Das Haus am Haken sorgt für Aufsehen

10.04.2011   Ort: Bamberg  Von: Marion Krüger-Hundrup  Fränkischer Tag

Kunstereignis Seit Samstag hängt das "Rucksack House" an der Fassade des Hauses Heinrichstraße 2 an der Promenade. Das Wohnkunstwerk von Stefan Eberstadt ruft vielfältige Reaktionen hervor.


Zahlreiche Zuschauer verfolgten das Hochhieven des Rucksackhauses von Stefan Eberstadt an der Promenade. Fotos: Barbara Herbst
Samstagmorgen an der nördlichen Promenade. Ein Kran ragt in die Höhe, ein Schwertransporter blockiert den Verkehr. Fernsehreporter, Fotografen, Journalisten und etliche Schaulustige warten geduldig. Ein "Kunstevent" ist angekündigt: Das "Rucksack House" soll an die Fassade des Hauses Heinrichstraße 2/Promenade angedockt werden.

"Ich stehe hier mit einem riesen Kribbeln im Bauch, ob es klappt", bekennt Fiona Loeffelholz von Colberg, die Vorsitzende der Freunde des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia e.V. Zwei Jahre hat sie gemeinsam mit der Architektin Ursula Sowa für dieses Projekt zwischen Kunst und Architektur gekämpft, bürokratische Hürden bewältigt, Sponsoren gefunden und den Eigentümer des Gebäudes für das "Rucksack House" begeistert.

Der Schaffer dieses Wohnkunstwerkes, Stefan Eberstadt, ist ehemaliger Stipendiat der Villa Concordia. Mit einer gewissen Nervosität blickt er auf sein 1,6 Tonnen schweres Werk, das der Autokran langsam vom Transporter in die Höhe zieht. "Es ist einer der schönsten Momente, wenn es gehängt wird", strahlt Eberstadt. Ein Team in einer Hebebühne dirigiert das Objekt in Position: vor ein Fenster im dritten Stock. Wie ein Rucksack hängt der Kubus an im Dach verankerten Stahlseilen. Vier Dorne werden in die dafür vorgesehen Löcher in der Fassade eingesteckt. "Aan Nistkastn für Störche hängn die da auf", schüttelt ein Passant verständnislos den Kopf und eilt weiter. Der Hirschaider Thomas Zahn bleibt stehen und blickt neugierig nach oben. "Das ist gewöhnungsbedürftig, etwas für Kunstliebhaber", meint Zahn. Und fügt dann doch hinzu, dass das Rucksack House "sicher eine Bereicherung für die Stadt Bamberg ist".

Monika Pittroff findet dieses Kunstwerk "geradezu genial". Es hängt vor dem Fenster ihrer Ergotherapie-Praxis. Über eine dreistufige Holztreppe gelangt man in das Innere des Würfels. Die Wände sind nur durch den Rhythmus von Fensteröffnungen unterbrochen. Wer das Rucksack-House betritt, schwebt über der Straße: in einer privaten Atmosphäre und doch im öffentlichen Raum.

Architektin Sowa, die den Bauantrag für das Rucksack House übernommen hatte, ist "begeistert von diesem Objekt": "Es wertet die Promenade auf", erklärt sie. Das Avantgardistische solle in Bamberg verstärkt werden, meint Sowa und hofft "auf heftige Debatten". Ihr Architektenkollege Christoph Gatz hat sich ebenfalls bei diesem Hänge-Spektakel eingefunden: "Ich bin ehrlich entzückt", schwärmt er über dieses architektonische Wunderwerk, das die glatte Gebäudefassade unterbricht. Eigentümer Richard Stier, der sein Haus für die höhere Kunst zur Verfügung stellt, genießt still den ganzen Rummel. "Ich bin in Bamberg geboren, lebe in Bamberg, da muss ich so etwas unterstützen", begründet Stier die Bereitstellung seines Eigentums. Etwa eineinhalb Jahre wird das Rucksack House Attraktion bleiben. Dann wandert es weiter.

Am Sonntag wurde nun das Rucksack House offiziell eingeweiht. Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) zeigte sich stolz darauf, "herausragende moderne Kunst im öffentlichen Raum" präsentieren zu können. Neben dem bestehenden Skulpurenweg und den Ausstellungen von Großplastiken sei das Rucksack House "etwas völlig Neues": eine "temporäre Minimalskulptur, die sowohl innen als auch von außen eine ganz eigene städtebauliche und räumliche Qualität entwickelt". Für Laudator Oliver Elser, Kurator am Deutschen Architekturmuseum Frankfurt, besteht das Besondere des Rucksack Houses darin, dass "es sich jeder wünschen könnte", unabhängig von Kunst: "Es erweitert den Wohnraum und den Horizont", sagte Elser. Auch ein gewisser Nervenkitzel sei dabei: Das Betreten des Rucksack Houses führe in eine "instabile Situation: Hält das?" fügte der Kurator hinzu.





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Kommentare

 
13  Kommentare  
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unbekannt - 01.11.2011 20:01    (0)   
 

Amputiert oder nicht: Wer will hier keinen Hakenkreuz erkennen?
Eine grundlegend nette Idee, nicht neu, aber nett. Dass sich der Künstler nicht über das verkehrte Hakenkreuz auf der Vorderfront klar war, kann ich kaum glauben. Wenn ja, reichlich unbedacht. Wenn nein, wo läge dann der Sinn als in einer sinnlosen Provokation.

