Brose Baskets spekulieren auf US-Sporthalle

08.02.2012   Ort: Bamberg  Von: Michael Wehner  Fränkischer Tag

US-Standort Der Abzug der Army wird nicht nur den Bamberger Wohnungsmarkt aufmischen. Die Brose Baskets haben bereits ein Auge auf die Sporthalle der US-Army geworfen.


Direkt hinter dem Berliner Ring auf Militärgelände liegt die Sporthalle der Amerikaner. Frei zugänglich ist sie für die deutsche Öffentlichkeit bislang nicht. Foto: Ronald Rinklef
Berliner Ring, Ecke Zollner Straße in Bamberg. 30.000 Autos fahren hier jeden Tag vorbei. Doch was sich hinter einem stacheldrahtbewehrten Zaun verbirgt, wissen die wenigsten Bamberger. Kein Wunder: Die Sporthalle, die die Amerikaner Anfang des letzten Jahrzehnts gebaut haben, ist Teil der militärischen Sperrzone. Nur Berechtigte haben Zutritt.

Eingeweihte wissen aber: Vergleichbares findet man in Bamberg an keiner zweiten Stelle: Sporthalle ist reichlich untertrieben. Das "Physical Fitness Center", wie die Sportstätte von den Amerikanern genannt wird, ist ein hochmoderner Tempel für den Hallensport: Von Boxen bis Ringen, von Racketball bis Aerobic finden hier die Aktiven der unterschiedlichsten Disziplinen optimale Bedingungen. 13,5 Millionen Euro hat die Sporthalle der Superlative gekostet. Mit den Nachrichten vom Abzug der US-Truppen ist sie über Nacht zum Gegenstand der Begehrlichkeiten geworden.

Beispielsweise die Brose Baskets. Für den Spitzenclub der Basketball-Bundesliga hat sich das Fehlen einer geeigneten Trainingshalle immer mehr zum Standort-Nachteil entwickelt. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Die Schulturnhallen sind alle ausgebucht. Und auch die Pläne, an der Forchheimer Straße ein Sportzentrum zu bauen, das den Profis wie der offenen Jugendarbeit zur Verfügung stehen sollte, stießen zuletzt auf hohe Hürden.

Nun also eine Alternative am Berliner Ring? Baskets-Manager Wolfgang Heyder verhehlt nicht, dass man bei den Brose Baskets ein Auge auf die Sporthalle der Amerikaner geworfen hat. "Ich hoffe schon, dass wir irgendeine Chance haben, da einmal zu trainieren", sagt Heyder. Was die Basketballer reizt, ist nicht nur die Größe der Halle, sondern ihre Ausstattung. Sie lässt keine Wünsche offen. "Das ist absolute Premiumqualität. Da gibt es alles von der Sauna bis zum Whirlpool und bis zu einer Laufbahn", schwärmt Heyder.
Willi Bayer ist derjenige, der wohl am besten weiß, was in der US-Halle am Berliner Ring steckt. Der Architekt aus Fürth hat die Halle für die Amerikaner geplant und ist heute noch begeistert von den Möglichkeiten, die sich ihm als Planer boten: "Die Halle sprengt deutsche Maßstäbe", sagt Bayer. 80 Einfamilienhäuser fänden hier locker Platz, das Spielfeld ist 44 mal 42 Meter groß. Dank einer Teleskoptribüne können bis zu 1600 Zuschauer Platz finden.

Und alles ist relativ neu: Die Halle, die 2004 von den Amerikanern in Betrieb genommen worden war, ist nach modernen Wärmeschutzvorschriften errichtet. Sie ist teilweise klimatisiert und hat eine lichte Höhe von 9,50 Metern. Im Rundlauf über dem Spielfeld befindet sich ein 160 Meter langer so genannter Jogging-Track.
Auch der Bamberger Sportbürgermeister Werner Hipelius (CSU) kann sich der Begeisterung nicht erwehren, wenn er von der Chancen redet, die sich hier für den Sport in der Stadt böte: "Wir können die Halle sehr gut gebrauchen", sagte Hipelius. Niemand weiß besser als er: Der Bedarf, den Vereine und Schulen in Bamberg an zusätzlichen Sportstätten haben, ist weit größer als das bestehende Angebot. Die Bamberger Hallen sind deshalb stets bestens belegt.

Dieser Mangel wäre gleichsam über Nacht kein Thema mehr, wenn die Amerikaner gehen. Doch Illusionen sollte man sich nicht machen: Bamberg wird die Millionen Euro teuere Immobilie wohl kaum geschenkt bekommen. Davon geht man auch in der Stadt nicht aus. Werner Hipelius rechnet mit schwierigen Verhandlungen mit der Bima, der Bundesanstalt für Immoblilienaufgaben. Deren Aufgabe wird es sein, die Grundstücke des US-Standorts und die Liegenschaften bestmöglich zu verwerten, das heißt entweder durch Verkauf oder Vermietung wieder einer Nutzung zuzuführen. Die Sporthalle könnte da als Perle in einem Gesamtpaket eine wichtige Rolle spielen.

Freilich hat auch die Stadt manchen Trumpf in der Hand. Durch die kommunale Planungshoheit ist sie Herrin des Verfahrens, wenn es darum geht, für 450 Hektar Kasernengelände die Bauleitplanung voranzutreiben. Auch Käufer für eine solch große Halle wird die Bima nicht an jeder Straßenecke finden. Schon die Unterhaltskosten dürften die Möglichkeiten der meisten Interessenten weit übersteigen.



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Kommentare

 
3  Kommentare  
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Tom - 04.03.2012 22:13    (1)   
 

die Stadt
Ach
die Stadt kanns übernehmen und den Herrn H. und den Basket zur Verfügung stellen
am besten kostenlos

Oberfranke - 10.02.2012 20:16    (0)   
 

Der Basketballgeier...
...kreist wieder.

laberhannes - 09.02.2012 12:43    (0)   
 

Großmannsucht
Zitat "Schon die Unterhaltskosten dürften die Möglichkeiten der meisten Interessenten weit übersteigen."

Sicherlich übersteigt es auch die Möglichkeiten der Stadt Bamberg.

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