", wie sie sagt. Zwar sind ihre warmen Speisen für die Fußgänger eine willkommene Chance sich aufzuwärmen, doch die Anzahl an potenziellen Kunden ist bei den extremen Temperaturen gering.
Für andere Arbeiten ist die Wetterlage sogar ideal. So befreit das Tiefbauunternehmen Georg Pfister in Breitengüßbach einen Weiher vom Schlamm, sodass dieser als Eislaufbahn genutzt werden kann. Eigentlich dient der Weiher als Sammelbecken, falls der angrenzende Bach bei Hochwasser übers Ufer tritt, doch der Sand und Dreck, den der Bach mit sich trägt, verhindern im Winter das Entstehen einer natürlichen Eisfläche. Dank der andauernden Minusgrade ist der Schlamm nun so hart, dass die Bagger ihn ausheben können, ohne selbst steckenzubleiben. Gemeindemitarbeiter Heinrich Geuß beaufsichtigt die Arbeiten, verschafft sich aber auch gerne eine Verschnaufspause im Warmen. Im nahegelegenen Bauhof widmet er sich beispielsweise der Planung von anstehenden Faschingsveranstaltungen. Die Baggerfahrer selbst profitieren davon, dass ihre Arbeitsgeräte gut beheizt sind.
Arbeit fernab der Minusgrade
Doch selbstverständlich gibt es auch Menschen, die aus beruflicher Sicht keine Probleme mit der eisigen Kälte haben. Einer von ihnen ist Bäckermeister Norbert Stuber. Wenn er am frühen Morgen gegen 2 Uhr die Backstube betritt und seine Backöfen anwirft, hat er es nach eigenen Angaben bald "wohlig warm". Bis Mittag verbringt er seine Zeit dort und lediglich seine Auslieferer müssen hinaus in die Kälte. Mit ausreichend warmer Kleidung ausgestattet gibt es dabei aber keine Probleme. "Hauptsache das Auto springt an...".
Am Wochenende sollen die Temperaturen ihren Tiefpunkt erreichen und sich danach nur langsam wieder in Richtung der 0-Grad-Grenze bewegen.
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