Frankenleser - 12.04.2011 08:34    (0)   
 

Die Idee!
An jedes Fenster der Uni Bamberg,so ein Kunstobjekt,
schon hätte ein jeder Student einen günstigen Wohnraum.Ohne lange Anfahrtswege (Direktlage).

einBAMBERGER - 11.04.2011 21:49    (0)   
 

Rucksack
Kunst ist ja bekanntlich dafür da damit wir uns darüber streiten oder auch nicht. Auf jeden Fall fördert es die Komunikation. Ich war drin im Rucksack und finde es eine tolle Idee. Als Wohnraumerweiterung ist es auf alle Fälle überlegenswert, als Kunst , na ja. Finde es aber wiederum schade das hier wieder Leute angegriffen werden und beleidigt werden welche mitgearbeitet haben bei diesem Projekt. An die Residenz würd ich das auch nicht anhängen . Aber nochmal KLASSE!!!

esFritzla - 11.04.2011 19:55    (0)   
 

Man kanns ja umhängen
Das amputierte Hakenkreuz kann man ja schon mal an die Konzerthalle hängen, falls die NPD dann doch noch kommt. Oder an die Concordia, da paßt der Hasenstall gut zur Künstlerbarracke, bzw. da kommt er ja her.

unbekannt - 13.04.2011 11:54    (0)   
 

Schöne Sache -- Armes Deutschland
Ach, die Leute, die darin etwas amputiertes wie auch immer sehen haben NULL aber auch NULL Ahnung von Geschichte. Nur zur Info, amputiert oder nicht amputiert, es wäre falsch herum, wenn es das sein sollte, was hier die Leute mit falscher Propaganda uns mitteilen wollen.
Also , lieber mal ein gutes Geschichtsbuch in die Hand genommen , weil man lernt ja nie aus. Ach ja, ich find das Rucksack-House übrigens Klasse, Villa Concordia und Freunde : Macht weiter so !!

Roco - 11.04.2011 17:03    (0)   
 

Als ich...
... vorbei gelaufen bin und ich es so im Augenwinkel sah, bin ich erstmal erschrocken, beim genauen hinschauen hat sich hat es sich aber dann erledigt... War doch nicht das für das ich es hielt, weil unten rechts ein Fenster fehlt...

HansKasper - 11.04.2011 18:15    (0)   
 

Haha
Pure Ironie! "...Daß es sich jeder wünschen könnte!"

Durchblicker - 11.04.2011 15:14    (0)   
 

Mein lieber suedwest-forever
Ich werde mir über ihre rügenden Worte Gedanken machen. Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung, die ja alleine mir gehört. So wie die ihre ihnen gehört. In das Haus würde ich, trotz ihres sicherlich wohlwollend gemeinten Ratschlages, niemals hinein gehen, da ich erstens nicht schwindelfrei bin und zweitens ich Höhenangst habe, was ursprünglich ja wieder zusammen hängt.

Bemühen Sie sich bitte weiter um mich; dadurch fühle ich mich enorm geehrt. Bis dann, mein Gutster. zwinkern

suedwest-forever - 11.04.2011 13:55    (0)   
 

Ach Gott,
macht euch nicht ein, ihr Hampelmänner da unter mir...
Ist ja erstens nicht so dass da eine historisch besonders wertvolle Fassade "verschandelt" wird.
Zweitens kann man sich Kommentare wie "Ich frage mich ob es der Künstler schon mal mit Arbeit versucht hat" wirklich sparen.
Und drittens müsste das "Rucksack House" (saublöder Name übrigens) doch gerade für den Durchblicker super sein - so kann er schön nach allen Seiten durchblicken.

Durchblicker - 11.04.2011 12:40    (0)   
 

Der ganz normale Schwachsinn ist das
**************************************
Da fehlen mir die Worte. Und so was nennt sich auch noch Kunst. Den "Künstler" Eberstadt möchte ich fragen, ob er es schon mal mit Arbeit versucht hat. Ich brauch jetzt das Schreikissen von Günter Grünwald.

laberhannes - 11.04.2011 12:08    (0)   
 

Wie wäre es....
....wenn Frau Sowa mal "in diesem Haus" für ein paar Tage "arbeiten" müsste ? Ob Sie es schafft mindestens 9 Stunden "wach" zu bleiben und so zu tun als ob ?

HansKasper - 11.04.2011 09:37    (0)   
 

Ein Traum!
Das sieht irgendwie aus wie das Raumschiff der Borg.
Wie passend!
Der Traum aller Politiker und Unternehmer.
Die Menschen in winzige eckige Kästen sperren, mit den nötigsten Einrichtungen in billigster Bauweise ohne Verbindung mit der Natur, eine Monade, bereit auch noch den letzten Mist mitzumachen und gutzuheißen, brav arbeiten zu gehen und ein verrückter, aber noch funktionierender Teil der Gesellschaft zu sein,. Privat und trotzdem öffentlich, überwacht und kontrolliert.

Bezeichnend auch wieder, wie eine GRÜNEN Politikerin sich für so etwas einsetzen kann und der Meinung ist, daß dieses Symbol der Uniformität, Hässlichkeit und Unterdrückung die Stadt aufwertet.
Wie war der Spruch nochmal: Erst wenn der letzte Fluß...

suedwest-forever - 10.04.2011 18:57    (0)   
 

haha !
gefällt mir! v.a. der eingang durch das fenster mit rollladen

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