Bamberger zu friedlichem Protest aufgerufen

02.06.2010     inFranken.de

Zivilcourage Gegen den NPD-Bundesparteitag am Freitag und Samstag in der Konzerthalle will Bamberg mit einem multikulturellen Programm protestieren. Im Rathaus wurden heute Einzelheiten der geplanten Veranstaltungen vorgestellt. OB Andreas Starke (SPD) appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, durch ihre Teilnahme ein Zeichen setzen.


So friedlich wie im Mai 2008 wünschen sich alle Verantwortlichen den Protest der Bamberger Bevölkerung am Freitag und Samstag, wenn die NPD wieder zu einem Bundesparteitag kommt.Foto: Harald Rieger/Archiv
Zum zweiten Mal seit Mai 2008 veranstaltet die NPD am Wochenende in der Bamberger Konzerthalle ihren Bundesparteitag. Alle juristischen Bemühungen der Stadtverwaltung, die Veranstaltung zu verhindern, waren erfolglos. Die ungebetenen Gäste aus dem rechten Lager einfach zu ignorieren, wie es selbst von einigen Stadträte vorgeschlagen wurde, halten Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), die im Bamberger "Bündnis gegen Rechtsextremismus" vertretenen Parteien, Kirchen, Vereine und Gruppierungen und ausdrücklich auch Erzbischof Ludwig Schick für den falschen Weg. Sie fordern vielmehr die Bambergerinnen und Bamberger auf, Zivilcourage zu zeigen und am Freitag und Samstag möglichst zahlreich an den Veranstaltungen teilzunehmen, die den Neonazis - es werden bis zu 400 erwartet - zeigen sollen, dass sie in Bamberg nicht willkommen sind.

Am Freitag soll sich eine Menschenkette rund um die Konzerthalle bilden. Der symbolische Schulterschluss aller demokratisch denkenden Menschen wird ab 16.30 Uhr vorbereitet. Schätzungsweise 2000 Personen werden dazu gebraucht. Um 17.05 Uhr soll sich der Kreis für zehn Minute schließen, indem sich alle Teilnehmer an den Händen fassen. In dieser Zeit werden die Bamberger Kirchenglocken läuten.

Einreihen werden sich wohl auch Bürgermeister aus der Metropolregion Nürnberg. Deren Allianz gegen Rechtsextremismus führt am Freitag Nachmittag in Bamberg ihre Jahresversammlung durch. "Das tut uns gut, wir finden das toll!" kommentierte Werner Schnabel, der Sprecher des Bamberger Bündnisses gegen Rechtsextremismus, die Unterstützung einer ganzen Region für Bamberg.

Der Menschenkette schließt sich ab 18 Uhr das Konzert "Rock gegen rechts" im Liveclub in der Sandstraße an.

Am Samstag steigt zwischen Markusplatz und Weide , nicht weit weg von der Konzerthalle, ein "Fest der Demokratie". Es beginnt um 11 Uhr und soll gegen 20 Uhr enden. Es wird Reden, Musik, andere kulturelle Beiträge und, Informationsstände geben. Ein Teil des interkulturelles Festes ist um 14 Uhr eine multireligiöse Feier gegen Rechtsextremismus, die unter dem Motto "Gesegnet in Vielfalt" steht. Die Glocken der Bamberger Kirchen , ein muslimischer Gebetsruf und ein Posaunenchor eröffnen die rund 90-minütige Feier an der Weide. Es folgen Beiträge der Israelitischen Kultusgemeinde, der christlichen Kirchen, der Bamberger Muslime, der Interreligiösen Fraueninitiative und ein offenes Singen.

Für Oberbürgermeister Andreas Starke ist es "unerträglich", dass die NPD ihre antidemokratischen und menschenverachtende Ideologie in Bamberg diskutieren darf. Er forderte am Rande der Pressekonferenz im Rathaus eine neue Initiative für ein bundesweites Verbot der rechtsextremen Partei.

Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat zwei Tage vor der NPD-Veranstaltung in der Domstadt klar Stellung bezogen. Er ruft zum Kampf gegen den Rechtsextremismus auf: "Wir Christen dürfen nie zulassen, dass Menschen wegen ihrer Religion, ihrer Rasse, ihrer Herkunft Angst haben müssen." Schick appelliert an alle Mitchristen,
sich an den Veranstaltungen zu beteiligen und so zu zeigen, "dass Sie für eine Stadt Bamberg und ein Deutschland sind, in dem alle angstfrei miteinander leben können".

Das Polizeipräsidium Oberfranken kündigte an, die Versammlungs- und Meinungsfreiheit zu schützen, und zwar auf allen Seiten. Vizepräsident Walter Sommer stellte klar, dass seine Behörde dabei neutral sein müsse. Ihre Aufgabe sei es, friedliche Demonstrationen und Protestveranstaltungen ebenso zu schützen wie die Anwohner und die nicht verbotene NPD.



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