Bolero erntet Bravorufe

14.03.2010   Von: Jürgen Gräßer  inFranken.de

Konzert An Maurice Ravels Meisterwerk scheitern selbst manche Profiorchester. Die Städtische Musikschule wagte sich nun an den rhythmischen Dauerbrenner – und erhielt viel Applaus dafür.


Fotos: Barbara Herbst
Dazu gehört ganz schön viel Mut! Da kommen 65 junge Musiker, wünschen sich, Ravels Bolero aufführen zu dürfen, und Martin Erzfeld, Dirigent und Leiter der Städtischen Musikschule, sagt, wie immer leise auch, ja. "Die haben nicht präsent, was da erforderlich ist", sagte Erzfeld, der sich aber in der glücklichen Lage befindet, auf eine gute Schlagzeugabteilung, auf Saxophonisten von Format, auf Flötisten und einen Fagottisten, die sich hören lassen können, zurückgreifen zu können. So waren lediglich Posaune, Trompete und einige Streicher Aushilfen.

Um das anspruchsvolle Programm bewältigen zu können (auch Beethovens Erste, alles andere als einfache Literatur, gehörte dazu), war das sich so nennende "jugendorchester bamberg!" erstmals zu einem Probenwochenende nach Weikersheim gefahren. "Das hat enorm viel gebracht, weil wir zwei komplette Tage sehr intensiv gearbeitet haben", erzählte Erzfeld. Und Jürgen Roeder, der stellvertretende Schulleiter, ergänzte: "Die Musiker kamen begeistert wieder zurück. Sie haben richtig Feuer gefangen."


Flottes Tempo


Von diesem Feuer war im Keilberth-Saal einiges zu spüren. Selbst wenn naturgemäß (denn fast jedes Solo ist eine Probespielstelle) manches danebenging, wenn mal ein Ton wegblieb oder das Zusammenspiel nicht punktgenau geriet, kann man doch von einer gelungenen Leistung sprechen. Am Ende hagelte es sogar Bravorufe. Erzfeld nahm das 1928 uraufgeführte Werk sehr flott, das Tempo lag deutlich über dem 72-er Puls für die Viertel des Moderato assai, die Ravel vorgesehen hat. Auch die Dynamik war von Anfang an etwas zu kräftig, sodass die orgiastische Kulmination, wenn nach 328 Takten in C-Dur plötzlich nach E-Dur und sogleich wieder zurück nach C moduliert wird, nicht so eindringlich zur Geltung kam, wie es hätte sein können. Aber das sind nur Quisquilien! Und Respekt vor der kleinen Trommel. Übrigens reisen die jungen Musiker im Juni in die Partnerstadt Villach. Sie haben sich das durchaus verdient.


Bach und Beethoven


Der Nachmittag hatte begonnen mit den Suzukigruppen der Streicher. Schon die Kleinsten durften, angeleitet von Susanna Obando, ihr Talent ausstellen. Außerdem – das Motto lautete schließlich "Bach, Beethoven, Bolero" – gab das Junge Streichorchester unter dem Dirigat von Jürgen Roeder Bach. Nicht Johann Sebastian diesmal, sondern die g-Moll-Ouvertüre von Wilhelm Friedemann Bach, also dem ältesten Sohn. Auch hierfür reichlich Beifall.




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